Kurs Süd (21.08. – 01.09.)

Vor Anker in Hossvågen

Dem Sognefjord vorgelagert liegt die Sula-Inselgruppe; die Landschaft hat sich gegenüber dem Fjord plötzlich verändert,  statt waldiger Berghänge ragen nun karge, felsige Inseln aus der See auf. Für Montag den 21. haben die Trolle vom norwegischen Wetterdienst mal wieder Sonne versprochen, und doch ist der Himmel lückenlos grau, als wir Richtung Sula aufbrechen. Der Wind weht recht kräftig, und daher beschließen wir noch einen Zwischenstopp in Hossvågen, einer geschützen kleinen Ankerbucht auf Ytre Sula einzulegen.

Am Dienstagmorgen dann endlich: Sonne! Wir runden Ytre Sula im Norden und begeben uns auf die offene See, um den westlichsten Ort Norwegens anzusteuern: Utvær. Früher lebten hier auch dauerhaft Menschen, es gab sogar mal eine Schule; heute dagegen werden die Fischerhäuser nur noch sporadisch genutzt, einige sind auch zu Ferienhäuschen umgebaut. Der 1900 erbaute Leuchtturm braucht heutzutage keinen Leuchtturmwärter mehr, auf der Insel leben also nur noch etliche Schafe. Sehr schön und still ist es hier, auf dem letzten Stück Land im Atlantik vor den Shetlands …

Obwohl es uns so gut gefällt geht’s Mittwoch weiter, die anhaltende Periode schönen Wetters will genutzt sein. 20 Seemeilen weiter südlich liegt die nächste Insel, Fedje. Die Fischerei ist seit alter Zeit Lebensgrundlage für den Ort, allerdings finden wir nicht das erhoffte malerische Fischerörtchen vor, sondern eher einen etwas heruntergekommenen Hafen, der seine besten Zeiten hinter sich hat. Egal, es gibt einen Supermarkt und eine Dusche, das ist ja auch schon was.

So setzen wir am Donnerstagtag die Reise fort, die nächsten 20 Meilen gen Süden; der Wind weht sehr schwach, aber wenigstens aus nördlichen Richtungen, und so können wir – nun im Schutz der vorgelagerten Inseln – langsam unter Gennaker dahingleiten. Die zum Abend angesteuerte Ankerbucht, Blomvågen, weist eine dichte Besiedlung aus Ferienhäusern auf, bietet dafür aber mal wieder einen Liegeplatz längsseits am Felsen.

Weiter geht’s am Freitag; der Wind hat uns endgültig verlassen, aber das Wetter ist weiter freundlich, und so wollen wir Strecke machen. Es werden fast 30 Seemeilen, leider nur unter Motor; am Abend dröhnen die Ohren. Die für die Nacht angesteuerte Bucht, Nordre Navøyvågen, ist Teil einen Erholungsgebietes für den Großraum Bergen, und entsprechend finden sich zum Wochenende etliche Boote dort ein. Nach der relativen Einsamkeit im Sognefjord ist es wieder gewöhnungsbedürftig, auf viele andere Boote zu treffen …

Vor Anker in Horgevågen

Am nächsten Tag setzt sich der Eindruck fort: für letzte Einkäufe machen wir Zwischenstopp im kleinen Ort Bakkasund und staunen nicht schlecht über das Treiben am Gastanleger; sicher ein Dutzend Boote tummeln sich dort, mehr als wir in drei Wochen im Sognefjord gesehen haben! Da das schöne Wetter zum Grillen einlädt und wir vom Vortag noch ganz geschafft sind, fahren wir danach nur noch ein paar Meilen weiter und verbringen einen entspannten Nachmittag vor Anker in Horgevågen.

Sonntag soll es laut Wetterbericht noch einmal Sonne geben, bevor es dann am Montag nur regnen wird; wir suchen uns daher ein Ziel, an dem wir auch einen Tag verweilen können. Dieses finden wir in einer kleinen Bucht östlich der Insel Teløy, wo es sogar einen winzigen Anlegesteg gibt, gerade groß genug für die ‘Orion’. Hier kann man in Ruhe dem angekündigten Starkwind entgegensehen …

Der fällt dann gar nicht so stark aus, aber regnen tut es wirklich den ganzen Montag; nach einer Woche besseren Wetters aber gar nicht so schlimm, auch mal einen Tag nicht aus der Kajüte zu kommen und es sich mit einem Buch gemütlich zu machen.

Dienstag ist es noch grau, aber trocken; wir ziehen weiter, zunächst bis zu dem kleinen Ort Sagvåg im Südwesten der Insel Stord. Hier gibt es einen gutsortierten und erstaunlich günstigen Supermarkt, zum Bleiben aber gibt der Ort nicht viel her; wie beschließen also noch weiterzufahren und uns lieber wieder eine Naturbucht zu suchen.

Nordrehamn/Moster

Diese finden wir einige Seemeilen weiter in Nordrehamn auf der Insel Moster. Bisher hatten wir hauptsächlich Naturbuchten angesteuert, die im Revierführer ‘Norwegian Cruising Guide’ beschrieben sind; diese hier lag aber einfach quasi auf dem Weg, und sie ist genauso hübsch wie die bisherigen Ankerplätze: mit blühendem Heidekraut und Blaubeersträuchern bewachsene Felsen, windzerzauste Bäume, kristallklares Wasser. Es wird uns bewusst dass die Auswahl in jedem Revierführer auch nur eine rein zufällige sein kann: die Anzahl an wunderschönen Orten ist hier einfach völlig unüberschaubar, hinter jeder Ecke versteckt sich ein kleines Paradies. Für uns Bewohner eines überbevölkerten Landes, in dem jede Natur reguliert und genutzt ist, schwer in den Kopf zu bekommen: solche Orte sind hier nicht die Ausnahme, sondern die Regel, es gibt nicht paar, sondern Tausende davon.

Am Mittwochmorgen hat sich die Sonne wieder durchgesetzt, und wir fahren weiter gen Süden, die von Inseln geschützen Gewässer wieder Richtung See verlassend. Hier sind wir vor 8 Wochen auf dem Weg von Espevær in den Hardangerfjord schon einmal vorbeigesegelt, wir kreuzen unseren Hinweg; eine erlebnisreiche Zeit, lang und kurz zugleich.

In Haugesund legen wir einen Zwischenstopp ein, da sich der Ort auf dem Hinweg als unvergleichlich nützlich zum Einkauf von frischem Obst und Gemüse erwiesen hat: auf eine solche Auswahl von internationalen Läden sind wir nie wieder gestoßen, auch im viel größeren Bergen nicht. Ansonsten zieht es uns aber weiter, bis zur einige Seemeilen vorgelagerten Insel Røvær. Diese erinnert ein wenig an Utvær in ihrer Abgeschiedenheit und den weiten Ausblicken über die Schärenlandschaft; im Unterschied dazu gibt es aber eine ständige Population von über 100 Menschen, einen richtigen Gästehafen und einen netten kleinen Laden.

Und noch ein Stück weiter geht’s nach Süden, zu einem besonderen Ort: Utsira, namensgebende Insel für den nördlichsten Vorhersagebereich in den Wettervorhersagen für die Schiffahrt. Weit draußen vor der norwegischen Küste liegt die felsige Insel und trotzt im Herbst und Winter heftigen Stürmen; jetzt aber herrscht nach wie vor ruhiges Wetter, als wir die südliche Hafenbucht ansteuern.

In mehr als einer Hinsicht fühlt man sich hier weit weg vom Festland: bei der recht geringen Population kennt jeder jeden, und Zeit scheint keine große Rolle zu spielen; am Gästeanleger verholt ein Fischer eben sein Boot und macht einen Platz für uns frei, das (sehr günstige) Liegegeld wirft man einfach in einen Briefkasten. Es gibt einen kleinen Supermarkt, wo die Tür weit offen steht und wir freundlich begrüßt werden, obwohl eigentlich schon geschlossen ist – wir fühlen uns wohl und beschließen einen Tag zu bleiben.

Am 2. September brechen wir zum vorerst letzten Schlag nach Süden auf, entlang an der Insel Karmøy und hinein in den Boknafjord.