Unterwegs nach Barcelona (15.11. – …)

Am Freitag den 15. November soll der Wind soweit nachlassen, dass wir von Dénia aus der Küste weiter Richtung Nordwesten folgen können – heißt es. Praktisch wehen uns noch frische 6 Beaufort genau ins Gesicht, als wir den Hafen verlassen; wir segeln also mal wieder sehr feucht und mit beträchtlicher Lage hoch am Wind. Schnell vorwärts kommen wir dabei natürlich nicht gerade, so dass wir nach 9 Stunden mit einsetzender Dämmerung erst mal einen Ankerstopp für die Nacht vor

Cullera
Die Burg von Cullera – im Hintergrund …

einlegen müssen. Die Küste bieten guten Schutz vorm immer noch kräftigen Westwind, wozu auch die gewaltigen Hotelbauten direkt am Strand beitragen. Der Ankergrund ist hervorragend und die Wassertiefe perfekt, wir verbringen daher eine ruhige Nacht etwa 100 Meter vom Strand entfernt. Erst mit dem Licht des neuen Tages können wir die ganze Pracht der Betonfront von Cullera bewundern – die Burg aus dem 12. Jahrhundert fällt dagegen kaum noch auf.

Mit deutlich weniger Wind machen wir uns am Samstag gleich wieder auf den Weg; die vorbeiziehende Küste trägt den schönen Namen Costa del Azahar, die Küste der Orangenblüte. Nach insgesamt gut 50 Seemeilen ab Dénia erreichen wir am Nachmittag schließlich die Hauptstadt der Region

València

Das Anlegemanöver in der (2007 für den 32. America’s Cup erbauten) Marina Real Juan Carlos I gerät zu einem kleinen Abenteuer: das Ruder verfängt sich in einer der zahlreichen Muringleinen und kommt geraume Zeit nicht mehr frei, während wir mitten in der Boxengasse versuchen, wieder Kontrolle über das Boot zu bekommen; endlich in der Box angekommen kommt dann die Leine auch noch in die Schraube – ein kurzer, aber erfrischender Tauchgang ist die Folge. Später erkennen wir, dass sich die Muringleinen der uns zugewiesenen Box mit denjenigen der Nachbarbox überkreuzen – kaum möglich, da nicht reinzufahren.

Das Rathaus von València

Am Sonntag ist wieder stürmisches und regnerisches Wetter angesagt, wir checken also gleich für drei Nächte ein, um am Montag noch in Ruhe València anschauen zu können. Der Weg ins historische Stadtzentrum ist recht weit, aber mit dem Bordfahrrad in einer halben Stunde zu bewältigen.

In der Kathedrale

Die Sache mit den Orangen nimmt man in der mit etwa 800.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Spaniens recht ernst: schon entlang der – mit guten Fahrradwegen versehenen – Einfallstraßen stehen überall Orangenbäume, die um diese Zeit zwar keine Blüten mehr, aber dafür prächtig orange leuchtende Früchte aufweisen; man kann also tatsächlich vom Fahrrad aus die Orangen vom Baum pflücken 🙂

Damit erschöpfen sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt aber keineswegs: wir bewundern die prachtvollen Bauten wie die alte Post und das Rathaus, die Seidenbörse, die Kathedrale und den Mercado Central – sowohl das Gebäude als auch die angebotenen Waren, auf einer gewaltigen Fläche alle erdenklichen Lebensmittel in einer Auswahl und Qualität, von der wir zu Hause nur träumen können …

Unter den Straßen schlummert die Vergangenheit

València weist die  – hierzulande ja quasi üblichen – Epochen der römischen, westgotischen, maurischen und schließlich christlichen Herrschaft auf, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. In der Nähe der heutigen Kathedrale, an der Kreuzung der römischen Hauptstraßen, besuchen wir eine archäologische Ausgrabungsstätte: unter dem gegenwärtigen Straßenpflaster hat man in verschiedenen Tiefen die ineinander gebauten Überreste von römischen Tempeln und Thermen, der westgotischen Basilika sowie diversen Brunnen und Gräbern gefunden.

Palau de les Arts Reina Sofía (2005)

Es gibt aber auch moderne Architektur zu bewundern: nach verheerenden Überschwemmungen in den 1950er Jahren hat man den die Altstadt umschließenden Fluss Turia an der Stadt vorbeigeleitet und das nun trockengefallene alte Flussbett in eine riesige Parkanlage verwandelt, in der unter anderem auch das neue Opernhaus Palau de les Arts Reina Sofía einen Platz gefunden hat.

Alles in allem empfinden wir Valéncia als gelungene Mischung aus Geschichte und Moderne, eine einladende Stadt, in der sich sicher leben lässt – allein schon wegen der immer sichergestellten Orangenversorgung 🙂

 

Spaniens Südostküste: Costa Blanca (30.10. – 14.11.)

Am Mittwoch den 30. Oktober verlassen wir Garrucha, und kurz danach übersegeln wir auch die Grenze von Andalusien zur Region Murcia. Die vorüberziehende Küste bleibt weiter felsig und zerklüftet, und bei erneutem Gennakerwind segeln wir 20 Seemeilen, bis wir in der Bucht von

El Hornillo
El Hornillo liegt gut geschützt hinter einem hohen Felsen

in der Nähe von Águilas vor Anker gehen; der Yachthafen von Águilas ist uns mal wieder viel zu teuer. Die Bucht ist relativ gut geschützt gegen den üblichen Schwell aus Südwest, aber sehr klein und durch diverse Fischereieinrichtungen und Absperrungen größtenteils belegt; wir finden aber gerade noch Platz und können nach dem Ankermanöver erst mal ins Wasser springen – mit 23 Grad ist es hier so warm wie bisher noch nie auf dieser Reise, der Costa Cálida (warme Küste) genannte Küstenabschnitt macht seinem Namen alle Ehre!

Am letzten Tag des Oktobers geht es genauso weiter die Küste entlang, nur dass der Wind heute noch mehr schwächelt – bei dieser geringen Welle segeln wir ja mittlerweile mit dem Gennaker bis herunter zu 5-6 Knoten Wind, aber bei einem wahren Wind von 2 Knoten hängt der auch nur noch wie ein Sack ins Wasser … so muss also am Anfang und am Ende der Motor helfen, bis wir nach 25 Seemeilen in der

Cala de la Salitrona
Halloween auf der ‚Orion‘

ankern. Diese Bucht wird von der 350 Meter aufragenden Landspitze des Cabo Tiñoso umschlossen und geschützt, die Küste fällt aber steil ab, nur an wenigen Stellen kann man dicht unter Land hinreichend flaches Wasser und einen kleinen Strand zum Anlanden finden. Die Lage ist aber hinreißend: rundherum leuchten die Felsen in allen Farben von Rot über Braun bis Ocker und Gelb, das Wasser lässt auf 6 Metern Tiefe jedes Detail am Meeresgrund erkennen, und es hat immer noch 23 Grad, während die Lufttemperatur am Nachmittag Richtung der 30 Grad geht – und das an Halloween! Für eine herbstliche Kürbissuppe ist es uns viel zu warm, aber ein indisches Dal mit Kürbis und Linsen passt zum Wetter wie zum Anlass …

Am 1. November bleiben wir in der Ankerbucht – schließlich ist Feiertag 🙂 Wir paddeln mit dem Dinghi an den Strand und finden den Einstieg in einen Wanderweg, der durch die Berglandschaft führt. Die ganze Gegend ist unbewohnt und ein Naturschutzgebiet, die Farben und Formen der Felslandschaft vulkanischen Ursprungs beeindruckend; am meisten sind wir aber begeistert vom Duft der in Unmengen wachsenden Wildkräuter: Lavendel, Rosmarin und Thymian säumen unseren Weg. Dieser führt hinaus bis auf die Passhöhe; hier finden wir eine aufgegebene Küstenbatterie des spanischen Militärs, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts zur Verteidigung der Zufahrt nach Cartagena – zwei riesige Geschütze Kaliber 38.1 cm sind noch an Ort und Stelle. Die Aussicht über die Bucht ist grandios, wozu der strahlende Sonnenschein natürlich beiträgt.

Heiß wird es aber auch wieder, und so sind wir froh, früh aufgebrochen und somit noch vor der Nachmittagshitze wieder zurück an Bord zu sein; diese nutzen wir lieber zum Baden, schwimmen an den Strand und sammeln toll gemusterte Steine in bunten Farben – was wohl zu Hause an Allerheiligen für ein Wetter ist?

Cartagena

Am Samstagmorgen lichten wir den Anker und fahren ein paar Seemeilen über die Bucht bis in den Hafen von Cartagena. Dieser liegt – vor Wind, Wetter und feindlich gesinnten Besuchern gut geschützt – tief in einer von Bergen umschlossenen Bucht, was schon im Altertum dazu geführt hat, dass Cartagena zu einem der bedeutendsten Häfen im Mittelmeer geworden ist.

Blick über Cartagena

Bereits die Phönizier handelten Silber mit den ansässigen Iberern, bis sich die Karthager im Jahre 227 v. Chr. hier niederließen und der Stadt ihren Namen gaben: Cartagena leitet sich vom punischen Qart-ḥadašt ab, was ‚Neue Stadt‘ bedeutet und ebenso namensgebend für Karthago selbst war.

Das römische Theater …

Alles in dieser Stadt atmet Geschichte: von hier brach Hannibal im Jahre 218 v. Chr. mit seinen Kriegselephanten gen Italien auf, welches er nach seiner spektakulären Alpenquerung ja auch erreichte; da er trotz gewonnener Schlachten letztlich aber den Krieg doch verlor, ging die Stadt mit der gesamten iberischen Provinz an die Römer, für die sie Scipio Africanus 209 v. Chr. als Carthago Nova in Besitz nahm.  Darauf folgten 600 Jahre als bedeutende Stadt im römischen Reich, bis sie mit dessen Zerfall im Jahre 425 n. Chr. von den Vandalen erobert wurde. In den folgenden Jahrhunderten wechselte Cartagena häufiger mal den Besitzer, bis es 756 Teil des Emirats von Córdoba wurde. Erst mit der Reconquista wurde Cartagena im Jahre 1269 nach fast 500 Jahren maurischer Herrschaft wieder christlich; es erübrigt sich wohl anzumerken, dass damit der Ärger noch kein Ende hatte: bis zum spanischen Bürgerkrieg  1936-1939, als Cartagena Hochburg der Republikaner war (und der Ort Spaniens, welcher sich am längsten gegen die Truppen des faschistischen Diktators Franco halten konnte), ist hier eine Menge Blut vergossen worden …

… verschmolzen mit den Ruinen der ‚Santa Maria la Vieja

In der Altstadt hat man das Gefühl, dass man in jenen zweieinhalb Jahrtausenden immer wieder munter über die Reste bzw. Trümmer der Vorgänger gebaut hat. Zahlreiche archäologische Ausgrabungsstätten ziehen sich durch die Innenstadt, und selbst als Laie erkennt man mit einem Blick auf die Mauern, dass man vor Relikten unterschiedlicher Jahrtausende steht, die nahtlos ineinander übergehen: hier haben Römer Tempel auf punische Fundamente gebaut, dort mittelalterliche Bürger ihre Häuser auf maurische Ruinen gegründet. Die Kirche Santa Maria la Vieja hat ihre Wurzeln in die Reste eines riesigen römischen Amphitheaters geschlagen – und ist seit der Bombardierung im Bürgerkrieg selbst eine Ruine. Schwer, da den Überblick zu behalten – aber faszinierend ist es allemal.

Cartagena, Calle Mayor

Abgerundet wird das Bild durch die schön angelegten Einkaufs- und Flaniermeilen der Stadt mit ihren neoklassizistischen Bauwerken, unzähligen Restaurants und Cafés – und natürlich mit dem herrlichen mild-warmen Wetter und der Freundlichkeit der Menschen.

Auch das ist Cartagena: Cala Cortina

Eigentlich wollten wir nur übers Wochenende bleiben und werden dann durch eine vier Tage andauernde Sturmwarnung dazu gezwungen, den Aufenthalt zu verlängern, aber für das bessere Erleben der Stadt war das gut so – hier hätte man auch vier Monate verbringen können (was etliche Segler auch tun, im Hafen hat sich bereits eine umfangreiche Gruppe überwinternder Boote häuslich eingerichtet).

Mar Menor / Tomás Maestre
Cabo de Palos

Am Mittwoch ist es tatsächlich weniger windig – wir verlassen den Hafen von Cartagena und müssen sogar zunächst eine Weile motoren, weil die am Cabo de Palos endende Landspitze mit ihren Bergen den Wind abschirmt. Am Nachmittag runden wir das Kap und ändern den Kurs Richtung Norden; die nächsten 12 Seemeilen geht es entlang einer schmalen Landzunge, die das Mar Menor, die größte Salzwasserlagune Europas, vom Mittelmeer abtrennt. Der schmale Streifen Land ist praktisch auf ganzer Länge mit Hotels bebaut – in starkem Kontrast zur Küste südlich des Cabo de Palos, die völlig naturbelassen wirkt; der auf halber Länge gelegene Sportboothafen Tomás Maestre stellt den einzigen schiffbaren Zugang zur Lagune dar.

Abendhimmel über Tomás Maestre

Wegen der langfristig ungünstigen Wettervorhersagen müssen wir auf einen Abstecher ins Mar Menor verzichten und ankern die Nacht auf Donnerstag im Schutz der Hafenbefestigungen; ein wirklich hinreißender Abendhimmel lässt sogar die Silhouette der Hotelklötze hübsch erscheinen.

Santa Pola
Santa Pola: Fischereihafen …

Donnerstag geht es weiter, zunächst am Mar Menor, dann an der Küste entlang. Zunächst ist der Wind eher noch schwächer und achterlich, so dass wir uns trauen den Gennaker zu setzen; ab Mittag frischt es dann aber auf, so dass wir auf den Klüver wechseln und schließlich gegen 16 Uhr bei um 6 Beaufort den Hafen von Santa Pola erreichen. 55 Seemeilen haben wir in den beiden letzten Tagen geschafft – und jetzt ist erst mal wieder Sturm, für Freitag lautet die Vorhersage NW 7, da bleiben wir lieber im Hafen.

… und Kastell im Stadtzentrum

Von den Römern als Portus Ilicitanus gegründet, ist Santa Pola heute stark touristisch geprägt, die ganze Stadt besteht aus Blöcken von Hotel- und Appartementanlagen, hübsch im Rechteckraster angelegt; mittendrin hat der Bauboom immerhin das alte Kastell verschont, und im Stadtpark stoßen wir auch auf Ausgrabungsarbeiten, die ein paar römische Grundmauern freigelegt haben. Ansonsten ist der Ort eher unspektakulär – und im ganztägig heulenden Wind ist es hier sogar trotz des Sonnenscheins erstmals als etwas frisch zu bezeichnen 🙂

Villajoyosa

Für den Samstag verspricht die Vorhersage eine kleine Pause zwischen zwei Sturmwarnungen – mehr als 15 Knoten Wind sollen in der Bucht von Alicante nicht wehen, also machen wir uns frohen Mutes mit vollen Segeln auf den Weg, schließlich wollen wir ja auch etwas Strecke machen. Zunächst entspricht der Wind auch noch den Vorhersagen, als wir jedoch das Cabo de Santa Pola gerundet haben werden aus den 15 Knoten ganz schnell 25, in Böen auch bis 30 Knoten – vielleicht doch etwas viel für Vollzeug … der Klüver ist ja schnell gegen den Kutter getauscht, aber jetzt das Groß reffen grenzt ja an Arbeit, also pflügt sich die ‚Orion‘ auf leichtem Amwindkurs mit gut 7 Knoten und 30 Grad Lage durch die ein bis zwei Meter hohen Wellen. Eine ziemlich feuchte Angelegenheit, aber auch immer wieder eine Freude zu beobachten, wie der scharf geschnittene Bug die Wellen zerteilt und das Wasser bis hinters Heck spritzen lässt, ohne dass irgendein Aufschlag zu vernehmen wäre.

Heißt das hier wegen der endlosen weißen Hotelfronten ‚Costa Blanca‘?

 

Villajoyosa: bunte Altstadthäuser …

Am frühen Nachmittag erreichen wir nach 29 Seemeilen den Hafen von Villajoyosa, wo der Club Nautic noch einen Liegeplatz für uns findet – gleich für zwei Nächte, denn Sonntag ist erst mal wieder – Sturm, was sonst. Das Anlegen erfolgt – wie hier meist üblich – mit zwei Heckleinen zur Pier und einer Muringleine vom Bug, welche von achtern durchgeholt werden muss; das Vergnügen, bei 6 Beaufort von vorne mit dem Langkieler rückwärts einzuparken krönt also den windigen Segeltag.

… direkt vorm Traumstrand

Wie angekündigt fliegen am Sonntag die Palmwedel wieder waagerecht – aber natürlich scheint die Sonne, und im Windschutz der engen Altstadtgassen ist es auch gar nicht mehr kühl, im Gegenteil. Anders als in vielen anderen Orten ist Villajoyosa nicht komplett neu überbaut worden; direkt vom wirklich traumhaft schönen Strand (fein, weiß und sauber) ziehen sich die bunt gestrichenen Häuser der Altstadt den Hang hinauf bis zur teilweise erhaltenen Stadtbefestigung aus dem Mittelalter. Natürlich dürfen drumherum die großen Hotels nicht fehlen, aber insgesamt hat man hier eine ausgewogenere Balance zwischen den Notwendigkeiten der touristischen Nutzung und dem Erhalt einer gewissen Ausstrahlung gefunden als in vielen anderen Orten an diesen sonnenverwöhnten Küsten.

Moraira / El Rinconet

Der Montag bringt uns mal wieder die Flaute zwischen zwei Stürmen: angesagt ist noch ein ganz brauchbarer Wind, tatsächlich regt sich aber kaum ein Ĺüftchen. Nach wie vor sehen wir uns unerwarteten Windverhältnissen gegenüber: zur Reiseplanung konsultieren wir wie viele Fahrtensegler die pilot charts, welche für jedes Seegebiet und jeden Monat die statistische Verteilung der Windverhältnisse angeben, und diese geben hier für den November 15 Knoten aus Nordwest an. Nun ja, wenn abwechselnd 30 Knoten und 0 Knoten gibt, sind das im Mittel natürlich auch 15 Knoten … praktisch ist bald der halbe November vorbei, und 15 Knoten hatten wir nie.

Benidorm: na dann schöne Ferien!

So motoren wir also mal wieder; zunächst passieren wir den bekannten Ferienort Benidorm – und staunen nicht schlecht: eine solche Dichte und Höhe der Bettenburgen haben wir bislang noch nicht gesehen, Benidorm – und nicht etwa New York – ist die Stadt mit den meisten Hochhäusern pro Einwohner weltweit. Möchte man da wirklich Urlaub machen?!?

Am frühen Nachmittag erreichen wir Moraira, wo wir direkt neben dem Ort in der Ankerbucht El Rinconet übernachten; hier scheint man auf landschaftsverträglicheren Tourismus zu setzten, am Strand stehen nur normale Ferienhäuser. Die Nacht ist recht ruhig, nur etwas Schwell  kommt um die Landspitze Punta del Moraira – weit draußen, nördlich der Balearen, stürmt es immer noch heftig.

Dénia
Cabo de la Nao

Dienstagmorgen lassen wir uns vom wenigen Wind am Ankerplatz verleiten, früher aufzubrechen, als wir eigentlich wollten – es steht nämlich die Rundung des Cabo de la Nao an, und das wollten wir erst tun, wenn gegen Mittag der angesagte Wind nachgelassen hat. Unser Verdacht, dass dieser gar nicht weht, erweist sich aber schnell als unbegründet: kaum haben wir uns eine halbe Seemeile von der Küste entfernt, sind unsere 30 Knoten wieder da. Wir legen also in Rekordzeit die letzten Meilen bis zum Kap zurück und verstecken uns dann nochmal in einer kleinen Bucht direkt davor – Windstärke 7 von vorne, das muss nicht sein.

Der Plan geht auf: als wir uns gegen Mittag wieder auf den Weg machen, weht kaum noch (Gegen-)Wind, und so runden wir ohne Probleme das Cabo de la Nao – sind aber noch hinreichend beeindruckt von der langen, 3 bis 5 Meter hohen Dünung, die von Norden heranrollt und der wir nun ausgesetzt sind, denn von hier an läuft die Küste bis Valencia in Richtung Nordwesten.

Für den Rest der Strecke muss wieder der Motor ran – Windstärke 1 und 7, das bekommen wir doch auch an ein und demselben Tag hin! Wir freuen uns, nach 21 Seemeilen und einem durch den Zwischenstopp doch langen Tag den Hafen von Dénia zu erreichen. Die Einfahrt wird nochmal spannend, denn die besagte Dünung läuft sich hier zu unglaublichen Höhen auf; wir hängen uns dicht an einen Fischkutter – der wird ja wissen, was er tut – und surfen hoch oben auf einem Wellenberg mit hervorragender Aussicht in die Hafeneinfahrt …

In der Burg von Dénia

Wie nicht anders zu erwarten, ist dann erst mal wieder Pause angesagt: am Mittwoch und Donnerstag weht es mit bis zu 8 Beaufort, und zwar genau aus der Richtung, in die wir wollen. Leider verschlechtert sich auch ansonsten das Wetter, es ist grau und regnerisch, wie wir es seit Monaten nicht mehr erlebt haben. Wir finden kaum eine Wetterlücke, um wenigstens kurz durch Dénia zu laufen – was sich durchaus lohnt, eine umfangreiche Burganlage aus dem 11. Jahrhundert wacht über dem Ort, der schon den Römern als Flottenstützpunkt diente und bei besserem Wetter sicher einiges zu bieten hätte.

 

 

 

 

An der Costa del Sol (17.10. – 29.10.)

Nach dem langen, ausgefüllten Tag in Gibraltar hätten wir gerne noch einen Ruhetag in La Línea eingelegt, aber die Windvorhersagen wollen es anders: während am Donnerstag den 17. wenigstens noch ein wenig Wind in Mittelmeer hineinwehen soll, ist für den folgenden Freitag völlige Flaute angesagt, also raffen wir uns auf um den Wind zu nutzen und den Ruhetag noch etwas herauszuschieben. Erst mal aber steuern wir nochmal mit der ‚Orion‘ den Hafen von Gibraltar an, genauer gesagt die steuerfreie Tankstelle: gut 300 Liter Diesel fließen in unseren Tank zum Traumpreis von 64 Pence pro Liter, umgerechnet 74 Cent. Die Menge entspricht unserem Verbrauch seit Alderney: ganz akzeptabel für bald 2000 Seemeilen, jedenfalls erheblich besser als im vergangenen Jahr auf dem Weg in den hohen Norden – der viele Rückenwind vor Spanien und Portugal macht doch eine Menge aus.

Europa Point, Gibraltars Südspitze

Es ist schon Mittag durch als wir Europa Point runden und Kurs ins Mittelmeer setzen – und das empfängt uns in Bestform: die Sonne strahlt, das Wasser blau leuchtend, und 15 Knoten Wind lassen uns unter Gennaker gute Fahrt machen. So ist es noch eine Stunde vor Sonnenuntergang, als wir unser Tagesziel

Estepona
Pico de los Reales, Estepona

erreichen und direkt vorm Strand neben dem Hafen den Anker fallen lassen. Direkt vor uns erhebt sich der beeindruckende Pico de los Reales mit seinen 1452 Metern Höhe und leuchtet im Abendlicht in einem besonders intensiven Rotbraun –  so bergig hatten wir uns die Küste der Costa del Sol gar nicht vorgestellt! Die Nacht vor Anker ist mal wieder recht rollig, spart aber einmal das Liegegeld für den Hafen von Estepona, den wir dann gleich am nächsten Morgen aufsuchen, um hier etwas auszuruhen und Einkäufe zu erledigen.

In der Altstadt von Estepona

Die Marina ist sehr freundlich – es gibt sogar eine Flasche Wein zur Begrüßung – und mit gut 24 € auch noch bezahlbar, wir haben also das Gefühl nichts falsch gemacht zu haben; unmittelbar am Hafen erstrecken sich viele einladende Restaurants, es hat aber eher etwas von entspannter Urlaubsstimmung als von Partymeile. Wir laufen auch in die Stadt und finden hinter den obligatorischen Hotelbauten tatsächlich einen charmanten alten Stadtkern mit hübschen Straßen und Plätzen. Trotz des Massentourismus, für den die Region ja berühmt-berüchtigt ist, finden wir es durchaus nett hier!

Marbella

Daher hätten wir auch nichts gegen einen weiteren Tag Aufenthalt gehabt, aber mal wieder gibt es Wind, den wir nicht ungenutzt verstreichen lassen wollen – und sogar eine ganze Menge davon: nachdem wir bei den angekündigten 15 Knoten Wind den Gennaker gesetzt haben, frischt es bald auf 20, dann auf 25 Knoten auf. Die ‚Orion‘ schießt mit 8 Knoten Fahrt rauschend durchs glitzernde Wasser – ganz toll, aber eigentlich etwas viel für den Gennaker. Also beschließen wir ihn zu bergen – mit einiger Mühe gelingt es noch, den Bergeschlauch übers Segel zu ziehen, aber herunterkommen mag er dann nicht, obwohl das Fall lose ist. Tja, nun ist guter Rat teuer … wir sichern den Schlauch so gut es geht ums Klüverstag, setzen dahinter das Kuttersegel um etwas Windabdeckung zu erzeugen und laufen so die Marina La Bajadilla in Marbella an. Dort offenbart der Aufstieg in den Mast (wie praktisch sind Maststufen!) die Ursache: das Fall hat es irgendwie geschafft, sich zwischen Rolle und Seitenteil des Blocks zu ziehen – wie immer das möglich ist bei einer 12mm-Leine und einem Spaltmaß von ein paar Zehntel Millimetern (jedenfalls vor der Kaltverformung des Blocks durch das Fall)! Nach diesen Abenteuern verschieben wir die Besichtigung von Marbella auf den nächsten Tag – obwohl da wieder guter Wind angesagt ist …

Sonntagvormittag machen wir uns entlang der Seepromenade auf den Weg in die Innenstadt. Von der Marina La Bajadilla ist diese eine Viertelstunde entfernt; es gibt auch einen zentraler gelegenen Hafen, aber der ist teurer (unser Hafen gehört wieder zu den öffentlichen Einrichtungen Andalusiens) und mitten im dicksten Rummel – wir sind ganz froh über unsere Wahl.

Plaza de los Naranjos, Marbella

Marbella ist viel größer als Estepona – viele Kilometer erstrecken sich Strände und Hotels entlang der Küste. In der Hauptsaison müssen sich hier Zehntausende Menschen tummeln; nun sind es deutlich weniger, und es ist immer noch voll genug. Sicher, die Betonburgen sind keine Zierde, aber auch hier finden wir wieder eine Altstadt hinter den Hochhäusern, die durchaus sehenswert ist: an der Plaza de los Naranjos, wo Orangenbäume Schatten spenden, kann man noch etwas vom mittelalterlichen Marbella erahnen, und die verwinkelten, engen Gassen verraten ihren maurischen Ursprung. Im August möchte man hier nicht sein – allein schon wegen der Temperaturen – aber jetzt in der Nachsaison finden wir die Sonnenküste besser als ihren Ruf!

Benalmádena

Am Montag ist es leider mit dem Wind wieder vorbei, es wehen kaum 5 Knoten; Welle gibt es aber auch nicht, das Meer liegt fast glatt vor uns, und so versuchen wir uns im Minimalwindsegeln: tatsächlich steht der Gennaker ab etwa 3 Knoten, und bei 5 Knoten Wind erreichen wir sensationelle 2,5 Knoten Fahrt! Es mag aber sein, dass da ein knapper Knoten Strom, wie er immer ins Mittelmeer hinein setzt, mitgeholfen hat …

Abendhimmel über Benalmádena

Wie auch immer, da wir uns mit etwa 20 Seemeilen keine allzugroße Distanz vorgenommen haben, bewältigen wir den größten Teil der Strecke geduldig unter Segeln und erreichen kurz vor Sonnenuntergang Benalmádena, was quasi ein Vorort von Málaga ist – die vielstöckigen Hotelbauten zeigen jedenfalls von See aus betrachtet keine Unterbrechung. Dort gibt es auch eine Marina, aber da wir nur übernachten wollen, der Ort nicht viel herzugeben scheint und das Meer so ruhig ist, sparen wir und das Liegegeld und ankern hinter der Hafenmole vorm Strand. Belohnt werden wir mit einem tollen Abendhimmel über dem Hafen!

Caleta de Vélez

Am Dienstag gibt es mehr Wind – aber leider auch drohende, dunkle Wolken. Für Mittwoch ist Starkwind angesagt, und der wirft schon seine Schatten voraus: die Wellen werden höher, der Wind erreicht in Böen bereits 6 Beaufort, und über Land sieht man Gewitter. Auch keine idealen Bedingungen, aber wir nutzen den Wind um etwas Strecke zu machen; knapp 25 Seemeilen sind es bis zum Fischerhafen Caleta de Vélez, den wir in kaum 5 Stunden erreichen.

Stürmische See vor Caleta de Vélez

Der Hafen ist wieder öffentlich und somit preiswert, ein guter Platz um den kleinen Sturm am Mittwoch abzuwettern; viel los ist hier nicht, die Fischerei bestimmt noch das Geschehen, aber das gefällt uns gut – Hotelhochhäuser haben wir langsam genug gesehen. Wir nutzen die Zeit, um mal wieder die Vorräte aufzustocken und eine Dusche zu nehmen, während der Wind über den Hafen pfeift und immer mal wieder ein paar Tropfen Regen (!) fallen. Es ist deutlich kühler, gerade noch 20 Grad – zwar immer noch kein Grund von T-Shirt und kurzen Hosen Abstand zu nehmen, aber irgendwie fühlt es sich doch herbstlich an; den Wettervorhersagen nach soll es aber so nicht bleiben, für die kommende Woche sind wieder 26 Grad und blauer Himmel angesagt.

Puerto de Motril

Donnerstag hat sich der Wind etwas gelegt, aber mit um 20 Knoten weht es immerhin noch – doch wir wollen ja auch weiterkommen, also legen wir nach dem Frühstück ab. Die Wettervorhersage stellt ab Mittag deutlich nachlassende Winde in Aussicht, und damit auch weniger Welle, so dass wir uns vornehmen, die folgende Nacht ankernd vor der Küste zu verbringen.

Die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada überragen die Küstenlandschaft

Der Küstenstreifen, an dem wir entlangsegeln, heißt Costa Tropical – direkt im Hinterland liegen die bis zu knapp 3500 Meter hohen Gipfel der Sierra Nevada, welche die Region vor kontinentalen Winden schützen, während sie der Südwind aus Afrika ungehindert erreichen kann, daher lassen sich hier ganzjährig Datteln, Ananas und Bananen ernten. Tatsächlich kann man von See aus die schneebedeckten Höhenzüge sehen – ein skurriler Kontrast zu den herrschenden Temperaturen in der direkten Umgebung!

Als wir am Nachmittag die in Frage kommenden Ankerplätze erreichen – ‚Buchten‘ wäre ein zu großes Wort, eigentlich ist hier alles zum Meer hin komplett ungeschützt – hat der Wind eher zu- als abgenommen, und zu 25 Knoten auflandigem Wind rollen anderthalb Meter hohe Seen auf den Strand … Ankern kommt beim besten Willen nicht in Frage. Wir müssen also noch etliche Meilen weiter bis zum nächsten Hafen segeln; soweit nicht schlimm, aber leider haben wir schon im Vorfeld herausgefunden, dass die dortige Marina recht teuer ist und wir diese daher eigentlich vermeiden wollten.

Zufallsbegegnung im Hafen von Motril: die ‚Royal Clipper‘, ein Luxuskreuzfahrtschiff und längster Rahsegler der Welt

So bleibt uns aber nichts anderes, wir steuern den großen Fähr- und Industriehafen Puerto de Motril an und dürfen dort für 36 Euro eine Nacht lang unsere Leinen belegen. Die Marina ist eher ein Winterabstellplatz für kleinere Motorboote in Hochregallagern, die Umgebung industriell geprägt – zum reinen Übernachten vollkommen akzeptabel, aber dazu passt einfach der Preis nicht (jedenfalls nicht in der Nebensaison). Wenigstens lässt sich sagen, dass die Mitarbeiter außerordentlich freundlich und hilfsbereit waren – allzuhäufig werden sich auch keine Gastlieger dorthin verirren, wir haben jedenfalls am Abend kein Leben auf der kleinen Steganlage wahrnehmen können.

Ursprünglich hatten wir Motril als Ausgangspunkt für einen Landausflug per Bus nach Granada ausersehen; nachdem wir aber im Internet herausgefunden hatten, dass die Eintrittskarten zur Besichtigung der Alhambra, einer der großartigsten Sehenswürdigkeiten ganz Spaniens, auf Monate im Voraus ausverkauft sind, mussten wir davon Abstand nehmen – schade, wie kann man als Segler schon so lange vorher festlegen, wann man wo sein wird …

La Rábita
Ankern vor La Rábita

Nach einer vom Lärm irgendwelcher Aggregate versüßten Nacht verlassen wir die Marina gleich am Freitagmorgen und machen uns wieder auf den Weg gen Osten. Eigentlich sollte sich schwacher Ostwind eingestellt haben, und wir waren darauf vorbereitet aufzukreuzen; es weht jedoch schlicht gar kein Wind, und so motoren wir gemächlich knapp 20 Seemeilen über das inzwischen spiegelglatte Mittelmeer, bis wir am frühen Nachmittag vorm Strand von La Rábita den Anker fallen lassen. Der Ort ist recht klein, das Fehlen der zwölfstöckigen Hotels finden wir aber sehr sympathisch, und da die totale Flaute noch länger anhalten soll, beschließen wir hier auch den folgenden Samstag vor Anker zu verbringen und bei bestem Grillwetter die Ruhe zu genießen!

Almerimar
‚Marina Village‘ Almerimar

Sonntag geht es dann weiter, bei genauso schönem Wetter wie am Tage zuvor – und genauso wenig Wind … das 20 Seemeilen entferne Almerimar an der Costa de Almería ist das Tagesziel, welches wir nach 5 Motorstunden erreichen. Der Ort ist ein reines Produkt der Tourismusindustrie: mitten im Nichts hat man Luxusappartements rund um eine Marina mit 1100 Liegeplätzen hochgezogen, das Umland besteht aus von mit endlosen Plastikgewächshäusern bedeckter Halbwüste. Sehr stimmungsvoll ist das natürlich nicht – aber halbwegs hübsch gemacht, unterm Strich sind die Liegeplätze direkt zwischen den Wohn- und Gastronomieanlagen eher hübscher gelegen als an so mancher Seefront mit ihren Hotelhochhäusern.

Das Liegegeld ist auch sehr günstig – offenbar hat man bei der Planung vor 20 Jahren noch nicht mit der Wirtsschaftskrise gerechnet und ist unterausgelastet. Viele Boote überwintern auch hier, wofür wirklich (für Mittelmeerverhältnisse) sensationelle Tarife angeboten werden – nicht der schlechteste Ort, aber wir wollen ja noch weiter.

Cabo de Gata / Puerto Genovés

Die Weiterreise am Montag beginnt mal wieder unter Motor; ab Mittag ist zwar etwas Wind angesagt, aber da wir mit einem Schlag die Bucht von Almería überqueren und das Cabo de Gata umrunden wollen, können wir darauf nicht warten.

Am Cabo de Gata

Nach 5 Stunden Motorlärm stellt sich auch wirklich vorsichtig der erste Lufthauch ein; bald können wir den Gennaker setzen und mit zunehmender Fahrt auf das Cabo de Gata zuhalten, welches das Ende der in Ost-West-Richtung verlaufenden Südküste Spaniens markiert. Dieses ist landseitig von einem Naturpark umgeben, daher unbebaut und von wilder Schönheit, spektakuläre Felsformationen wohin man schaut; besonders ins Auge fallen die schneeweißen Einschlüsse unter den rotbraunen Felsen an der Abbruchkante. Beim letzten Abendlicht runden wir das Kap und lassen nach 36 Seemeilen in der Bucht Puerto Genovés den Anker fallen.

Morgenstimmung am Ankerplatz

Diese Ankerbucht hat ausnahmsweise mal ihren Namen zu Recht, sie ist wirklich nur nach Osten zum Meer hin offen und auch ansonsten toll: groß genug für 50 Boote (mit uns sind 4 anwesend), perfekter Ankergrund, kristallklares Wasser – selbst im Dämmerlicht kann man noch in 6 Metern Tiefe die Kette auf dem Sand liegen sehen. Hier würden wir gerne einen Tag bleiben – aber gerade für den Dienstag ist günstiger Wind angesagt, und das müssen wir einfach nutzen.

Garrucha

So können wir auch am Dienstagmorgen bereits unter Segeln den Ankerplatz verlassen und tatsächlich den gesamten Tag schönstes Gennakersegeln genießen; die dabei vorüberziehende Südostküste Andalusiens ist viel interessanter als die Südküste, die eigentliche Costa del Sol – und Sonne gibt es auch hier genug!

Tatsächlich kommen wir bei einer Tagesdistanz von 32 Seemeilen auf 15 Minuten Motorlaufzeit, als wir unseren Liegeplatz im Hafen von Garrucha eingenommen haben – nur für das Anlegemanöver haben wir die Maschine gestartet. Was für eine Wohltat nach den vielen Motorstunden in der vergangenen Woche!

Am Hafen von Garrucha

Garrucha ist ein betriebsamer Fischerei- und Industriehafen, der auch eine neue, ausgedehnte Marina unter öffentlicher Verwaltung umfasst; hier funktioniert es aber wohl nicht so richtig, die Anlagen wirken unfertig, und eine einzige Dusche in einer Sperrholzbude ist auch etwas wenig für etliche 100 Liegeplätze. Der Ort selbst gibt auch nicht viel her – es soll eine Burg aus dem 18. Jahrhundert geben, aber die sind wir nicht in der Lage zu finden … wie immer so etwas möglich ist. Aber einen großen Supermarkt gibt es, und das Wasser in der Bruchbude ist heiß – Segler können sich ja in Bescheidenheit üben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurs Gibraltar: Entlang der Küsten der Algarve und Andalusiens (24.09. – 16.10.)

Ponta de Piedade

Nachdem wir in den frühen Morgenstunden des 24. September das Cabo de São Vicente gerundet haben, folgen wir noch einige Stunden der felsigen Küste (der Wind bleibt dabei sehr launisch, mal frischt er auf, dann verlässt er uns wieder) und runden dabei zuletzt die Ponta de Piedade mit ihren spektakulären Felsformationen, bis wir gegen Mittag nach 80 Seemeilen die Bucht von

Lagos
Ankern vor Lagos

erreichen, unseren ersten Ankerplatz an der Algarve. Die Stadt verfügt auch über eine Marina, welche allerdings – wie alle Häfen an der Algarve – während der Saison fast 50 Euro pro Nacht abruft, weswegen wir dankend verzichten und lieber den Anker vor dem herrlichen, endlos langen Strand fallen lassen. Am Nachmittag kommt nochmal kräftiger Nordwestwind auf (wie jeden Nachmittag, wie wir in den kommenden Tagen noch feststellen werden), aber bei Wassertiefen von 5-6 Metern über kilometerlange Bereiche und einem aus festem Sand bestehenden Ankergrund kann man hier beliebige Winde abwettern, solange sie ablandig kommen. Auch der Schwell hält sich sehr in Grenzen – wir hatten da einige Bedenken, weil man schließlich nach Süden offene See bis zur Küste Afrikas hat, aber die an der Westküste stets rollende Atlantikdünung kommt scheinbar nicht um das Kap. 

Lagos, Seepromenade

Am Donnerstag nutzen wir die Vormittagsflaute, um mit dem Dinghi in die Stadt zu fahren. Lagos war im 15. Jahrhundert Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen entlang der Westküste Afrikas; heute hat es gut 30.000 Einwohner und ist eines der touristischen Zentren an der Algarve. Die gut erhaltene Altstadt, die lange Seepromenade, der viele Kilometer lange Sandstrand längs der Bucht gen Osten sowie die bizarren Felsen der Ponta de Piedade sind die Hauptattraktionen.

Ponta de Piedade: bizarre Felsen …

Freitag wollen wir uns diese Felsen auch aus der Nähe ansehen; nach dem Frühstück fahren wir mit dem Dinghi an der Küste entlang, es weht noch kaum Wind und die See ist recht ruhig. Unzählige Ausflugsboote weisen uns den Weg zu den größten Attraktionen: frei im Wasser stehende Felsentürme, mit dem Boot durchfahrbare Tore und tief in die Felsen eingegrabene Grotten. 

… und traumhafte Strände

Wir bestaunen diese abstrakten Kunstwerke der Natur, kurven um die Felsen und landen – zusammen mit zwei Dutzend Kajakfahrern – an einem kleinen Strand an (was sich als deutlich einfacher erweist als ihn wieder zu verlassen – die Wellen laufen sich ganz ordentlich auf in der engen Bucht). Der ganze Trubel wirkt zwar etwas abschreckend, aber die Attraktivität des Ortes können auch wir nur bestätigen!

Albufeira

Am Freitagvormittag fahren wir nochmal zum Einkaufen in den Ort – vor 14 Uhr gibt es ja eh keinen Wind … dann aber stellt er sich pünktlich ein, und wir lichten den Anker. 

Die Steilküste der Algarve zieht vorbei

Die vorbeiziehende Küste bleibt felsig und steil, Ortschaften liegen eingebettet in kleine Einschnitte in der Landschaft; ihre Häuser leuchten weiß in der Sonne, und anzunehmenderweise handelt es sich bei vielen der größeren Bauten um Hotels. Ansteuerbare Häfen gibt es nicht so viele: Portimão liegt noch zu nahe an Lagos, und der nächste Hafen, Albufeira, ist gleich über 20 Seemeilen entfernt. Da es inzwischen schon um 20 Uhr dunkel wird und der Wind uns auch nicht gerade großzügig mit seiner Anwesenheit beehrt, bricht schon die Nacht herein, als wir vorm Strand von Albufeira den Anker werfen.

Albufeira im Morgenlicht

Da am Samstag der einzige Wind in den Morgenstunden wehen soll, verlassen wir gleich nach Sonnenaufgang den Ankerplatz wieder, ohne den Ort selbst besucht zu haben – auf dem Rückweg kommt man ja auch nochmal hier vorbei; heute sollen es nämlich 25 Seemeilen bis in die Lagune von Faro werden. Die felsige Steilküste weicht dabei mehr und mehr zurück, Sandstrände setzen sich durch. Wieder ist der Wind sehr launisch (was allerdings heute mehr der Vorhersage entspricht als gestern, wo wir mit mehr gerechnet hatten), so dass es früher Nachmittag wird, bis wir nach mehrmaligem Wechsel zwischen diversen Segelkombinationen und Motorbetrieb die Einfahrt in die Lagune ansteuern können.

Ilha da Culatra

Die Lagune wird von vielen Kilometer langen, schmalen Sandinseln gegen das Meer abgegrenzt, zwischen denen sich genau im Süden eine Einfahrt auftut; wir passieren diese kaum eine Stunde vor Hochwasser und staunen nicht schlecht, was für ein Strom da noch steht: das ansonsten flautig-glatte Wasser ist auf einmal aufgewühlt, in großen Strudeln dreht sich gurgelnd die Flut, und wir werden mit fast 8 Knoten über Grund bei langsamer Motorfahrt in die Lagune gespült! Wir folgen der Rückseite der nach Osten verlaufenden Insel, der Ilha da Culatra, und bald beruhigt sich das Wasser, der Strom lässt stark nach. Drei Seemeilen hinter der Einfahrt tut sich ein riesiges Ankerfeld auf, wir zählen weit über 50 Masten – Platz ist aber immer noch, wir bringen zwei Anker aus, um auch bei wechselnder Stromrichtung sicher zu liegen.

Abendstimmung über der Lagune

Während des Nachmittags bringen noch unzählige Ausflugsboote Tagesgäste von Olhão auf die Insel, aber am Abend breitet sich eine Stille geradezu greifbar über der Lagune aus; wir genießen einen magischen Abendhimmel über dem Ankerfeld und verstehen, warum dieser Ort bei den Fahrtenseglern so beliebt ist.

Am nächsten Morgen setzen wir mit dem Dinghi über und erkunden die Insel. Der kleine Ort besteht aus alten Fischerhäusern, in denen heute natürlich etliche Cafés und Restaurants untergebracht sind, aber Fischerei im traditionellen Stil gibt es noch immer; am Hafen sitzen wettergegerbte alte Männer und flicken ihre Netze. Trotz des Zustroms an Tagestouristen gibt es keinerlei große Hotel- und Gastronomiebauten, hier kann man noch einen Rest der vortouristischen Algarve erleben; am sieben Kilometer langen Strand mit sauberem, feinem Sand und türkisblauem Wasser verlaufen sich die paar hundert Badegäste auch schon nach kaum fünf Minuten Laufentfernung vom Ort – hier kann man seinen persönlichen Kilometer Bilderbuchstrand für sich allein haben.

Farol do Cabo de Santa Maria, Ilha da Culatra

Auch am Montag bleiben wir noch am Ankerplatz – es gefällt uns wirklich gut hier, durch die vielen Boote in der Lagune kommt man auch mal mit anderen Seglern ins Gespräch. Wir setzen auch nochmal auf die Insel über, laufen diesmal bis zum Leuchtturm am anderen Ende; den Abend – unseren letzten in Portugal – lassen wir mit einem köstlichen Abendessen in einer kleinen Taverne ausklingen. Wenn wir das nächste Mal vorbeikommen, möchten wir auch gerne mehr Zeit hier verbringen!

Isla Cristina
Unter Gennaker mit Delfinbegleitung nach Osten

Am Dienstag den 1. Oktober verlassen wir die Lagune vor der Ilha da Culatra; wie immer scheint die Sonne, und wenn auch zunächst der Wind etwas zu wünschen übrig lässt, so stellt er sich gegen Mittag doch ein und erlaubt herrliches Segeln unter Gennaker auf einer nach tagelanger Flaute fast glatten See. Auch die Delfine – ziemlich große diesmal, Tümmler vielleicht? – wissen das bunte Segel zu schätzen und springen durch dessen Spiegelbild im Wasser.

Einige Stunden später verlassen wir mit dem Passieren der Mündung des Río Guadiana auch Portugal, wo wir somit den größten Teil des Septembers verbracht haben. Als Segelrevier bot Portugal eher weniger Möglichkeiten als zuvor Galicien – es gibt einfach wenige Häfen (die an der Algarve auch noch sehr teuer sind, weswegen wir dort keinen einzigen angelaufen haben) und kaum geschützte Ankerplätze, aber Land und Leute haben uns außerordentlich gut gefallen, und Porto und Lissabon sind jede Reise wert.

Palmenallee in Isla Cristina

Nun stellen wir aber die Uhr wieder eine Stunde vor, wechseln die Gastlandflagge, und laufen nach gut 35 Seemeilen den kleinen Hafen von Isla Cristina (Stadt und Insel heißen gleich) an. Es ist schon kurz nach Sonnenuntergang, als wir einen Spaziergang durch den Ort machen, aber es ist sommerlich warm, und die Straßen sind voll von Menschen und spielenden Kindern – nach der Nachmittagshitze erwacht man erst jetzt wieder zum Leben. Die Architektur ist deutlich maurisch inspiriert, und die Hauptstraße flankieren zwei Reihen gewaltiger Dattelpalmen, die auch noch voller Früchte hängen – wir fühlen uns nun wirklich wie in Afrika 🙂

Mazagón

Am Mittwoch gibt es sogar durchgängig Wind – wir nutzten die gute Gelegenheit und verlassen Isla Cristina gleich wieder, um 35 Seemeilen gen Osten zu segeln. Tatsächlich können wir die gesamte Strecke unter Gennaker zurücklegen; zum Teil frischt der Wind sogar bis 18 Knoten auf, so dass die ‚Orion‘ mit 7,3 Knoten ihrem Ziel entgegeneilt. So macht Segeln Spaß!

Der Leuchtturm von Mazagón

Entsprechend ist es erst Nachmittag, als wir den Hafen von Mazagón an der Mündung der Ría de Huelva erreichen; dieser wird – genau wie Isla Cristina zuvor – von der andalusischen Hafenverwaltung betrieben, was zu einem Einheitspreis von € 17,33 in der Nebensaison für fast alle Häfen der Region führt. Dafür gibt’s eine tadellose Dusche – die erste seit Sines …

Ansonsten hat der Ort nicht viel zu bieten; es gibt nur ca. 4000 echte Einwohner, aber Häuser für dreimal so viele Menschen, alles Ferienvillen für Sommergäste aus Huelva. Da der Sommer (für südspanische Verhältnisse) vorbei ist, wirkt alles recht ausgestorben; lediglich den kleinen Leuchtturm finden wir recht hübsch.

Chipiona

Selbst für den Donnerstag ist noch etwas Wind übrig, so können wir weitestgehend unter Gennaker Chipiona erreichen – dafür ist es aber auch schon so spät, dass es nicht mehr für einen Rundgang durch die Stadt reicht. Wie sich später herausstellen wird, macht das aber nichts …

Wir schlafen also ein paar Stunden und machen uns dann gleich wieder auf den Weg zum Zwischenziel dieser Woche:

Cádiz

Der Wind hat sich nach drei brauchbaren Tagen aber völlig verausgabt, und so erreichen wir den Hafen der Stadt am späten Mittag nach einigen Stunden Motorfahrt. Da der Tagesablauf in Spanien ja deutlich nach hinten verschoben ist, gelingt es uns am frühen Freitagabend noch einen ganz wichtigen Dienstleister aufzutreiben, der ein seit geraumer Zeit nervendes Problem ganz endgültig löst: einen Zahnarzt.

Am Samstag schlafen wir erst mal aus und bringen dann das Boot etwas in Ordnung, denn die ‚Orion‘ bekommt für eine gute Woche Crewverstärkung; mit deren Anreise klappt auch alles nach Plan, und so können wir am Abend bei herrlichem Sommerwetter im Cockpit unser Wiedersehen feiern!

Cala del Aceite
Nebel über der Cala del Aceite

Leider kommt in der neuen Woche eine Weiterfahrt Richtung Gibraltar nicht in Frage: zunächst hält die gegenwärtige Flaute noch weiter an, und dann setzt zum Teil sehr kräftiger Ostwind ein: gerade in der Straße von Gibraltar verstärkt sich diese Levante genannte Wetterlage gerne mal auf 8 Windstärken – sinnlos, dagegen anzuwollen. Wir beschließen also etwas Urlaubssegeln rund um Cádiz: am Sonntag segeln wir – das letzte Lüftchen nutzend – gut 20 Seemeilen nach Süden und ankern vorm Strand von Cala del Aceite. Der Ankerplatz ist zwar durch den Schwell etwas unruhig (Weingläser leben gefährlich!), aber die Aussicht entschädigt dafür: eine farbenprächtige Steilküste und ein herrlicher Strand davor laden zum Verweilen ein. Am folgenden Tag tun wir das auch, baden im Meer und in der Sonne – Entspannung pur! Etwas erstaunt sind wir, als plötzlich dichter Nebel aufzieht und die kaum 200 m vorm Strand ankernde ‚Orion‘ nicht mehr zu sehen ist – der Spuk verzieht sich aber so schnell wie er gekommen ist, und wir finden glücklicherweise den Rückweg im Dinghi.

Rota
Unser Restaurant in Rota – Lage und Essen hervorragend

Dienstag setzt denn der angekündigte Levante ein: mit frischem Wind im Rücken geht es zurück Richtung Cádiz. Direkt gegenüber in der Bucht liegt Rota, wo wir für die Nacht einkehren und ein hervorragendes Abendessen genießen dürfen.

Der Ort hat eine hübsche Altstadt mit einem maurischen Kastell – und neuere, weniger attraktive Stadtteile, in denen sich die Pubs und Fast-Food-Restaurants für die unzähligen Bediensteten der großen US-Marinebasis direkt nebenan befinden. 

Am nächsten Morgen bleibt noch Zeit für einen Stadtrundgang bei Tageslicht, denn wir haben und keine große Entfernung vorgenommen: gerade 7 Seemeilen geht es über die Bucht von Cádiz bis

Puerto de Santa Maria
Abend in Puerto de Santa Maria

Auch dort machen wir noch einen abendlichen Stadtspaziergang und testen die örtliche Gastronomie – oder sie uns, denn ungewohnte Meeresfrüchte wie frittierte Seeanemonen erweisen sich als ein nicht unumstrittener Genuss. Ansonsten essen wir aber wieder hervorragend und lernen viele neue, leckere Speisen kennen; auch der Ort gefällt, und wie immer können wir die klimatischen Gegebenheiten kaum fassen: auch wenn es auf dem Rückweg zum Boot auf 23 Uhr zugeht, sind kurze Ärmel und Hosenbeine noch absolut angemessen …

Chipiona
Nach Sonnenuntergang in Chipiona

Donnerstag verlassen wir die Bucht von Cádiz und fahren ein Stück zurück nach Norden bis Chipiona, wobei sich endlich auch mal wieder ein paar Delfine blicken lassen. Diesmal sind wir auch früh genug da, um die Stadt noch kennenzulernen – was sich auch durchaus lohnt: die endlose Strandpromenade führt auf den recht dekorativen Leuchtturm zu (der höchste in Spanien übrigens), und in vielen Gärten blühen die prächtigsten Büsche und Bäume – schön, dass wir nochmal hier waren!

Cádiz

Freitag schließlich beenden wir unsere Rundfahrt um Cádiz mit einem letzten Schlag zurück in den Stadthafen; dabei rechnen wir mit kräftigem Gegenwind, der aber eher schwächer ausfällt, so dass wir zuletzt doch noch motoren müssen. Kurz vorm Hafen geht ein Boot des spanischen Zolls längsseits und drei schwarz gekleidete Uniformierte springen an Bord – Routinekontrolle. Man füllt einen Stapel der im Lande heißgeliebten Formulare aus und ist ansonsten sehr freundlich, so dass wir den Besuch als interessante Abwechslung betrachten können.

Am Samstag laufen wir stundenlang durch Cádiz, staunen über prächtige, weit ausladende Bäume in den Parks, hübsche Plätze und enge Straßenzüge – da der Platz für die Jahrtausende alte Stadt durch die Insellage sehr begrenzt ist, musste man halt schon früh in die Höhe bauen. Den anstrengenden aber schönen Tag beschließen wir mit abendlichem Grillen im Cockpit – und leider auch den Besuch unserer Freunde, denn die müssen am folgenden Sonntag wieder ins kalte Deutschland zurückfliegen.

Barbate

Am Montag gibt es endlich wieder Westwind in brauchbarer Stärke – diese Gelegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen und laufen gleich um 9 Uhr aus dem Puerto América in Cadiz aus – gut 40 Seemeilen sind zu schaffen bis zum nächsten Hafen Barbate. Dabei segeln wir nochmal aus der Ferne an Cala del Aceite vorbei und erinnern uns gerne an unseren Badekurzurlaub dort 🙂

Cabo Trafalgar

Am Nachmittag passieren wir das berühmte Cabo Trafalgar: hier besiegte am 21. Oktober 1805 die britische Flotte unter Admiral Nelson die französisch-spanische Armada vernichtend und legte damit den Grundstein für ein gutes Jahrhundert britischer Vorherrschaft auf den Weltmeeren; Nelson selbst allerdings überlebte den Tag nicht, er erlag einer Schussverletzung.

Als wir Barbate erreichen steht die Sonne schon sehr tief; da wir auch am kommenden Dienstag früh losfahren wollen, beschließen wir die Hafengebühr zu sparen und verbringen die Nacht ankernd vorm Strand – mal wieder recht unruhig, es weht kaum Wind, aber der Schwell lässt die ‚Orion‘ schaukeln.

La Línea
Afrika an Steuerbord in Sicht!

Am Dienstag den 15. Oktober gehen wir dann endlich den letzten Schlag durch die Straße von Gibraltar an. Ein leichter Westwind unterstützt unsere Fahrt, und da wir bei Niedrigwasser aufbrechen schiebt auch die Tide über den größeren Teil der Strecke mit – was bei dem zum Teil sehr starken Tidenstrom in der Straße auch dringend nötig ist.

Marina mit Aussicht: Blick von La Línea auf ‚The Rock‘

Erstes Erlebnis ist, dass auf einmal an Steuerbord Land in Sicht kommt: wir können die Küste Afrikas sehen! Zunächst schemenhaft, dann immer deutlicher, und ab etwa der Höhe von Tarifa zum Greifen nahe; gleichzeitig legen Wind und Strom immer mehr zu, so dass wir am frühen Nachmittag mit 25 Knoten Wind im Rücken geradezu auf Gibraltar zufliegen. Bald kommt der charakteristische Felsen in Sicht, wir queren noch die Bucht von Gibraltar und laufen schließlich den Hafen von La Línea an, der auf der spanischen Seite direkt an der Grenze zu Gibraltar liegt.

Gibraltar

Mittwoch überqueren wir zu Fuß die direkt hinter der Marina verlaufende Grenze – und laufen nach der Passkontrolle erst mal über die Start- und Landebahn des Flughafens! Ein etwas absurdes Erlebnis, aber Platz ist in Gibraltar eben Mangelware – wenn ein Flugzeug starten oder landen will, wird eben die Rollbahn so lange abgesperrt.

Die gerade mal gut 6 Quadratkilometer große Halbinsel wurde 1704 durch einen englischen Überfall britisches Territorium; seitdem schlugen alle militärischen und diplomatischen Versuche fehl, dies wieder zu ändern. Heutzutage kann man unter europäischen Ländern zwar kaum noch mit strategischen Notwendigkeiten argumentieren, aber als Steueroase ist Gibraltar so bedeutend, dass es beim gegenwärtigen Status wohl bleiben wird.

Der Felsen von Gibraltar und einer seiner Bewohner

Der größte Teil der Fläche wird von einem gut 400 Meter aufragenden Kalksteinfelsen eingenommen, der weithin sichtbar ist und in antiker Zeit als eine der Säulen des Herakles (neben dem Dschebel Musa in Marokko) galt, die das Ende der Welt markieren. Neben dem Felsen selbst und den zahlreichen Verteidigungsbauwerken darauf und darin sind die bekannteste Attraktion die auf dem Berg lebenden Affen, die einzigen auf dem europäischen Kontinent.

Da die gesamte Bergregion zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, muss man zur Besteigung des Felsens Eintrittsgeld bezahlen; diese Klassifizierung steht in merkwürdigem Kontrast zu der nicht enden wollenden Karawane von Mini-Vans, mit denen Touristen auf den Berg gefahren werden – wer außer uns kommt schon auf die verrückte Idee, bei der Hitze die 400 Höhenmeter zu Fuß zu ersteigen? Entsprechend erschöpft sind wir nach einigen Stunden auf dem Felsen, aber die alles andere als scheuen Affen und die spektakuläre Aussicht entlohnen uns für die Mühe!

Aussicht über Gibraltar und La Línea

 

Teil der alten Stadtmauer von Gibraltar

Am Fuße des Felsens drängen sich das alte Zentrum von Gibraltar, der umfangreiche Hafen sowie die zahlreichen Hochhäuser mit all ihren Banken und Finanzdienstleistern. Die Straßenkultur ist eine merkwürdige Mixtur aus spanischen und britischen Elementen: Tapas-Bars und Fish&Chips-Lokale wechseln sich ab. Umgangssprache ist Englisch, bezahlt wird in Pfund Sterling, gefahren aber (soweit das in Gibraltar überhaupt möglich ist) auf der rechten Straßenseite. Wir nutzen noch einen sehr positiven Aspekt des britischen Kulturraums und genießen ein tolles Abendessen in einem kleinen indischen Take-away, bevor wir uns mit letzter Kraft – wieder übers Rollfeld und durch die Passkontrollen natürlich – zurück zur ‚Orion‘ schleppen.

 

 

An Portugals Westküste (04.09. – 23.09.)

Am Mittwoch den 4. September lichten wir vor Baiona den Anker und setzen Kurs auf Portugal. Zunächst ist es flautig, das wird sich später am Tag aber gründlich ändern – die Ruhe vor dem Sturm, am Nachmittag soll der Wind auf 30 bis 40 Knoten zulegen. Um da wenigstens nicht mehr voll hineinzugeraten, müssen wir also zunächst erst mal drei Stunden motoren, bis gegen Mittag der Wind einsetzt. Einige Stunden läuft es dann ganz gut, wir überschreiten die vom Rio Miño gebildete Grenze zu Portugal, während der Wind immer weiter zulegt und wir die Segelfläche mehr und mehr verkleinern müssen. Dabei ziehen aber nicht, wie man es als Nordseesegler erwartet, dohende Wolken auf, ganz im Gegenteil: der Himmel ist wolkenlos blau und die Sonne strahlt auf den funkelnden Atlantik, beeindruckende Wellenberge schieben sich von achtern heran, während einem der Nordwind um die Ohren pfeift.

Da wir beim Überschreiten der Grenze die Uhren eine Stunde zurückgestellt haben (Portugal befindet sich in der gleichen Zeitzone wie Großbritannien), ist es erst gegen 16 Uhr als wir die Mündung des Rio Lima anlaufen; der Wind hat inzwischen 25 bis 30 Knoten erreicht und macht durchaus den Eindruck, im gleichen Tempo weiter zulegen zu wollen. So sind wir also ganz froh, nach 36 Seemeilen sicher den Hafen von

Viana do Castelo
Ponte Eiffel, Viana do Castelo

zu erreichen. Bei der Einfahrt in den Rio Lima fällt zunächst die den Fluss überspannende Brücke ins Auge; sie wurde von Gustave Eiffel konstruiert und 1878 fertiggestellt. Die Marina liegt kurz vor der Brücke und ist klein und recht eng, aber man bemüht sich, alle Gäste unterzubringen und schreckt dabei auch vor unkonventionellen Lösungen nicht zurück: wir werden aufgrund der geringen Breite der ‚Orion‘ auf einen Platz tief im Hafen gelotst, wo wir zwischen fünf bis sechs Meter langen Sportfischerbooten etwas deplaciert wirken, aber wir sind glücklich gut untergekommen zu sein – von dem Starkwind draußen ist im Schutz des Hafens nichts mehr zu spüren. Der Charakter der Küste hat sich gegenüber Galicien vollkommen verändert: es gibt keine tief eingeschnittenen Rías mehr, die Küste verläuft sehr gleichförmig von Nord nach Süd, und die in großen Abständen an den Flussmündungen gelegenen Häfen sind die einzigen Zufluchtsmöglichkeiten – weist man ein Boot ab, verurteilt man es dazu, die Nacht durchzufahren.

Praça da Repúblical, Viana do Castelo

Es bleibt noch Zeit, einen Rundgang durch Viana do Castelo zu machen, und das lohnt sich durchaus: die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt zeigt sich sowohl modern und weltoffen, hat sich aber auch viel von ihrem ursprünglichen Charakter bewahrt. Hier stoßen wir erstmals auf mit zum Teil sehr kunstvoll ausgeführten Keramikfliesen – den Azulejos – verkleidete Häuser, eine Hinterlassenschaft der maurischen Herrschaft über die iberische Halbinsel.

Da der Wind am folgenden Donnerstag weiter günstig (und nicht mehr so stark wie zuvor) weht, machen wir uns gleich am Morgen wieder auf den Weg, um die nächste, ebenfalls 36 Seemeilen lange Etappe bis

Leixões

zurückzulegen. Der kurz vor der Mündung des Rio Douro künstlich angelegte Hafen ist praktisch zu einem Vorort von Porto geworden; hier wird ein Viertel des internationalen Güterhandels Portugals umgeschlagen. Die kleine Marina ist zwischen gigantischen Containerbrücken kaum zu finden, und auch recht voll; wir finden zunächst nur Platz am Wartesteiger direkt in der Einfahrt, wo wir die ganze Nacht den Schwell der mit Vollgas ab- und anlegenden Lotsenboote genießen dürfen.

Igreja Paroquial de Leça da Palmeira, Leixões

Erst am nächsten Tag bekommen wir einen richtigen Platz zugewiesen – und da die vergangene Nacht nicht sehr ergiebig war, beschließen wir gleich noch einen Tag länger zu bleiben und den geplanten Ausflug nach Porto um einen Tag zu verschieben. Dafür haben wir Zeit, auch Leixões selbst anzuschauen – allzuviel gibt der im Vergleich zum Hafen winzige Ort zwar nicht her, aber das wird durch die Freundlichkeit der Mitarbeiter der Marina Porto Atlântico mehr als ausgeglichen.

Porto
Paços de Concelho

Am Samstagmorgen nehmen wir dann den Bus nach Porto – 2 € für eine Dreiviertelstunde Fahrt, auch hier ist der öffentliche Verkehr günstig. Die mit einer knappen Viertelmillion Einwohnern zweitgrößte Stadt Portugals ist ans Ufer und die steilen Hänge über dem Rio Douro gebaut. Flussaufwärts befinden sich ausgedehnte Weinanbaugebiete, und seit alten Zeiten werden die Weinfässer auf dem Fluss nach Porto verschifft, wo die berühmten Kellereien wie Graham’s, Taylor’s, Offley, Sandeman usw. ihn zu Portwein veredeln und in die ganze Welt exportieren. Dabei half ein schon sehr altes Handelsabkommen mit England: 1373 vereinbarte man Weinlieferungen im Gegenzug für Fischereirechte, und seit 1703 gibt es eine weitreichende Zollbefreiung. Die historische Verbindung der beiden Länder zeigt sich sowohl in den Namen einiger Portweinhäuser wie auch in der großen Beliebtheit des Getränks in Großbritannien.

Fliesenkunstwerke zieren viele Gebäude von außen ….

Porto hat viel zu bieten: obwohl Dank der markanten Lage seit Jahrtausenden bewohnt, hat sich zwar nicht viel aus der Antike erhalten, aber die zahlreichen Kirchen und Paläste einerseits, sowie die kleinen, schmalen Häuser in der Altstadt andererseits bieten viel zu sehen. Bedingt durch die Lage am Hand legt man dabei allerdings zahlreiche Höhenmeter zurück …

… wie von innen

Sehr beeindruckend sind die zahlreichen Azulejos – gewaltig große Gebäudefassaden oder auch Innenräume sind mit diesen aus unzähligen bemalten Keramikfliesen zusammengesetzten Kunstwerken verziert. Hoch über dem Rio Douro kann man auf der stählernen Ponte Luís I nach Vila Nova de Gaia am gegenüberliegenden Ufer gelangen und die Kellereien besichtigen, oder auch einfach den tollen Blick auf Porto genießen. Unzählige Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein – wirklich eine attraktive Stadt!

Am Cais da Ribeira

Das finden allerdings nicht nur wir – die Menge der Touristen, die sich großflächig durch die ganze Stadt schiebt, ist beeindruckend; die Einheimischen sind deutlich in der Unterzahl. Ungeachtet dessen strahlt die Stadt aber eine gewisse Gelassenheit aus; die weiche Sprache und die entspannte Musik zahlreicher Straßenmusikanten trägt viel dazu bei. So verbringen wir einen schönen Tag in Porto mit vielen Eindrücken, die wir nicht missen möchten.

Blick über Porto
Peniche
Es wird nie langweilig, ihnen zuzuschauen ….

Am Sonntag machen wir uns wieder auf den Weg gen Süden; wir legen eine Nachtfahrt ein und segeln 130 Seemeilen bis zum Fischereihafen Peniche, den wir am Montagnachmittag erreichen. Die Nacht auf See vergeht ohne besondere Ereignisse, der Wind ist nicht besonders kräftig, und wir erreichen gerade 4 Knoten Geschwindigkeit; nur die regelmäßigen Delfinbesuche unterbrechen die Routine, in der Nacht meist durch das prustende Geräusch beim Luftausstoß direkt neben dem Boot zu hören.

Wir queren dabei den Nazaré Canyon, eine Unterwasserschlucht, die sich mit bis zu 5000 Meter tiefem Wasser direkt bis vor die portugiesische Küste erstreckt; dort brechen sich dann die über 20 Meter (!) hohen Wellen im offenen Atlantik. Der Ort Nazaré hält den Rekord für die weltweit höchste surfbare Welle – wir sind froh, der nicht begegnet zu sein.

Noch am Abend legt der Wind zu, und am nächsten Tag weht es mit 7 Beaufort und mehr über die Halbinsel, auf der der Ort liegt – eine gute Gelegenheit, wieder einen Ruhetag einzulegen und sich Peniche anzuschauen. Seit vorgeschichtlicher Zeit siedeln hier Menschen, wie Funde belegen, und leben von der Fischerei; schon die Römer bauten eine exportorientierte Großfischerei auf. Gegenwärtig erkennt man hier aber auch die Probleme der Fischerei: der Fischereihafen ist für zehnmal mehr Boote gebaut, als ihn heute noch benutzen. Inzwischen lebt man wohl eher vom Tourismus – endlos lange Sandstrände schließen die Halbinsel ans Festland an, und zahlreiche Boote bringen Ausflügler auf die vorgelagerte Inselgruppe der Berlengas.

Wir ziehen durch die kleinen Straßen des Ortes, wandern hinaus bis zur Landspitze Cabo Carvoeiro, wo es – neben dem hübschen Leuchtturm – eine zerklüftete Steilküste und bizarre Felsformationen zu bewundern gibt, die von der See und dem beständigen Wind geschaffen wurden. Wunderschön! Am Abend kehren wir in eines der kleinen Lokale ein, welches uns vom sehr netten Hafenmeister empfohlen wurde, und genießen fangfrische Köstlichkeiten – hier gefällt es uns!

Cascais

Nichtsdestotrotz müssen wir am Mittwoch weiterziehen – des letzte brauchbare Wind für einige Zeit ist angekündigt. Wir wollen knapp 40 Seemeilen bis direkt vor die Mündung des Tejo segeln, um dort die richtige Tide zur Fahrt flussaufwärts abzuwarten.

Cabo da Roca, der westlichste Punkt Europas

Der Wind zeigt sich dabei ganz schön launig – erst geht es ganz gut los, gegen Mittag ereilt uns aber für eine Stunde Flaute; die segeln wir noch aus, und über den Nachmittag schieben uns dann auch beständige 15-18 Knoten dem Ziel entgegen, was etwa der Vorhersage entspricht. Es geht schon auf 18 Uhr, als der Wind wieder völlig einschläft – da wir nicht im Dunkeln ankommen wollen, starten wir den Motor. Nach kaum einer Stunde aber kommt der Wind noch einmal zurück; zunächst freuen wir uns und stoppen die Maschine wieder, aber dann legt es innerhalb von 5 Minuten von 15 bis auf 30 Knoten zu – und wir haben natürlich immer noch die vollen Segel oben! Da ein Reffmanöver bei sieben Beaufort und drei bis fünf Meter Welle auch kein Vergnügen zu werden verspricht, beschließen wir das auszuhalten bis wir in die Wellenabdeckung durch das Capo da Roca kommen – und so schießt die ‚Orion‘ mit vollem Groß und ausgebaumtem Klüver mit 7 bis 8 Knoten vor dem stürmischen Wind die Wellen hinunter …

Bald passieren wir das  Capo da Roca und damit den westlichsten Punkt des europäischen Kontinents, und in dessen Schutz gelingt es uns dann tatsächlich die Segel zu bergen und den Ankergrund vor Cascais anzulaufen; dort gibt es auch eine Marina, die aber für ihre völlig überzogenen Preisvorstellungen bekannt ist, und so ankern wir lieber die Nacht direkt vorm Hafen.

Seixal

Nach einer eher unruhigen Nacht lichten wir den Anker – unter erheblichen Schwierigkeiten, er hatte sich wohl in irgendwelchem Schrott auf dem Meeresgrund verhakt. Mit auflaufendem Wasser fahren wir den Tejo hinauf, zwei bis drei Knoten Strom schieben uns dabei an.

Vorbei ziehen der Torre de Belém und das Entdeckerdenkmal Padrão dos Descobrimentos, während wir uns auf dem größten Fluss der iberischen Halbinsel langsam der beeindruckenden Ponte 25 de Abril nähern, die Lissabon mit dem südlichen Tejoufer verbindet.

Die ‚Ponte 25 de Abril‘; links Lissabon, rechts die 113m hohe Statue ‚Cristo Rei‘

Eigentlich hätten wir gerne direkt Lissabon angelaufen, aber obwohl es dort sechs große Marinas gibt, ist kein einziger Liegeplatz mehr zu bekommen; so suchen wir nach Alternativen und finden noch eine freie Muringboje in Seixal, einem kleinen Ort in einem Seitenarm des Tejo auf der Lissabon gegenüberliegenden Seite. Der Weg dorthin erinnert schon an die heimische Wattensee: ein betonntes Fahrwasser windet sich zwischen trockenfallenden Sandbänken hindurch.

Seixal von der Muring aus gesehen

Seixal erweist sich als Glücksgriff: der von der Gemeinde verwaltete kleine Anleger und etliche Muringbojen liegen beschaulich in einem ruhigen Gezeitenarm; der Hafenmeister erweist sich als extrem freundlich und hilfbereit und bietet an, jederzeit mit seinem Motorboot den Zubringerdienst an Land zu übernehmen; der Ort ist hübsch und unverbaut, bietet einen großen Supermarkt in Laufweite und sogar Dusche und Waschmaschine in der Touristeninformation – und das für € 7,60  am Tag! Nach Lissabon verkehrt eine Schnellfähre in 15 Minuten für landesüblich kleines Geld, und man landet direkt im Zentrum – was will man mehr? Da auch für eine ganze Weile kein Wind angesagt ist, erkennen wir schnell, dass wir hier länger als nur zwei Nächte bleiben werden …

Lisboa
Historisch: der Torre de Beleḿ von 1521

Den Samstag sowie den folgenden Montag verbringen wir in Lissabon – die Stadt ist viel zu groß um an einem Tag erkundet zu werden. Mit einer guten halben Million Einwohnern größte Stadt Portugals, erstreckt sich Lissabon über zahlreiche Hügel längs des Tejo-Ufers; man legt also sowohl viele Kilometer wie auch Höhenmeter zurück, wenn man zu Fuß unterwegs ist.

Prächtig: der Praça do Comércio

Die Mühe lohnt sich aber: es gibt nicht nur ein sehenswertes Zentrum wie in vielen anderen Städten, sondern jedes Stadtviertel ist eine Attraktion für sich mit ganz eigenem Charakter. Der Ort ist seit 3000 Jahren besiedelt und wurde durch die vielen unterschiedlichen Einflüsse – von Phöniziern über Griechen, Römer, Goten und Mauren – stark geprägt; durch ein katastrophales Erdbeben im Jahre 1755 – gefolgt von einem Tsunami und Großbränden – wurde die Stadt allerdings fast vollständig zerstört, und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung kam ums Leben. Im Unglück lag aber auch eine Chance zum Neuaufbau: Lissabon wurde mit ungewöhnlich großzügig angelegten Boulevards und Plätzen neu angelegt, welche heute einen lebendigen Kontrast zu den engen Gassen der erhaltenen alten Stadtteile bilden.

Blick über Alfama, zu maurischer Zeit der Stadtkern Lissabons

 

Eine der Standseilbahnen

Bemerkenswert sind auch die Maßnahmen zur Überbrückung der großen Höhenunterschiede: in der Innenstadt gibt es einen 45 Meter hohen freistehenden Personenaufzug sowie drei Standseilbahnen, um die tiefer mit den höher gelegenen Stadtteilen zu verbinden. Ferner prägen die historischen Straßenbahnen das Stadtbild, deren kleine Wagen sich durch schmale Gassen, enge Kurven und über erstaunliche Steigungen bewegen.

​​​Das Entdeckerdenkmal ‚Padrão dos Descobrimentos‘

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich die große Geschichte der portugiesischen Entdecker: angefangen von den Expeditionen entlang der Küsten Afrikas im frühen 15. Jahrhundert unter Heinrich dem Seefahrer, welche die Grundlage für die europäische Expansion darstellten, über die Entdeckung des Seeweges um das Kap der guten Hoffnung bis nach Indien durch Vasco da Gama 1498, die Entdeckung Brasiliens im Jahre 1500 durch Pedro Álvares Cabral bis zur Etablierung der ersten Beziehungen zu Japan ab 1549; auch Fernão de Magalhães (den wir besser als Ferdinand Magellan kennen), der als erster (in spanischem Auftrag) die Welt umsegelte, war Portugiese. Zur Erinnerung an all diese Entdecker steht in Belém am Ufer des Tejo ein monumentales Denkmal, das den Weg in die Ferne weist.

Das Kloster ‚Mosteiro dos Jerónimos‘ aus dem 16. Jahrhundert

Natürlich hat Lissabon auch kulturell einiges zu bieten: etliche Museen laden zum Besuch ein, und in zahlreichen Lokalen kann man den Fado hören, die sehnsuchtsvoll-traurige Musik Portugals. Schließlich sind die unzähligen gastronomischen Angebote zu nennen: in jedem zweiten Haus ist entweder ein Café mit den verlockendsten Gebäckkreationen oder ein Restaurant, aus dem es verführerisch nach frisch gegrilltem Fisch duftet.

Dass die Stadt unter massiven strukturellen Problemen und umfassenden Schäden in der Bausubstanz leidet, vermindert merkwürdigerweise den positiven Eindruck nicht; man scheint den Umstand, dass die großen Zeiten längst Vergangenheit sind, mit einer Würde hinzunehmen, die ihren Ursprung in einer großen, vielfältigen, menschlichen und weltoffenen Kultur zu haben scheint, frei nach dem Motto: was braucht man schon Geld, wenn man Stil hat! Wir können uns dem nur anschließen und einen Besuch in Lissabon – auch mit herkömmlicher Anreise – uneingeschränkt empfehlen.

Sesimbra

So gut es uns auch in Seixal gefällt, irgendwann müssen wir ja doch weiter; erstmal erlaubt eine ausgedehnte Flaute uns noch, die in Lissabon arg strapazierten Füße auszuruhen, aber am Donnerstag ist es dann soweit, wir verlassen mit ablaufendem Wasser den Tejo und können noch einmal Lissabon, die den Fluss überspannende Brücke,  das Entdeckerdenkmal und den Torre de Belém vorüberziehen lassen, bevor wir links abbiegen und entlang der Küste der Setúbal-Halbinsel nach Süden fahren.

Cabo Espichel

Dabei passieren wir das Cabo Espichel, dessen steil und hoch aufragende Felsformationen sehr interessant anzuschauen sind; da das Wasser davor keine Untiefen aufweist, kann man auch relativ dicht unter Land daran vorbeisegeln und sich die gewaltigen Höhlen anschauen, die der Atlantik in die Südküste gefressen hat.

Sesimbra bei Nacht

Allzuviel Wind weht nicht, und so ist es schon früher Abend, als wir nach knapp 40 Seemeilen Sesimbra erreichen und vor dem Ort ankern; für einen kleinen Ausflug mit dem Dinghi in den Ort und eine Einkehr in einem der gemütlichen Straßencafés reicht es aber noch. Nach Einbruch der Dunkelheit funkeln nicht nur die Lichter des Ortes, hoch darüber wird auch die ausgedehnte maurische Burganlage angestrahlt – ein toller Anblick!

Sines

Gleich am nächsten Morgen geht es weiter, denn es zeichnet sich der Durchzug eines Tiefausläufers ab, der Südwestwind und Regen bringen soll, und da wollen wir vorher einen geschützten Hafen erreichen; leider geht dem aber eine Flaute voraus, so dass wir 9 Stunden motoren müssen, um Sines zu erreichen – den nächsten und einzigen Hafen auf der gesamten verbleibenden Westküste. So lange lief der Motor seit der Überfahrt Boulogne-sur-Mer – Dieppe nicht mehr …

Standbild Vasco da Gamas in Sines

Die Vorhersage erweist sich aber als zutreffend: am Abend frischt der Wind auf, und in der Nacht beginnt es ausgiebig zu regnen – wir müssen im Logbuch nachschauen, es ist unser erstes Schietwetter seit dem letzten Tiefausläufer am 8. August; na ja, einmal alle sechs Wochen kann man das ja noch durchgehen lassen 🙂

Den Samstag verbringen wir dann auch in der Marina von Sines; für ein paar Stunden ist es auch mal trocken, so dass wir den Ort anschauen können. Hier wurde Vasco da Gama geboren, vor der Kirche schaut sein Standbild übers Meer hinaus; ansonsten bietet Sines die üblichen verwinkelten Altstadtgassen und einladenden Cafés und Restaurants, und die absolut fair bepreiste Marina hervorragende heiße Duschen.

Am Sonntag könnte es dann eigentlich weiter gehen – nur dass absolut kein Wind weht, und nach dem Motormarathon vom Freitag haben wir erst mal genug von diesem Geräusch; also bleiben wir lieber noch einen Tag länger in Sines und nutzen die Zeit für ein paar anstehende Arbeiten am Boot.

Ums Cabo de São Vicente

Dienstag sieht es mit der Windvorhersage besser aus, wenigstens gut 10 Knoten soll es durchgehend geben, und gen Süden auch etwas mehr; wir brechen erst am frühen Nachmittag auf, denn die 80 Seemeilen um die südwestlichste Ecke Europas, das Cabo de São Vicente, sind ohnehin nicht im Verlauf der Tageslichtstunden zu schaffen, und so kommen wir wenigstens nicht mitten in der Nacht an – es ist der 23. September, heute ist Äquinoktium, es stehen also genau 12 Stunden Tageslicht zur Verfügung.

Beginnende Nacht auf dem Atlantik

Zunächst sieht es auch ganz vielversprechend aus mit dem Wind, es weht mit 12 Knoten aus Nordwest – endlich mal kein Vorwindkurs, und mit halbem Wind machen wir gute Fahrt. Gegen 20 Uhr verlässt uns der Wind aber – entgegen der Vorhersage – praktisch vollständig; die zwei bis drei Meter hohen Atlantikwellen, die von den Stürmen nördlich des Azorenhochs über hunderte Seemeilen heranrollen, stört das aber gar nicht, sie lassen die ‚Orion‘ mit herunterhängenden Segeln wie einen Korken tanzen. Die Alternativen sind also dies hilflos treibend zu ertragen oder zu versuchen, sich unter Maschine aus der Flaute freizufahren; wir entscheiden uns für letzteres, und so röhrt wieder stundenlang der Motor. Den einzigen Trost bieten ein hinreißender Sonnenuntergang mit geradezu unwirklichen Orange- und Violetttönen und eine äußerst sternenklare Nacht: in Fahrtrichtung erstreckt sich hell leuchtend die Milchstraße über das Firmament, als würde sich unser Kielwasser im Himmel spiegeln …

Cabo de São Vicente vor Sonnenaufgang

Erst nach vier Uhr in der Frühe kommt wieder genug Wind auf, um wenigstens einen definierten Kurs steuern zu können; kurz vor Sonnenaufgang passieren wir dann endlich das Kap, von dem der lichtstärkste Leuchtturm Europas seinen Schein über den Atlantik wirft, und erreichen die Südküste Portugals, die Algarve.

  

 

In Galicien (05.07. – 03.09.)

Ría de Viveiro
In Viveiro

Nachdem wir uns in der Marina ausgeschlafen und mit einer Dusche die Restmüdigkeit von der Überfahrt vertrieben haben, schauen wir uns Viveiro an: ein lebendiger Ort voller Straßencafés und Geschäfte, mit kleinen, engen Gassen und großzügigen Plätzen. In der Altstadt sind die Häuser so gebaut, dass sie sich ab der ersten Etage noch verbreitern, so dass nach oben kaum noch der Himmel zu sehen ist – seinem Nachbarn gegenüber kann man wohl fast die Hand reichen. Viel Platz ist aber auch nicht, die Ortschaft ist zwischen Wasser und Felsen in den Hang gebaut.

Zufälligerweise findet an diesem Wochenende ein großes Heavy-Metal-Festival in Viveiro statt, das ‚Resurrection Fest‘, zu dem deutlich mehr Besucher anreisen als die Stadt Einwohner hat, was dazu führt, dass jede Wiese im gesamten Stadtgebiet mit Zelten bedeckt ist und die vorherrschende Kleidungsfarbe im Straßenbild Schwarz ist – ein ziemlich amüsanter Kontrast zur südländischen Fischerort-Stimmung!

Der Strand von Covas mit der ‚Orion‘ – der kleine weiße Punkt am Ende der Felsenkette

Am Nachmittag verlassen wir die Marina und suchen uns einen Ankerplatz vor dem Strand von Covas; Viveiro liegt in einer ausgedehnten, fjordähnlichen Flussmündung, die zahlreiche Seitenbuchten, Felsenküsten und Strände umfasst. Diese Buchten, Rías genannt, bestimmen das Landschaftsbild der galizischen Küste: an der Nordküste, also bis zum Kap Finisterre, sind es die Rías Altas, an der Westküste die Rías Baixas. Der Weg der ‚Orion‘ soll entlang dieser Rías führen, denn sie bieten ein tolles Revier fürs Fahrtensegeln: für fast jede Windrichtung findet man in irgendeiner Seitenbucht sichere Ankerplätze und liegt dabei vor landschaftlich toller Kulisse.

Unser Privatstrand

Den ersten Ankerplatz finden wir gut eine Seemeile weiter vor dem Strand von Covas; etwas seitlich davon gibt es nochmal eine kleine, von Felsen abgetrennte Bucht, die vom Land aus kaum zu erreichen ist – so haben wir sogar unseren Privatstrand!

Hier kann man es aushalten; das Wetter könnte zwar endlich mal besser werden (die Sonne zeigt sich nur zwischendurch mal, meist ist der Himmel immer noch von hochnebelartigen Wolken bedeckt), doch wenigstens ist es dabei beständig über 20 Grad warm. Knapp 20 Grad hat das Wasser – könnte sich die Sonne mal durchsetzen, wäre gleich Badewetter. 

Am Sonntag dreht der Wind langsam auf Nordost, wir fahren also auf die andere Seite der Ría und lassen dort den Anker vor einem neuen Sandstrand fallen – so kann man das aushalten!

Das Ankern ist übrigens bislang ein wahres Vergnügen: anders als in Norwegen, wo Stellen mit nicht zu großer Tiefe selten sind, findet man hier quasi vor jedem Strand einen Quadratkilometer Wasser mit 4 bis 8 Metern Tiefe und einem Grund aus grobkörnigem Sand – man lässt an einer beliebigen Stelle den Anker fallen, lässt 20 bis 30 Meter Kette auslaufen und bringt den Motor auf 2000 Umdrehungen rückwärts – um festzustellen, das sich der Anker innerhalb weniger Dezimeter eingegraben hat und dann mit aller Gewalt nicht mehr weiterzuziehen ist; so kann man ruhig schlafen!

Ría de Cedeira

Nach drei Ruhetagen wollen wir dann aber am  Montag doch mal weiterziehen, vor allem da wieder frischer Nordost angesagt ist, perfekt um das Kap Estaca de Bares zu runden, den nördlichstenn Punkt der iberischen Halbinsel. Wir setzen noch am Anker das Großsegel und können ohne den Motor zu starten aus der Ría segeln – das macht Spaß!

Vor Spaniens Nordküste

Nachdem wir die Abdeckung der Berge überwunden haben, stellt sich dann auch der versprochene Wind mit guten 5 Beaufort ein; mit gut 7 Knoten rauscht die ‚Orion‘ durch die Wellen. Man merkt den Unterschied zur Nordsee: die Wellen kommen uns immer etwas zu hoch für die Windstärke vor; selbst bei Nordost nehmen sie schon 300 Seemeilen Anlauf, bei Westlagen quer über den Atlantik.

Abendstimmung über dem Ankerfeld

Leider ist es mal wieder bedeckt, es regnet auch ein wenig; gegen Mittag setzt sich aber die Sonne durch, und wir genießen die sportliche Fahrt bis zur nächsten geeigneten Flussmündung, der Ría de Cedeira.  Dort findet sich vorm Strand des gleichnamigen Ortes eine ausgedehnte Bucht mit Kartentiefen zwischen 3 und 4 Metern – hier könnten 100 Yachten ankern, es sind aber kaum 10, die es mit uns tun. Der Abend bietet einen tollen Sonnenuntergang über dem Ankerfeld, dazu ein Glas Rotwein, was will man mehr …

Dienstagvormittag ist es wieder bedeckt, aber für den Nachmittag kündigen die Propheten endlich Besserung an, die auch über die nächsten Tage anhalten soll – dann bleiben wir doch erst mal eine Weile hier!

Cedeira, Strand und Seepromenade

Wir fahren mit dem Dinghi bis in die Ortsmitte von Cedeira, was nur um Hochwasser herum möglich ist, ansonsten führt der kleine Fluss nicht genug Wasser. Wir finden einen freundlichen, lebendigen Ort vor, der über einen tollen Sandstrand verfügt, aber nicht nur vom Tourismus bestimmt ist – die Einheimischen scheinen hier noch in der Überzahl zu sein. Es gibt einen Supermarkt, der uns mit frischem Brot und herrlichen Melonen aller Art versorgt – das das lokal verkaufte Obst keine Europareise überstehen muss, kann man bei der Züchtung noch Wert auf solche nebensächlichen Eigenschaften wie Geschmack legen, statt sich auf die Transportfähigkeit zu konzentrieren.

Tatsächlich setzt sich auch nachhaltig die Sonne durch, und wir fühlen uns endlich im Süden angekommen: die Temperaturen im Schatten laut Wetterbericht betragen zwar nur 22 – 24 Grad, aber die Sonne verfügt über eine ganz andere Kraft, als wir es in Norddeutschland kennen; unterm übers Cockpit gespannten Sonnensegel kann man es untätig und in Badesachen gerade aushalten, ohne ins Schwitzen zu kommen, und sich den Tag über von gekühlter Melone ernähren, bevor man am Abend, bei tief stehender Sonne, den Grill anwirft und den Tag bei lokalem Rotwein, Oliven und Käse ausklingen lässt. In der Nacht wird es noch hinreichend kalt, dass man gut schlafen kann – besser geht’s kaum. Überkommt einen doch mal der Übermut und man lässt sich auf sportliche Aktivitäten ein – wie wir es am Mittwoch mit einer mehrstündigen Wanderung über den Cedeira überragenden Bergrücken getan haben – kann man sich in dem mit 20 Grad noch recht frischen Wasser der Bucht abkühlen. Hier lässt es sich aushalten!

Ausblick über die Küste vor Cedeira

So drängt uns auch gar nichts, weiterzuziehen; das Wetter bleibt weiter perfekt, die Ría bietet vollständigen Schutz gegen Schwell, und der örtliche Supermarkt versorgt uns mit frischem Obst und Gebäck. Donnerstag müssen wir uns auch etwas von der Wanderung am Vortag erholen, Freitag sind wir wieder aktiver und fahren mit dem Dinghi zu einer einsamen Felsenbucht mit kleinem Strand, die wir seit Tagen am Cedeira gegenüberliegenden Ufer vom Boot aus anschauen.

Einsame Badebucht, im Hintergrund das Ankerfeld und Cedeira

Wir finden einen weißen Sandstrand, vom Wasser ausgewaschene Felsen und blaugrünes Wasser – einfach toll! Wir bleiben den ganzen Nachmittag, lesen im Schatten der Felsen oder laufen durch die Wellen, die an den Strand spülen.

Am Freitagabend zieht es sich aber etwas zu, und starker Wind kommt auf, in der Nacht zum Samstag werden es in Böen bis zu 8 Windstärken, die über die Ankerbucht fegen – ob da wohl der Anker hält? Er tut es, das Boot bewegt sich im Laufe der Nacht keinen Meter weiter, wie das GPS verrät.

Ría de Ares
Die Küste bei Cabo Prior

Am Samstag bleibt es aber noch sehr windig, und bewölkt ist es auch; wir warten also noch bis Sonntag, um weiterzuziehen. Wieder sind es gut 30 Seemeilen bis zur nächsten Ría, vorbei an der felsigen Küste. Wenn der Wind auch deutlich nachgelassen hat, so steht doch noch einiges an Welle von den vergangenen Tagen; bei 15 bis 20 Knoten Wind stabilisiert der Gennaker das Boot aber hinreichend, und wir erreichen zügig die Ría de Ares, wo wir vorm Strand des gleichnamigen Ortes ankern.

Ares, Seepromenade

Am nächsten Vormittag erfolgt natürlich auch der obligatorische Dinghi-Ausflug nach Ares; der Ort wirkt sehr touristisch, kein Wunder, verfügt er doch auch über einen langen, feinen Badestrand; eine sehenswerte Altstadt oder dergleichen suchen wir aber vergeblich. So bleiben wir auch nur noch bis zum nächsten Morgen und fahren ins nur 9 Seemeilen entfernte

A Coruña

A Coruña ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und mit rund einer Viertelmillion Einwohnern die größte Stadt weit und breit. Ihre Geschichte reicht weit zurück: schon lange vor den Römern wurde der natürliche Hafen von Kelten und Phöniziern genutzt. Der ums Jahr 110 von den Römern erbaute Leuchtturm weist bis heute Schiffen den Weg und ist das Wahrzeichen der Stadt; sehenswert ist aber auch das Rathaus sowie die zahlreichen Kirchen und Klosteranlagen. Die Marina ist etwas zu groß für unseren Geschmack, verbreitet dafür aber den Duft nach der großen, weiten Welt: wir sehen neben unzähligen britischen, französischen, holländischen und auch ein paar deutschen Yachten auch solche aus Russland und aus Canada.

Torre de Hércules, A Coruña

Am späten Mittwochvormittag verlassen wie die Marina Coruña und fahren wieder hinaus aufs Meer; der vor uns liegende Küstenabschnitt hört auf den einladenden Namen Costa da Morte – das verschafft doch gleich Respekt …

Zunächst aber segeln wir noch direkt am Herkulesturm vorbei, dem römischen Leuchtturm, der seit bald 2000 Jahren den Weg nach A Coruña weist – beeindruckend, zumal sich aus dem Jahrtausend nach Ende des Römischen Reiches wenig findet, was heute noch steht.

Isla Sisarga, Costa da Morte

Die Küste des Todes zeigt sich uns glücklicherweise recht freundlich gesonnen – die Sonne scheint, und der Wind kommt ausnahmsweise selbst am Nachmittag mal nicht über Stärke 4 hinaus. Wenn man sich die schroffe, felsige Küstenlinie ohne irgendwelche Zufluchtsmöglichkeiten aber so anschaut, wie sie dem Atlantik ausgesetzt ist und die lange Dünung immer noch viele Meter in die Luft wirft, kann man sich leicht vorstellen, dass in alten Zeiten viele Schiffsreisen hier bei einem Nordweststurm ein fatales Ende genommen haben. Wir können uns aber am Anblick erfreuen, zumal uns wieder Delfine begleiten, und erreichen am Abend nach gut 36 Seemeilen die

Ría de Corme e Laxe

wo wir vor dem kleinen Fischerort Corme den Anker werfen. Wie vorhergesagt schläft in der Nacht der Wind vollständig ein, und das soll auch noch länger so bleiben – aber das macht nichts, hier kann man es wohl eine Weile aushalten.

Corme, Seepromenade

Der Ort hat keinen richtigen Supermarkt, nur kleine Dorfläden, in denen man aber auch ohne Sprachkenntnisse sehr nett behandelt wird und alles bekommt; es gibt eine winzige Bäckerei, die sensationell gutes Brot herstellt, eine Art rustikales Steinofenbaguette aus etwas dunklerem Mehl – ofenfrisch unwiderstehlich!

Wochenmarkt in Corme

Am Freitag ist Wochenmarkt in Corme – ein buntes Treiben, bei dem das ganze Dorf auf den Beinen zu sein scheint. Neben kleinen, gewerblichen Marktständen sitzen alte Damen auf mitgebrachten Schemeln und haben auf einer Decke die Erzeugnisse des eigenen Gartens ausgebreitet: wir kaufen Kartoffeln, Zucchini, hübsch zu Zöpfen geflochtene Zwiebeln und Knoblauch sowie prächtiges Obst, alles zu sehr günstigen Preisen. Wieder fällt die außerordentliche Freundlichkeit der Menschen auf – obwohl wir kein Wort Spanisch sprechen und die Einheimischen kein Englisch (abgesehen vom Personal in den Marinas, aber jedenfalls nicht auf dem Lande) kommen wir gut zurecht, bekommen eine Menge Dinge mit Händen und Füßen erzählt und fühlen uns sehr willkommen.

Am Cabo Roncudo

Wir wandern entlang der Küstenstraße zum Cabo Roncudo und finden großartige Ausblicke über die Ría, quasi hinter jeder neuen Kurve toller als zuvor; es ist in der Sonne gerade so warm, dass man es in Shorts, T-Shirt und Sonnenhut eben noch aushält, in der sanften Brise zu wandern ohne allzusehr ins Schwitzen zu kommen – ein ideales Klima, finden wir. Dafür bleibt das Wasser mit knapp 20 Grad immer noch frisch – was allerdings die Einheimischen nicht davon abhält, die Strände ausgiebig zu nutzen. 

Ría de Camariñas
Das Cabo Vilán

So gut es uns vor Corme auch gefällt, irgendwann muss es auch mal weitergehen, und am Sonntag stellt sich auch noch der dazu passende Wind ein: bei gewohnt blauem Himmel weht ein eher sanfter Nordnordost mit 3 – 4 Beaufort. Wir lichten den Anker, verlassen die Ría und folgen auf Westkurs weiter der Costa da Morte. Dabei passieren wir das Cabo Vilán mit seinen beeindruckenden Felsformationen; ganz in der Nähe des Kaps befindet sich der Cemiterio dos Ingleses, ein Friedhof für die 172 Toten des 1890 im Sturm auf den Klippen zerschellten britischen Marineschulschiffs HMS Serpent – ein Beispiel unter vielen, wofür sich die Costa da Morte ihren Namen verdient hat.

In Camariñas

Unter deutlich besseren Bedingungen und ohne jegliche Verluste erreichen wir nach 20 Seemeilen Camariñas, wo wir in einer großen, gleichbleibend 3 – 7 Meter tiefen Bucht den Anker fallen lassen. Für die Nacht und den folgenden Montag ist eine deutliche Zunahme des Windes vorhergesagt, und so suchen hier rund ein Dutzend Yachten Schutz – womit der Ankerplatz aber alles andere als überfüllt ist.

Der Ort weist einen umfangreicheren Fischereihafen auf; außerdem ist er berühmt für seine traditionellen Spitzenklöppelarbeiten, zahlreiche Geschäfte, ein Klöppelmuseum und ein Denkmal zeugen davon.

Am Dienstag legen wir die wohl kürzeste Tagesdistanz des Törns zurück: ganze zwei Seemeilen sind es quer über die Ría nach

Muxía

Der Fischerort hat einen großen Hafen, in dem auch eine kleine, freundliche Marina platz findet; diese steuern wir an, zum einen weil Boot und Besatzung eine Süßwasserdusche gebrauchen können, zum anderen weil wir vor hier aus einen Tagesausflug nach Santiago de Compostela machen wollen.

Aussicht über Muxía

 

Santuario da Virxe da Barca

Zunächst mal schauen wir uns aber Muxía an; anders als in Camariñas gibt es eine hübsche Altstadt, und man kann einen sehr schön angelegten Weg von der Stadt bis zur Landspitze gehen. Dort gibt es einen Hügel, der eine tolle Aussicht bietet, und die Wallfahrtskirche Santuario da Virxe da Barca; diese liegt unmittelbar an der felsigen Küste, und die Atlantikwellen, die sich an den Felsen brechen, bieten ein großartiges Schauspiel. Wenn man bedenkt, dass dabei kaum Wind wehte … Costa da Morte!

 

Santiago de Compostela
Catedral de Santiago de Compostela

Am frühen Mittwochmorgen steigen wir in Muxía in einen Bus, der uns in anderthalb Stunden knapp 100 Kilometer nach Santiago de Compostela bringt – mit 8€ pro Fahrt übrigens recht günstig. Die knapp 100.000 Einwohner zählende Stadt ist Hauptstadt Galiciens und weltbekannt als Ziel des Jacobswegs, welchem rund 200.000 Pilger jährlich bis Santiago folgen. Diese bestimmen auch das gesamte Leben der Stadt: überall sieht man Wanderer mit Rucksäcken und das Pilgersymbol, die Jakobsmuschel.

Convento de San Domingos de Bonaval

Bemerkenswert ist die Grundlage dieser knapp 1200 Jahre andauernden Pilgerei: der heilige Jakobus wurde der Überlieferung zu Folge im Jahre 44 in Palästina enthauptet; seinen Leichnam gab man in ein Boot, welches man ohne Besatzung auf die See treiben ließ. Dieses legte dann bescheidene 3000 Seemeilen bis Galicien zurück, wo es an Land trieb und man die Gebeine in der Erde bestatte – und die Grabstätte vergaß.

Santiago, Altstadt

Kurzweilige 800 Jahre später ‚entdeckte‘ man die Überreste wieder und konnte sie – sicher nach eingehenden forensischen Untersuchungen – eindeutig Jakobus zuschreiben, womit der nach Rom und Jerusalem wichtigste Pilgerort des Mittelalters geboren war. Ein Schelm, wer da noch Zweifel an der Echtheit hegt …

Convento de San Francisco

Ungeachtet dessen ist die Kathedrale von Santiago ein sehr beeindruckendes und schönes Gebäude (wenn auch ihr Inneres fast vollständig mit Baugerüsten und Planen verhängt war), wie auch die ganze mittelalterliche Altstadt mit ihren engen Gassen und prachtvollen Gebäuden sehr sehenswert ist.  Wir laufen 8 Stunden kreuz und quer durch die Stadt, bevor wir – recht erschöpft, es sind knapp 30 Grad – den Bus zurück nach Muxía nehmen. In jedem Fall ein sehr lohnender Ausflug!

Am Donnerstag regnet es dann ausnahmsweise mal; wir verlassen erst am Nachmittag die Marina von Muxía und ankern 2 Seemeilen entfernt in einer fast unbebauten Bucht der Ría; das Wetter bleibt auch am Freitag noch durchwachsen, so dass wir erst am Samstag die Ría de Camariñas verlassen.

Seno de Corcubión / Fisterra
Cabo Fisterra von See

Weiter geht es nach Süden, bei blauem Himmel und kräftigem Nordnordostwind; erst passieren wir das Cabo Touriñán und eine Weile später das Cabo Fisterra oder Kap Finisterre. Beide Namen leiten sich vom lateinischen finis terrae ab, dem ‚Ende der Welt‘, denn genau dafür hielt man im Altertum diesen Punkt – dahinter gibt es nur noch Wasser! Man hat sich zwar zunächst um ein paar Meter vertan, denn das nördlichere Cabo Touriñán liegt tatsächlich noch etwas westlicher, und wie sich deutlich später herausstellte ja auch noch einen ganzen Kontinent übersehen, aber ungeachtet dessen ist dies schon ein sehr bedeutender Ort.

Der Hafen von Fisterra

Wir wollen ihn uns auch näher anschauen und biegen daher in die Bucht hinter das Kap, Seno de Corcubión, ein und wollen eigentlich vor dem Ort Fisterra ankern, aber die Windabdeckung ist nicht besonders gut, und außerdem gibt es da einen langen, massiven, nagelneuen und völlig unbenutzten Schwimmponton am Fischerhafen – Fragen kostet ja nichts, denken wir uns, und legen erst mal an. Zum Fragen ist aber niemand da, die Capitanía ist unbesetzt und bleibt es auch am folgenden Sonntag – auch gut.

Cabo Fisterra von Land

Wir können also das Boot unbesorgt allein lassen und wandern hinaus zum Leuchtturm am Kap; dort ist eine ganze Menge los, denn Finisterre ist auch der eigentliche Endpunkt des Jakobsweges, viele Pilgerer hängen dieses letzte Stück noch dran, nachdem sie es bis Santiago de Compostela geschafft haben. Der Weg ist sehr schön, die Aussicht toll, und vor allem das Bewusstsein, dass Menschen genau hier seit Jahrtausenden aufs Meer schauen – wirklich ein Erlebnis!

Die Aussicht vom ‚Ende der Welt‘

 

Ankern vor Sardiñeiro

In der Nacht zum Montag sind wir an unserem Liegeplatz zwar offenbar auch niemandem im Weg, aber der Lärm und Schwell, den die ablegenden Fischkutter ab 2 Uhr morgens verbreiten, ist beachtlich – da suchen wir uns doch lieber einen ruhigeren Platz, und finden ihn kaum 2 Seemeilen entfernt in der kleinen Bucht von Sardiñeiro, wo wir dicht am Strand ankern und einen entspannten Tag bei Flaute und Sonne verbringen. Auch den Ort schauen wir uns noch an, dieser besteht aber nur aus einigen Häusern an der Straße nach Fisterra; immerhin eine Bäckerei gibt es.

Ría de Muros e Noia

Dienstagmittag kommt langsam wieder Wind auf, und wir machen uns wieder auf den Weg; Ziel ist die Ría de Muros e Noia, welche zu den Rías Baixas zählt – wir haben damit die Costa da Morte überwunden, von nun an finden sich wieder tief ins Land eingeschnittene Buchten, welche Schutz vor dem Atlantikwetter bieten.

Unsere Eskorte

Das Wetter ist prächtig, der Wind eher mäßig – laues Segeln. Zu unserer großen Freude hat auch eine größere Gruppe Delfine ihren lauen Tag – obwohl wir eigentlich viel zu langsam für sie unterwegs sind, begleiten sie uns über Stunden, springen dicht vor dem Bug durch die Welle, versuchen gleich zu mehreren zwischen Boot und mitgeschlepptem Schlauchboot mitzuschwimmen … einfach nur schön dabei zuzuschauen!

In Muros, alte Markthalle

Am Dienstagabend ankern wir erst mal vor Muros, beschließen dann aber am Mittwochmorgen für einen Tag in die Marina zu fahren – mal ordentlich die Batterien laden, duschen, Wasser bunkern, einkaufen, das übliche Programm … aber der Besuch lohnt sich auch um des Ortes selbst willen: Muros hat noch eine richtige Altstadt mit verwinkelten, schmalen Gassen und alten Häusern – eine erfreuliche Ausnahme, ansonsten zeichnen sich selbst die kleineren Orte ja gerne mal durch mehrstöckige 70er-Jahre-Architektur aus.

Donnerstagmittag verlassen wir die Marina wieder, aber nur um knapp 2 Seemeilen nordöstlich von Muros in der Ensenada de Bornalle wieder den Anker zu werfen – nach über 24 Stunden in der ‚Stadt‘ brauchen wir erst mal einen Ruhetag vorm Strand 😉   

Noia, Iglesia de San Martin …

Freitag sind wir dann wieder etwas aktiver: wir legen erst mal volle 6 Seemeilen bis vor den Ort Freixos zurück, ankern dort die ‚Orion‘ in schon recht flachem Wasser, und fahren dann noch eine Stunde mit dem Dinghi den immer flacher werdenden Rio Tambre hoch bis zur kleinen Stadt Noia.

… und Altstadtansicht

Diese war früher mal als Hafenstadt von einiger Bedeutung, kann aber inzwischen durch die immer mehr verschlickende Zufahrt nicht mehr angelaufen werden. Viele der Gebäude aus den ‚besseren Zeiten‘ haben sich aber erhalten, so dass der Spaziergang durch die Altstadt Noias sehr lohnend ist.

Inzwischen ist etwas mehr Wind als vorhergesagt aufgekommen, so dass die Rückfahrt mit dem Dinghi zu einer sehr feuchten Angelegenheit gerät … aber bei 28 Grad muss man wenigstens nicht frieren.

Ankern vor der Isla de Creba

Die Nacht verbringen wir noch vor Freixos, ansonsten scheint der Ort von See aus gesehen aber nicht viel zu bieten zu haben, und so fahren wir am Samstag gleich nach dem Frühstück 2 Seemeilen zurück bis zur Isla de Creba; hinter dieser kleinen Insel haben wir am Vortag auf dem Weg nach Freixos einen sehr hübschen Ankerplatz erspäht, und genau da wollen wir den perfekt warmen und sonnigen Samstag verbringen – wieder sind knapp 30 Grad angesagt, kaum Wind, und keine Wolke am Himmel.

Ría de Arousa
Passage durch den Canal de Sagres

Sonntagmittag verlassen wir den Ankerplatz – es ist etwas Nordwest aufgekommen, und der soll uns in die nächste Ría bringen. Der Wind ist eher schwach, aber das ist auch ganz gut so: in der Einfahrt liegt der Archipiélago de Sálvora, eine Menge kleiner Inseln und Felsen, deren nördliche Umgehung nur bei ruhigem Wetter möglich ist. In Norwegen war es ja nicht ungewöhnlich, auf ein paar Meter ans Land heranzufahren, hier aber fühlt sich die enge Passage ungewohnt an – und gut markiert ist sie auch nicht gerade. Aber Dank der GPS-Navigation ja alles kein Problem mehr, wir kommen also gut in die Ría de Arousa und ankern vorm Strand von Ribeira .

Vor Ribeira – Ankern, wo andere Urlaub machen

Montag ist es flautig, aber noch schönes Wetter; wir besuchen den Ort – der aber außer den üblichen Einrichtungen für den Badetourismus nicht viel hergibt, aber hervorragende Einkaufsmöglichkeiten bietet – und genießen ansonsten das Nichtstun, während wir den Urlaubern am Badestrand bei deren Nichtstun zuschauen. Mit uns ankern noch ein paar internationale Yachten und tun das gleiche … extrem chillig!

Regenwetter über Puerto de Cabo de Cruz

Ab Dienstag verschlechtert sich das Wetter, zunächst noch bei wenig Wind, aber für Mittwoch/Donnerstag ist der Durchzug eines Sturmfront angesagt. Rechtzeitig dazu verholen wir uns Mittwochmorgen in die Marina von Cabo de Cruz. Der Ort ist winzig, aber mit €22 pro Tag liegen wir hier recht günstig und können den ganzen Donnerstag zuschauen und -hören, wie der Regen aufs Deck prasselt und Böen bis 40 Knoten am Rigg zerren – schlechtes Wetter gibt es hier also tatsächlich auch mal! 

Playa Lobeira Grande, Cabo de Cruz

Am Freitag ist das Schlimmste überstanden, es drohen aber immer noch Schauer, und der Südwest erreicht noch seine 20 Knoten; wir verlassen die Marina, umrunden das Cabo de Cruz und finden eine schöne Ankermöglichkeit gleich auf der Ostseite der Halbinsel, geschützt gegen alle westlichen Winde. Hier gefällt es uns gut, es gibt kaum Bebauung, üppiges Grün und einen tollen Strand – ein guter Ort, um hier ganz chillig das Wochenende zu verbringen, es gibt eh kaum Wind zum Segeln (der hat wohl in den Tagen zuvor seine ganze Kraft verausgabt).

In Rianxo

Auch zum Beginn der neuen Woche bleibt das zunächst so; für die Nacht auf Dienstag ist aber kräftigerer Nordost angesagt, da wird unser Strand schnell zu Legerwall … aber in dieser Ría ist der nächste Windschutz nie weit, wir fahren knappe drei Seemeilen nach Nordost und ankern vorm Badestrand von Rianxo. Um den Ort anzuschauen und auch die Frischvorräte zu ergänzen, landen wir mit dem Dinghi am Strand an und laufen in den Ort; allzuviel zu sehen gibt es nicht, aber Rianxo hat einige nette Gassen und Plätze, und vor allem … einen riesengroßen Supermarkt!

Abendstimmung über der Ría de Arousa

Dienstag und Mittwoch bleibt es flautig – und sonnig, natürlich. Wir bleiben einfach vor unserem Strand liegen und lassen es uns gut gehen: dem Treiben am Strand zuschauen, lesen, am Abend grillen und den Abendhimmel betrachten.

Am Donnerstag ist dann aber mal Wind angesagt – Zeit, eine Ría weiterzuziehen! Wir holen nach dem Frühstück den Anker auf und kommen zunächst ganz gut voran, bis uns vor der Illa de Arousa die Mittagsflaute erwischt – und das gründlich: von 12 bis 15 Uhr legen wir kaum einen Meter zurück, zuletzt fahren wir wegen des einsetzenden Flutstroms sogar rückwärts … aber Geduld hilft, auf den Nachmittagswind ist Verlass, und um 17 Uhr rauschen wir mit fast 7 Knoten Fahrt nach Süden. Ein großes Regattafeld kommt uns entgegen, um die 50 Boote zeigen hoch am Wind vollen Einsatz – alle auf Steuerbordbug. So sind wir – auf Backbordbug – eine Stunde gut beschäftigt, unseren Weg so zu legen, dass wir niemanden zum Ausweichen nötigen – wir haben’s ja nicht eilig 😉

Ría de Pontevedra
Halligalli in Sanxenxo …

Gegen 19 Uhr erreichen wir unser Ziel, die Ría de Pontevedra – und erleben erst mal eine Überraschung: dass die südlicheren Rìas belebter seien als die der Nordküste hatten wir ja gelesen und in der Ría de Arousa war auch etwas mehr los, aber das hier spottet jeder Beschreibung: die Küste zwischen Portonovo und Sanxenxo ist mit einer durchgehenden Front vielstöckiger Hotels zugebaut, der Strand vor Menschen und Sonnenschirmen kaum zu sehen; außerhalb der Absperrung des Schwimmbereichs ankern Dutzende Segel- und Motorboote, fahren unzählige Tretboote kreuz und quer, dazwischen paddeln, schwimmen, surfen Menschen … einige fallen sogar an Paraglidern vom Himmel. Und mitten durch dieses Chaos schiebt sich auch noch gemächlich ein riesiger grauer  Kreuzer der Guardia Civil – ob die die Stand-Up-Paddler auf Einhaltung der Ausweichregeln prüfen? Wir sind jedenfalls schwer beeindruckt, suchen uns ein Ankerplätzchen zwischen drei Motorbooten – im Vertrauen darauf, dass diese nicht über Nacht bleiben – und betrachten staunend das Treiben … 

… und Rummel in Portonovo

Den Freitag verbringen wir bei Flaute und Sonnenschein vor dieser Kulisse – nicht wirklich schön, aber irgendwie interessant, das Treiben so aus der See-Perspektive zu betrachten; Samstag kommt aber Südwind auf, da wollen wir lieber in den Hafen des Club Nautico von Portonovo – wo wir allerdings erst mal einige Stunden warten müssen, bis ein Platz frei wird! Ansonsten ist es hier eher noch unruhiger als vorm benachbarten Strand – direkt am Hafen ist eine große Kirmes aufgebaut, und es gibt Party-Musik bis in den frühen Morgen – und Böller natürlich! Uns war das vorher nicht bekannt, aber wenigstens der Nordwestspanier böllert für sein Leben gerne: praktisch täglich zündet jedes Dorf ein minutenlanges Tagfeuerwerk – nix zu sehen, nur schön laut muss es sein! Skurril …

In Combarro

Sonntagmittag nutzen wir den Nordwestwind und lassen und tiefer in die Ría treiben … keine 7 Seemeilen sind es bis Combarro, und doch liegen Welten dazwischen – der kleine Fischerort ist zwar auch in jeder Hinsicht touristisch, jedoch setzt man hier wohl auf eine völlig andere Zielgruppe: die kleinen, alten Granitsteinhäuser sind restauriert worden, in den zum Teil sehr engen Gassen gibt es unzählige kleine Läden, und an der dem Meer zugewandten Seite reiht sich ein Restaurant an das andere, überall duften Fisch und Meeresfrüchte auf den Grills.

Hórreos

Klar, mit Authentizität braucht man hier nicht zu kommen, die T-Shirts mit galizisch-keltischen Motiven sind sicher alle made in China …aber dennoch sind die alten Häuser und Getreidespeicher – die hórreos – einfach schön anzusehen, überall leuchten Blumen und der Duft lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen – wir finden’s hier um Welten besser als Beton-Badeparadies weiter westlich.

Ankern vor Combarro

Das Wetter in dieser Woche erreicht neue Wärmerekorde: täglich steigen die Temperaturen bis über 30 Grad, 13 Stunden steht die Sonne am wolkenlosen Himmel; Wind gibt es auch kaum noch – aber das macht nichts, denn Combarro ist der richtige Ort, um ein paar Tage zu verweilen. Der Ankerplatz direkt vor der historischen Altstadt ist perfekt – und seltsamerweise gehört er uns allein; der Stadthafen hat auch eine Marina (mit 40 € pro Nacht nicht gerade billig) , wo einiges Kommen und Gehen herrscht, aber ankern mag hier außer uns wohl niemand – uns soll’s recht sein.

Üppige Blütenpracht überall – ob’s wohl was mit der Sonne zu tun hat?

So bleiben wir bis zum Freitag, machen noch den ein oder anderen Ausflug in die idyllische Altstadt (die auch eine Quergasse ab von den Souvenierläden überhaupt nicht mehr überfüllt ist) – und wären wahrscheinlich noch länger geblieben, wenn nicht vor dem Hafen (also einen Steinwurf von unserem Ankerplatz entfernt) eine riesige Bühne mit himmelhohen Lautsprechertürmen für ein Festival am Wochenende aufgebaut worden wäre, beim Soundcheck am Donnerstag zitterte schon das ganze Boot. So haben wir uns dann vor die kaum 2 Seemeilen entfernte Isla Tomba verholt – von dort war der Musik am Abend immer noch gut zu folgen 😉

Auch der neue Ankerplatz gefällt uns – die Insel darf zwar nicht betreten werden, da sie Übungsgelände der nahegelegenen Marineakademie ist, daher ist sie aber auch völlig naturbelassen und unbebaut, man schaut auf dichten grünen Wald und weißen Sandstrand. So bleiben wir gerne nochmal bis Sonntag, dann soll es nämlich endlich wieder Wind geben.

Ría de Vigo

So setzen wir also frohen Sinnes am Sonntagmorgen die Segel und lichten den Anker – um nach kaum einer Stunde, noch in Sichtweite der Insel,  in totaler Flaute einzuparken. Okay, der Wind war ja für die See vor der Ría angesagt, motoren wir also bis dahin … und tatsächlich stoppen wir nach einer Stunde den Motor wieder, denn der Wind erreicht fünf Knoten, in Böen auch sechs. Aber von einem Trend kann keine Rede sein – nach 10 Minuten ist es wieder vorbei; doch man soll ja Geduld haben, und siehe da, nach einer halben Stunde kommt wieder ein Windfeld und bringt für einen Augenblick acht Knoten Wind – um genausoschnell wieder einzuschlafen. Das Spiel wiederholen wir für gut vier Stunden und legen dabei etwa zwei Seemeilen zurück – hauptächlich Dank des Ebbstroms, der aus der Ría setzt. Da für den Nachmittag und genau dieses Stück Wasser 15 bis 20 Knoten angesagt sind, dauert es recht lange bis wir aufgeben – und die restlichen 16 Seemeilen bis in die Ría de Vigo motoren. Dort finden wir am Abend noch einen Platz im traditionsreichen Real Club Náutico de Vigo.

Vigo, Altstadt

Montag schauen wir uns Vigo an; die größte Stadt Galiciens hat seit ihrer Gründung durch die Römer viel erlebt – vor allem Überfälle, Plünderungen und Zerstörungen durch so ziemlich jeden, der vorbeigekommen ist – und hat als große Hafenstadt ihren eigenen Charme. Die spätmittelalterliche Stadtbefestigung hat man zwar dummerweise im 19. Jahrhundert abgerissen um Platz für Erweiterungen zu schaffen, aber die Altstadt weist noch viele verwinkelte Sträßchen und tolle Gebäude auf.

Jules Verne war auch mal hier

Am Hafen erinnern Skulpturen an die zahlreichen Emigranten, die vor allem zur Zeit des Bürgerkrieges ihr Land verlassen mussten; außerdem informiert eine Ausstellung über die Bedeutung Vigos in den Zeiten der Telegaphie: hier endeten die ersten transatlantischen Telegraphenkabel, und die  – britischen und deutschen – Betreibergesellschaften unterhielten große Niederlassungen. Über Jahrzehnte führte jede Kommunikation Europas mit Übersee über – Vigo.

Wir fühlen uns recht wohl und laufen stundenlang durch die Stadt, bis wir am späten Nachmittag den Hafen verlassen und uns einen Ankerplatz in der Nähe suchen. Den finden wir zunächst mal direkt gegenüber vorm Strand von Moaña, da aber erst mal tagelang Flaute angesagt ist und wir noch ein wenig mehr von der Ría sehen wollen, verholen wir uns am Mittwoch in die Ensenada de San Simón, eine ausgedehnte, flache Bucht am Ende der Ría, und ankern direkt vor der gleichnamigen Insel.

Ankerplatz vor der Isla de San Simón

Auf dieser stand vor langer Zeit einmal ein Kloster, später wurde sie als Hospital, Waisenhaus und schließlich während der Franco-Diktatur als Konzentrationslager genutzt; heute beherbergt sie ein Dokumentations- und Begegnungszentrum. Um dieses anschauen zu dürfen, müssten wir allerdings mit der ‚Orion‘ aus der Bucht heraus in den nächsten Hafen fahren, um uns von dort mit einem Ausflugsboot wieder zurück bringen zu lassen – etwas umständlich, wenn man 50 Meter vom Ufer entfernt ankert, doch der direkte Zutritt wird uns leider verwehrt. Später taucht dann auch noch ein Filmteam auf, denen wir im Weg sind – schade, der Ausblick vom Boot auf die waldige Insel war wirklich besonders schön!

Ankerbucht vor Moaña

Einen alternativen Ankerplatz in der Ensenada de San Simón finden wir vorm Ort Cobres; hier liegt man nicht schlecht, aber mit dem Platz vor der Insel kann die Aussicht nicht mithalten. Am Samstag verlassen wir daher die Bucht und fahren zurück nach Moaña, denn fürs Wochenende ist starker Wind aus Nordnordost angesagt, und da bietet die Ensenada de San Simón nicht den rechten Schutz. Eigentlich wollten wir am Sonntag für eine Nacht auch in die Marina, aber dort teilt man uns über Funk recht unfreundlich mit, dass die Marina voll sei – obwohl wir ein halbes Dutzend freie Liegeplätze sehen können, die auch über Nacht nicht besetzt werden.

Blick von Cangas über die Ría auf Vigo

Okay, dann eben in den Nachbarort: in der Marina Cangas empfängt man uns freundlich, das Wasser für die Duschen ist ausnahmsweise mal warm, und Landstrom zum Batterieladen gibt’s auch. Der Ort ist wenig spektakulär, aber es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten, alles in allem sind wir zufrieden.

Denkmal am Hafen von Baiona

Dienstagmittag verlassen wir den Hafen und steuern unser letztes Ziel in Galicien an, die Stadt Baiona. Sie erlangte ihren Platz in der Geschichtsschreibung, als hier im März 1493 die ‚Pinta‘ auf dem Rückweg von Kolumbus erster Amerikareise anlandete – von Baiona ging also die Nachricht um die Welt, dass es einen neuen Kontinent gibt. Heute ist es ein tourismusorientierter Ort mit schönen Stränden und einladenden Restaurants in den Gassen der Altstadt.

Wir ankern vor dem Stadtufer und verbringen hier bei Flaute und Sonnenschein unseren letzten Abend in Galicien – für Mittwoch ist Nordwind angekündigt, und da soll es Richtung Portugal gehen. Wir verlassen die Gegend ungern – fast zwei Monate haben wir uns Zeit gelassen, den relativ kurzen Küstenabschnitt kennenzulernen, und in dieser Zeit haben wir das entspannte Segeln, das tolle Wetter und die freundlichen Menschen hier sehr zu schätzen gelernt.

Blick von Baiona über die Islas Cies und das Castelo de Monte Real

 

 

Über die Biskaya (29.06. – 04.07.)

Am Sonntag den 29. Juni verlassen wir gegen Mittag den Hafen von Falmouth – da wir ja an einer Muringboje liegen und der Wind günstig steht, ganz stilvoll ohne Zuhilfenahme des Motors nur unter Segeln, wie es sich für diesen Weltumseglerhafen gehört! Das Wetter ist zumehmend freundlich, es weht ein mäßiger Nordwest, und die ‚Orion‘ macht gute Fahrt unter Vollzeug. Recht bald beibt Lizard Point hinter uns, der südlichste Punkt Großbrittaniens, und vor uns liegen gut 100 Seemeilen offenes Wasser.

Der Wind lässt zum Abend hin nach, bleibt uns aber bei rund 10 Knoten Stärke erhalten – nicht genug für aufregende Geschwindigkeiten, aber in Verbindung mit der recht glatten See sorgt das für eine so ruhige und gleichbleibende Lage des Bootes, dass in der Nacht sogar mal an Schlaf zu denken ist. Aber auch die Wache ist nicht langweilig: der inzwischen komplett klare Himmel bietet einen Blick aufs Firmament, wie man ihn an Land mit all den Lichtern der Umgebung nie zu sehen bekommt – die Milchstraße scheint so nah und plastisch, einfach toll! Und zur Krönung kommen auch noch Delfine zu Besuch – auf einmal hört man das laute Ausatmen noch bevor man sie sieht, und dann schnellen ein gutes Dutzend der anmutigen Tiere durch unsere Bugwelle, scheinen fasziniert von dem intensiven roten und grünen Licht, welches die Positionsleuchten auf das Wasser werfen, und begleiten unsere Fahrt einige Minuten.

Cap de la Chèvre

Am Sonntagmittag kommt Land in Sicht, die bretonische Küste; vorgelagert liegt die Île d’Ouessant, und zwischen dieser und dem Festland befindet sich die Meerenge des Chenal du Four. Nicht überraschenderweise gibt es auch hier wieder starke Gezeitenströme zu berücksichtigen: gegen 16 Uhr, mit Hochwasser Brest, soll der Strom anfangen, gen Süden zu setzen. Wir sind pünktlich da, und freuen uns über 3 Knoten zusätzliche Geschwindigkeit auf dem Weg Richtung Brest.

Abendstimmung vor Morgat

Dieses lassen wir dann jedoch links liegen, unser Ziel ist der kleine Hafen von Morgat auf der Crozon-Halbinsel; diesen erreichen wir gegen 21:30 am Abend, nach 136 zurückgelegten Seemeilen. Wir übernachten an einer Muringboje vor dem feinen Sandstrand und genießen das Abendlicht auf den Felsen.

Gleich am nächsten Morgen verholen wir uns in den Hafen, der einen Schwimmsteg für Gäste aufweist; als erstes gibt es ein frisches Baguette vom örtlichen Bäcker – wenn eines in England gefehlt hat, dann das!

In Crozon

Später wandern wir in den Hauptort Crozon, um Einkäufe zu erledigen; ein netter kleiner Ort mit bretonischem Flair. Am Nachmittag wird die ‚Orion‘ auf die nächste Passage vorbereitet, die Überquerung der Biskaya selbst: Wasser wird aufgefüllt, alles seefest verstaut, und auch das Schlauchboot wird zusammengefaltet, denn es ist durchaus mit etwas ruppigeren Bedingungen zu rechnen. Der Wetterbericht für die nächsten drei Tage verspricht kräftigen Nordostwind der Stärke 5 bis 6, in Böen bis 7. Mal wieder hätten wir auch eine Windstärke weniger genommen, aber stabiler Nordost ist für die Querung der Biskaya einfach perfekt, das kann man sich nicht entgehen lassen – berüchtigt ist das Seegebiet ja vor allem wegen der extremen Wellenhöhen, die enstehen, wenn die Atlantikdünung aus Südwest gegen den aus mehreren 1000 Meter tiefem Wasser schlagartig aufsteigenden Festlandsockel prallt, und das ist bei Nordostwind kein Problem. Also, da müssen wir wohl durch …

Die bretonische Küste bleibt hinter uns zurück

So stehen wir also am Dienstag den 2. früh auf, holen noch eine Wettervorhersage und ein frisches Baguette ein, und verlassen dann den Hafen von Morgat mit Kurs Südsüdwest … wobei, während des ganzen Vormittags führt der Weg erst mal nur nach Westen, man muss nämlich an der Île de Sein und den vorgelagerten Felsen vorbei, bevor man nach Süden abbiegen kann. Der Wind kommt dabei zunächst mäßig aus Nord, frischt aber langsam auf; als wir am späten Mittag den Kurs ändern können, wechseln wir vom Vollzeug auf die beidseits ausgebaumten Vorsegel, um mit dieser ‚Passatbesegelung‘ vor dem Wind in die Biskaya zu fahren.

Abendliche Begegnung mit der Juan Sebastián de Elcano

Der Wind legt auch tatsächlich zum Abend immer mehr zu, so dass wir gute Geschwindigkeiten um die 7 Knoten laufen; da die Wellen auch Höhen von 2-3 Metern erreicht haben und in sehr kurzer Folge auf das Heck gelaufen kommen, rollt die ‚Orion‘ allerdings ganz erbärmlich dabei. An Schlaf ist in der ersten Nacht nicht zu denken …

Eine Abwechslung stellt nach Sonnenuntergang die Begegnung mit der ‚Juan Sebastián de Elcano‘ dar, dem Segelschulschiff der spanischen Marine – dem einzigen anderen Schiff im Umkreis von hundert Meilen, und wir müssen noch den Kurs korrigieren, um nicht zusammenzustoßen … phänomenal.

Zum Morgen hin nimmt der Wind deutlich ab; wir halten dies für einen vorübergehenden Effekt, da die GRIB-Daten für den ganzen Tag konstante 6 Beaufort aus Nordnordost versprechen, und unternehmen erst mal … nichts. Die ‚Orion‘ rollt munter in den immer noch beachtlichen Wellen, und fährt immer langsamer, da der Wind fehlt. Am Nachmittag wird es immer schlimmer, es braucht dringend mehr Tuch … doch selbst die aktuellen Vorhersagen per NAVTEX kündigen immer noch 6 bis 7 Windstärken mit Böen bis Stärke 9 für die Nacht an – will man da mit Vollzeug reinfahren? Es beginnt also ein beispielloses Segelwechsel-Training: Vorsegelbäume bergen, Groß mit Bullenstander setzen; der Wind legt zu, Groß reffen; der Wind nimmt wieder ab, Groß ausreffen; der Wind kommt zurück, Groß wieder reffen; er lässt wieder nach, ausreffen und Klüver wieder ausbaumen. Nach einigen Stunden unterhaltsamer Bordgymnastik (nicht zu vergessen, das Boot rollt bei all dem wie wild!) zwischen Sorge vor dem Sturm und Kampf mit der Flaute weiß die jüngste NAVTEX-Vorhersage nichts mehr von 9er Böen … also, Klüver ausgebaumt, zur Sicherheit ein Reff ins Groß und Bullenstander gesetzt (alles unter heftigen Verwünschungen auf alle Wetterpropheten dieser Welt, versteht sich), und dabei bleibt es jetzt für die Nacht, komme da was wolle!

Die galizische Küste empfängt uns nebelverhangen

Und es kommt tatsächlich, aber nicht mehr, als die sehr stabile ‚Orion‘ verkraften kann; bis 25 Knoten steigt der mittlere Wind, eine gute Stärke 6, und das Boot rauscht auf raumem Kurs nur so durch die Nacht; zum Morgen wird es aber schon wieder weniger, und nach Sonnenaufgang schütteln wir das Reff aus dem Großsegel und fahren den Rest des Tages mit angenehmen Kurs zum Wind und guter Geschwindigkeit weiter. Erst am späten Nachmittag verlässt uns der Wind dann ganz, so dass wir die letzten zwei Stunden motoren müssen. Als endlich Land in Sicht kommt, meinen wir uns verfahren zu haben: grüne Wälder über schroffen Felsen, alles in Regen und Nebel verhangen: sind wir etwa in Norwegen gelandet? Aber gegen 19 Uhr erreichen wir den Hafen von Viveiro in der gleichnamigen Ría, wo wir nach 325 Seemeilen und 59 Stunden festmachen und feststellen: wir sind in Spanien!

Durch den Ärmelkanal (28.05. – 29.06.)

Gravelines

Dienstagmittag verlassen wir Nieuwpoort und damit Belgien, um hoch am Wind weiter Richtung Westen zu segeln: Frankreich ist das Tagesziel. Der erste französische Hafen ist Dunkerque (deutsch Dünkirchen), was uns aber als großer Industriehafen einerseits und wegen seiner völligen Zerstörung im 2. Weltkrieg andererseits nicht so attraktiv erscheint; lieber segeln wir noch ein Stück weiter in die Kleinstadt Gravelines.

Dafür hat dieser kleine Hafen so seine Tücken bei der Ansteuerung: als wir versuchen, zwei Stunden vor Hochwasser durch den Zufahrtkanal zu motoren, ist 50 Meter nach den Molenköpfen Schluss: die ‚Orion‘ sitzt sanft rumpelnd auf Sand. Nach den Tidenberechnungen hätte es eigentlich schon passen sollen, aber was hilft’s, wir setzen zurück und dümpeln eine Stunde dumm vor der Einfahrt herum. Beim zweiten Versuch fahren wir vielleicht 10 Meter östlich des ersten Versuchs – und sehen nie weniger als 4 Meter Wassertiefe, obwohl die Flut in der Stunde maximal einen Meter gestiegen sein kann. Glückwunsch, wir haben den einzigen Sandhaufen in der gesamten Zufahrt gefunden …

Im Arsenal der Stadtbefestigung von Gravelines

Nach einer halben Stunde Kanalfahrt und Überwindung eines Sieltores erreichen wir dann den ‚Port de Plaisance‘ in Gravelines. In den nächsten Tagen ist noch stärkerer Gegenwind angesagt, so bleibt genug Zeit den Ort anzuschauen.

Bemerkenswert ist vor allem die gut erhaltene Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert: sternförmig umgeben Mauern, Wälle und Wassergräben die Altstadt. Die eigentliche Attraktion ist aber der dadurch in der Stadt entstehende Naturraum: die Wälle sind ein Meer blühender Wildblumen, große Weiden säumen die still daliegenden Gräben und verströmen eine träumerische Ruhe; der (noch) wolkenlos blaue Himmel trägt natürlich auch zum positiven Eindruck bei.

Köstlich: Pâtisseriewaren aus Gravelines

Ein weiterer Aspekt, der uns sehr zusagt, sind die kulinarischen Vorzüge: gleich am Yachthafen finden wir einen französischen Lidl. Alles wie zu Hause, denkt man, aber von wegen: selbst der Discounter  bietet ein Baguette zum Frühstück, wie man es bei uns vergeblich zu kaufen sucht, eine gewaltige Frischfischauswahl, ein umfangreiches Angebot guter Weine und überhaupt viele kleine Leckereien. Noch viel besser kommt es aber in der Stadt: wir entdecken eine kleine Pâtisserie, die verführerische Kunstwerke verkauft – und das nicht teurer als bei uns das Stück Blechkuchen. Hier kann man es aushalten!

Calais

Am Freitag hat der Gegenwind auf eine angenehme Stärke von um die 4 Beaufort nachgelassen, und die Sonne scheint auch noch, also geht es weiter; leider können wir Gravelines nur um Hochwasser verlassen, und dann hat man noch Stunden den Strom gegenan auf dem Weg nach Westen, aber was hilft’s – einige Kreuzschläge machen aus 13 Seemeilen auf der Karte mal eben 23 durchs Wasser, aber die Marina in Calais liegt hinter einer Brücke, die frühestens 2 Stunden vorm nächsten Hochwasser wieder öffnet, also hat es eh keinen Sinn sich zu beeilen. Wir erreichen Calais gegen 17:30 und warten noch 4 Stunden an einer Boje, bis die Brücke öffnet; dabei legen gegenüber die großen Englandfähren quasi im Fünfminutentakt an und ab .

Calais, Tour du Guet (1214)

Die Marina in Calais besticht zunächst mal dadurch, dass sie den bislang von Scheveningen gehaltenen Preisrekord bricht – € 32,60 sind hier fällig. Schade, dass man dafür bei der abendlichen Ankunft noch nicht mal eine Chance hat, an den Code für die Duschen zu kommen und diese so auch zu benutzen …

Da auch hier die Weiterfahrt tidenbedingt erst am nächsten Nachmittag stattfinden kann, bleibt genug Zeit noch durch die Altstadt zu flanieren; obwohl Calais eine lange Geschichte vorzuweisen hat, ist hier leider nicht mehr so viel davon zu sehen, lediglich ein paar alte Gebäude haben die Kriegszerstörungen überlebt. Wir finden aber einen lebendigen Wochenmarkt mit großem Angebot, das entschädigt etwas.

Boulogne-sur-Mer

Am Samstag stehen die Zeichen auf Flaute – wir fahren dennoch los, denn Flaute ist immer noch besser als starker Gegenwind, und den soll es einen Tag später geben. Außerdem ist es mit 23 Seemeilen nicht so weit bis Boulogne-sur-Mer, das richtet der Strom schon fast von selbst …

Cap Gris-Nez

So kommt es dann auch: der Wind weht nicht einmal stark genug um eine Richtung zu bestimmen, und während der Motor gerade mal eingekuppelt ist, fährt die ‚Orion‘ mit über 5 Knoten über Grund. Wir runden dabei das erste Kap dieser Reise, Cap Gris-Nez, welches gleichzeitig die engste Stelle der Straße von Dover markiert: hier befindet sich England nur 33 Kilometer vom europäischen Festland entfernt. Der Tidenstrom erreicht hier 3-4 Knoten bei geringen Wassertiefen – bei der heutigen Flaute können wir dicht unter Land fahren, aber was hier bei Starkwind gegen Strom los ist mag man sich gar nicht vorstellen …

Boulogne, Château d’Aumont (1231) und Notre-Dame-Basilika

So treiben wir also – endlich mal bei sommerlichen Temperaturen – nach Boulogne-sur-Mer, wo wir im recht gut gefüllten Stadthafen (Samstagabend!) noch einen Platz im Päckchen bekommen.
Da am Sonntag der angekündigte frische Südwest weht, bleiben wir im Hafen und schauen uns die Stadt an. Diese hat schon viel erlebt: schon in keltischer Zeit war hier ein Fischerdorf, die Römer haben dann auf dem Hügel die Stadt gegründet – nicht zuletzt, um von hier England zu erobern. Das hatte erheblich später dann auch Napoleon noch einmal vor, allerdings wurde daraus nichts mehr.
Heute findet man unten am Hafen eine eher moderne Innenstadt vor, oben auf dem Hügel aber findet man noch die – gut erhaltene – befestigte Anlage aus dem 13. Jahrhundert, in deren Straßen heute unzählige Restaurants und Cafés auf ihre Gäste warten.

Dieppe

Am Montag weht der Gegenwind mal wieder schwächer, also machen wir uns auf den Weg nach Dieppe; um die 55 Seemeilen geht es nach Südwesten, was sich nicht furchtbar viel anhört – es sei denn, man hat eine volle Tide mit bis zu 3 Knoten Strom gegenan. So ist am Nachmittag, als der Wind langsam einschläft und der Strom endlich dreht, kaum ein Drittel der Strecke geschafft; für den Rest läuft der Motor, bis wir nach Mitternacht endlich am Gästeponton festmachen.

Dieppe, Stadt zwischen Meer und Kreidefelsen

Dienstagmorgen ist das Wetter viel unfreundlicher geworden, schwarze Wolken drohen mit Regen; wir schauen uns schnell die Stadt an, bevor dieser dann wirklich einsetzt.
Durch einen natürlichen Tiefwasserzugang zum perfekten Hafenstandort prädestiniert, ist Dieppe seit langer Zeit ein wichtiger Hafen gewesen; nach einer der (zahlreichen) Zerstörungen wurde die Stadt ab 1694 neu aufgebaut, was sich im barocken Stil der Architektur zeigt. Zu beiden Seiten der ebenen Fläche um den Hafen erheben sich weiße Kreidefelsen zum Meer hin, von denen aus seit dem 12. Jahrhundert eine Burg über die Stadt wacht (das heutige Gemäuer seit 1435).

Château de Dieppe

In der Vergangenheit hat Dieppe zahlreiche Künstler angezogen: Impressionisten wie Pissarro und Delacroix verewigten das besondere Licht in der Region in ihren Bildern; aber auch den erholungssuchenden Städter zog es hierhin, Dieppe wurde im 19. Jahrhundert das erste Seebad Frankreichs.
Heute prägen eine belebte Einkaufsstraße mit Markt, mehrere Kirchen mit aufwendigen Sandsteinfassaden – die leider von den Einflüssen der Zeit und der Umweltverschmutzung zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen sind – und die vielen alten Häuser das Stadtbild. Anders als in Boulogne, wo die neuzeitliche Innenstadt separat vom historischen Stadtkern lag und dieser eher Museumscharakter hatte, ist hier alles noch ganz normal im Gebrauch; dadurch ist es hier lauter und auch durchaus etwas heruntergekommen, aber dafür auch authentischer.

Fécamp

Im Laufe der Nacht zieht der Regen durch, und der Mittwochmorgen erscheint erst mal freundlich; leider ist es aber nicht möglich, auch loszufahren bevor der nächste Regen droht, die Tide steht nämlich wie immer dagegen. Erst um 14:30, als der Himmel sich wieder zugezogen hat, können wir bei Hochwasser losfahren; Wind weht kaum noch, und so motoren wir – vom Tidenstrom angeschoben – gut 30 Seemeilen nach Fécamp, während es immer mal wieder regnet. Ensprechend kommen wir bei Niedrigwasser an, und es ist schon etwas unheimlich, mit wenig Wasser unterm Kiel in die Hafeneinfahrt zu steuern, während links und rechts dunkle, algenbewachsene Mauern fast auf Masthöhe aufragen …

In der Abteikirche Sainte-Trinité

Wieder ist es am nächsten Morgen freundlicher, und da sich der Abfahrtszeitpunkt tidenbedingt immer mehr nach hinten schiebt, bleibt viel Zeit für einen Stadtrundgang.
Fécamp ist nicht sehr groß, hat aber einiges zu bieten: seit dem 7. Jahrhundert Standort eines Klosters, erlangte dieses mehr und mehr an Bedeutung, besonders nachdem die Mönche Wilhelm den Eroberer bei der Schlacht von Hastings 1066 unterstützt hatten, die diesem die Krone von England brachte – und den Mönchen reiche Schenkungen. 

Das Palais Bénédictine

Auch auf die Mönche zurück geht das berühmteste Produkt Fécamps: der Bénédictine-Likör. Seinem Hersteller brachte er solchen Reichtum ein, dass er – als etwas abenteuerliche Mischung aus Produktionsstätte und Museum und unter ebenso abenteuerlicher Vermengung verschiedener Baustile – 1898 das Palais Bénédictine errichten lassen konnte, welches auch heute noch im Besitz der Brennerei ist und besichtigt werden kann.

Hafeneinfahrt, Seepromenade und (Kiesel-)Strand von Fécamp

Das Wetter macht einen prachtvollen Eindruck, als wir am späten Mittag wieder an Bord kommen, doch das täuscht: die Vorhersagen kündigen einen schweren Sturm am Freitag und Samstag an; wir verlassen also noch am Nachmittag Fécamp, um mit der Tide bis zur Seinemündung zu kommen und dort in Honfleur den Sturm abzuwettern.

Honfleur
Cap d’Antifer

Der Plan gelingt auch ganz gut; zunächst scheint noch die Sonne, während die Kalksteinküste vorbeizieht – so sieht sie doch gleich ganz anders aus als im einheitlichen Grau. Als wir uns aber der Seinemündung nähern, bauen sich im Südwesten bereits tiefschwarze Wolkentürme auf. Die Tidenberechnung passt, und die letzten 10 Meilen spült uns die Flut bis in die Schleuse von Honfleur, die wir um 23 Uhr passieren. Kurz danach beginnt es auch zu regnen, und der Wind legt die ganze Nacht beständig zu; den ganzen Freitag regnet und stürmt es, kein Wetter, um das Boot zu verlassen.

Anders aber am Samstag: der Wind hat nachgelassen, die Sonne schaut häufiger mal zwischen den Wolken hervor,  und wir können uns endlich Honfleur anschauen. Der kleine Ort hat rund 8000 Einwohner – und gefühlt doppelt so viele Touristen, die sich die Zeugnisse seiner tausendjährigen Geschichte anschauen wollen. Draußen auf der Seine gibt es einen eigenen Anleger für Kreuzfahrtschiffe, und die Straßen wimmeln vor – vor allem asiatischen – Gästen.
Der Ansturm ist aber durchaus nachvollziehbar: hier scheint die Zeit wirklich stehengeblieben zu sein, das alte Hafenbecken ist umgeben mit jahrhundertealten Häusern, die engen Gassen sind wirklich sehr malerisch, auch die unzähligen Restaurants und Läden fügen sich tatsächlich durchaus gut ein. Besonders außergewöhnlich ist die Kirche Sainte-Catherine: sie wurde im 15. Jahrhundert von Schiffszimmerleuten erbaut – ganz aus Holz. Uns erinnert sie ein wenig an die Stabkirchen in Norwegen …
Berühmte Söhne der Stadt sind Erik Satie und Eugène Boudin; letzterer und viele andere Maler haben in der Stadt gearbeitet, die als eine der Geburtsstätten des Impressionismus gilt.

Sonnenuntergang auf der Baie de Seine

Als wir am Pfingstsonntag Honfleur verlassen wollen, müssen wir eine ganze Weile vor der Schleuse warten; wie es sich für einen Ort mit maritimer Tradition gehört, findet die Pfingstprozession hier auf dem Wasser statt: sicher 100 Fischer und Freizeitboote kommen uns – mit zahlreichen Wimpeln geschmückt – entgegen.
Aufgrund der Tide ist mal wieder eine Nachtfahrt angesagt: da man Honfleur nur mit ablaufendem Wasser verlassen kann, kommen die nähergelegenen Häfen als Ziel nicht in Frage, da diese alle trockenfallen und somit nur bei Hochwasser anzusteuern sind. Nächster passender Hafen ist

Saint-Vaast-La-Hougue

auf der Halbinsel Cotenin, also einmal über die Bucht der Seine, gut 60 Seemeilen. Gleich nach dem Verlassen der Seinemündung queren wir dabei den Nullmeridian, die GPS-Anzeige springt von Ost auf West um – doch ein besonderer Moment, wenn es auch nicht der Äquator ist 🙂
Glücklicherweise hält der Wind auch mal über Nacht durch, so dass wir praktisch die ganze Strecke segeln können und gegen 7 Uhr am nächsten Morgen unser Ziel erreichen. 

Saint-Vaast-La-Hougue ist ein kleiner Fischerort mit einer großen Marina. Spektakuläres gibt es hier nicht, aber der Ort macht einen freundlichen Eindruck; auffällig sind die vielen Gebäude aus großen, kaum behauenen Natursteinen: geologisch unterscheidet sich die Küste hier stark von der restlichen Normandie und ähnelt eher schon der Bretagne, statt des ansonsten allgegenwärtigen Kalksteins gibt es hier ‚richtige‘ Felsen.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter – ganz langsam schiebt sich das Vormittagshochwasser weiter und lässt es weniger schlimm erscheinen, in aller Frühe aufzubrechen als mitten in der Nacht anzukommen. Es bleibt aber festzuhalten, dass man bei einer Kanalquerung von Osten nach Westen vorher auf die Tidenzeit achten sollte, denn da man mit dem Vorrücken nach Westen die tägliche Verschiebung der Tide in etwa kompensiert, kann man wochenlang vor dem Problem ungünstiger Tageszeiten stehen – so wie wir.

Es hat kaum 10 Grad so früh am Morgen; aber dafür ist der Wind mal günstig, es regnet nicht, und der Strom schiebt auch von Anfang an kräftig mit. Dies steigert sich immer mehr, bis wir an der Nordostspitze der Cotenin-Halbinsel mit dem ‚Raz de Barfleur‘ dem ersten richtigen Race begegnen – Races sind die Meerengen, in denen die Gezeiten extreme Strom- und Seeverhältnisse erzeugen können. Da die Bedingungen ganz ruhig sind, trauen wir uns näher ran – und staunen nicht schlecht: quer vor der ‚Orion‘ liegt auf einmal eine Wand weißer Brandung! Ein zweiter (und dritter ) Blick auf die Seekarte bestätigt es: nein, da sind keine Untiefen. Also müssen wir da durch … der Strom steigt auf über 4 Knoten, die Wellenhöhe auf locker 2 Meter (während es 5 Minuten vorher kaum 20 Zentimeter waren), und die 12 Tonnen der ‚Orion‘ werden wie Spielzeug hin- und hergeworfen – unheimlich! Aber nach wenigen 100 Metern wird es schon deutlich besser, und ganz allmählich werden auch die Wellen wieder niedriger. Das Erlebnis genügt aber, unseren Respekt vor diesem Phänomen noch mehr zu erhöhen …

Cherbourg
Napoléon zu Pferde, im Hintergrund die Basilique Sainte-Trinité

Dank Strom und Wind erreichen wir noch vor 12 Uhr nach 29 Seemeilen das Tagesziel Cherbourg; auffällig ist schon bei der Annäherung die gewaltige Außenmole (tatsächlich die zweitgrößte der Welt), die sich kilometerlang in die See erstreckt. Dieses Mammutprojekt wurde schon 1783 unter Louis XVI. begonnen und erst 70 Jahre später unter Napoléon III. vollendet – und hat damit ein Königreich, zwei Kaiserreiche und zwei Republiken erlebt, eine zweifellos sehr abwechslungsreiche Episode der französischen Geschichte.

Die Marina Port Chantereyne

Der Hafen bestimmt auch die Stadt Cherbourg: es gibt eine große Marinebasis, ein Fährterminal und den mit 1560 (!) Liegeplätzen größten Yachthafen an der ganzen Kanalküste. Der Rest der 80.000-Einwohner-Stadt beeindruckt eher nicht so, es gibt die üblichen Einkaufsstraßen und ein paar schöne, alte Gebäude, aber kein durchgehend historisches Stadtbild – hier ist wohl zu viel im Krieg, als Cherbourg nach der Landung der Alliierten in der Normandie hart umkämpft war, zerstört worden.

Alderney
Alderney, Braye Harbour

Mittwoch geht es gleich weiter, mal wieder in aller Frühe: diesmal sind es das Cap de la Hague und das anschließende Alderney Race, die zur richtigen Zeit passiert werden wollen. Da Alderney – als britischer Kronbesitz – auch in der Zeitzone 0 liegt, kommen wir schon um 9 Uhr Ortszeit dort an, nachdem wir wieder im Bereich des Kaps durch recht rauhe See gefahren sind. 
Eine Marina mit Schwimmstegen sucht man hier vergeblich, der einzige Hafen verfügt nur über eine Schutzmole und eine Menge Muringbojen; beim Einlaufen kommt auch schon der freundliche Hafenmeister angefahren, überreicht die Einklarierungsformulare und kassiert das Liegegeld (20 Pfund pro Tag).

Da das Wetter erst mal recht unfreundlich bleibt und wir uns die Insel auch richtig anschauen wollen, bleiben wir vorerst hier; Donnerstag kommt die Sonne kaum heraus, aber es bleibt wenigstens halbwegs trocken, und am Freitag ist es sogar freundlicher, so dass wir zwei ausgedehnte Inselwanderungen machen – endlich mal wieder richtiger Landgang!

Was wir sehen gefällt uns richtig gut: Alderney hat einen kleinen Ort mit hübschen alten Häusern, in denen sich einladende Geschäfte und Tea Rooms verbergen, und eine dekorative Kirche inmitten eines Friedhofs mit beeindruckenden alten Grabsteinen aus den vergangenen Jahrhunderten. Die Küste rundum ist felsig und schließt viele kleine Buchten mit weiß leuchtenden Sandstränden ein; auf den Klippen stehen etliche große Befestigungsanlagen aus viktorianischer Zeit (mit einigen weniger dekorativen Ergänzungen aus der Zeit der deutschen Besatzung). Besonders erwähnenswert sind aber die bunt leuchtenden, ungewöhnlichen Blumen, die – geschützt zwischen den von der Sonne aufgewärmten Felsen – in unglaublicher Pracht gedeihen. Ein besonderer Ort!

Alderney-Panorama mit Leuchtturm
Weymouth

Obwohl uns Alderney so gut gefällt wollen wir nach drei Tagen dann auch mal weiter; beim anhaltenden Südwestwind bleibt kaum etwas anderes, als zur Südküste Englands überzusetzen. Die Wetteraussichten sind wenig erbaulich, es soll mit 5 bis 6 Beaufort wehen und dabei kräftig regnen.

Weymouth Beach

Tatsächlich wird es dann aber besser als erwartet: der Wind kommt sehr südlich und überschreitet selten die 25 Knoten, und es regnet auch nur ab und an mal; am Nachmittag kommt sogar die Sonne raus. Allein die Wellenhöhe ist – wohl bedingt durch die starken Gezeitenströme – ganz beachtlich, die ‚Orion‘ wird mal wieder richtig durchgeschüttelt. Wir queren die Hauptschiffahrtslinie durch den Kanal, lassen die Insel Portland und das berüchtigte ‚Portland Race‘ an Backbord liegen und erreichen schließlich – pünktlich zum Abendhochwasser –  Weymouth; wir melden uns über UKW beim Hafenmeister an und bekommen einen Liegeplatz im Stadthafen zugewiesen, mitten unter Cafés, Pubs und Fish&Chips-Buden.

Queen Victoria’s Jubilee Clock

Da am Sonntag der Südwestwind noch mehr zulegt, bleiben wir auch einen Tag und schauen uns die Stadt an; Weymouth ist eines der beliebtesten Seebäder Englands und verfügt über einen langgestreckten Strand vor der Stadt. Es stellt sich uns zunächst die Frage wer sich denn bei einladenden Lufttemperaturen von um die 15 Grad wohl in die erfrischenden Fluten stürzen mag … niemand, natürlich; aber es gibt reichlich Alternativprogramm: buchstäblich alle 20 Meter steht ein Kiosk an der Promenade, der Getränke, Fish&Chips und Eis anbietet, davor verlocken diverse Karussells die Kinder, und Eselreiten am Strand gibt es auch – ein englisches Seebad wie aus dem Bilderbuch der Klischees! Es ist alles nicht besonders schick, hier macht eher die working class Urlaub, aber wir finden es ganz sympathisch. 

Lyme Regis
Aufgewühlte See vor Portland Bill Lighthouse

Montag geht’s weiter, wir wollen nach Westen in die Lyme Bay, und dazu gilt es zunächst die Halbinsel Portland zu umrunden, die sich weit gen Süden in den Kanal erstreckt; Problem dabei ist mal wieder der extreme Gezeitenstrom, der vor der Landspitze als ‚Portland Race‘ Angst und Schrecken verbreitet. Der Wind bläst gerade mal mit 4 Beaufort aus Südwest, und wir haben den Zeitpunkt so gewählt, dass wir gerade bei Stillwasser in den Bereich des Races kommen; aber das Stillwasser währt hier nur einen Augenblick, und 20 Minuten später sehen wir uns schon mit über 4 Knoten Strom um Portland gespült werden, während sich aus dem Nichts eine kurze, steile See aufbaut. Eine halbe Stunde später ist es auch wieder gut, aber mal wieder haben wir einen Eindruck davon bekommen, wie an solchen Orten bei Sturm gegen 10 Knoten Strom das Tor zur Hölle öffnen kann …

Die ‚Orion‘ vor Lyme Regis

Einige Stunden später erreichen wir Lyme Regis ; der kleine Ort verfügt über keinen für die ‚Orion‘ geeigneten Hafen, statt dessen gibt es einige Muringbojen für Gäste vor dem Strand, eine recht schaukelige Angelegenheit.

The Cobb, Lyme Regis

Der Ort ist freundlich, aber nicht unbedingt spektakulär, und weist die bereits bei Weymouth beschriebenen Charakteristika des englischen Seebads auf, nur alles ein wenig kleiner und beschaulicher; berühmt ist vor allem die alte Hafenmauer ‚The Cobb‘, die in Jane Austens Roman ‚Überredung‘ eine Rolle spielt, außerdem im Film ‚The French Lieutenant’s Woman‘ mit Meryl Streep.

Versteinerter Ammonit

Von viel früher her rührt die eigentliche Attraktion der gesamten Gegend: an dem als ‚Jurassic Coast‘ bekannten Küstenabschnitt wurden sowohl sehr viele als auch sehr spektakuläre Fossilienfunde gemacht. Wir suchen natürlich auch die Steilküste ab, finden zwar keinen Dinosaurier, freuen uns aber schon sehr über die unzähligen Ammonitenabdrücke, die stellenweise die Felsen geradzu überziehen!

Teignmouth

Mittwoch folgen wir dann weitere 25 Seemeilen der Lyme Bay Richtung Westen – leider unter Motor, Wind gibt es so gut wie keinen. Da die Maschine aber seit der Seine-Mündung kaum mehr gelaufen ist kann man eigentlich nicht klagen … eher schon über die anderen Aspekte des Wetters, es ist mal wieder grau und regnerisch, und die Mittagstemperaturen erreichen kaum 15 Grad. Gegen Abend, als wir mit dem Hochwasser unser Ziel erreichen, reißt der Himmel endlich mal auf, und bis zum Sonnenuntergang ist der Himmel blau; am nächsten Morgen aber ist es wie immer grau und regnerisch.

Teignmouth, Seepromenade

Der Hafen von Teignmouth liegt geschützt in der Mündung des Flusses Teign; hier gibt es nicht nur den Sportboothafen in Form eines Bojenfeldes und schwimmender Pontons, sondern auch noch Kaianlagen für den Frachtumschlag – beachtlich, wenn man sich die Dimensionen und Wassertiefen der Einfahrt anschaut. Ansonsten die üblichen Merkmale eines Badeortes (Fish&Chips-Buden, Spielhalle, Pier), aber auch viele wirklich einladend gestaltete kleine Geschäfte an der Einkaufsstraße.

Für Segler ist noch erwähnenswert, dass von hier 1968 Donald Crowhurst mit seinem Trimaran ‚Teignmouth Electron‘ zur Teilnahme am ersten Golden-Globe-Rennen aufbrach – und bekanntlich nie wiederkehrte.

Dartmouth
Kingswear Castle

Am nächsten Morgen ist das Wetter unverändert veränderlich: wir unternehmen noch einen Rundgang durch Teignmouth, bei dem wir eine erfrischende Dusche abbekommen. Gegen Mittag stabilisiert es sich aber etwas, und wir machen uns wieder auf den Weg. Tagesziel ist Dartmouth, ein sehr traditionsreicher Hafen im River Dart. Von See kommend ist die Mündung kaum zu erkennen, zu beiden Seiten erstrecken sich dicht bewaldete Hügel; man passiert das um 1500 erbaute Kingswear Castle, welches die Flussmündung bewacht, folgt dem Fluss um eine Kurve, und sieht an den Ufern des Flusses und den Hügeln darüber die Stadt vor sich liegen.

Dartmouth

Der perfekten Lage verdankt der Ort seine lange Seefahrtstradition: von hier brachen die Ritter 1147 und 1190 zu den Kreuzzügen auf, die Pilgerväter machten 1620 mit der ‚Mayflower‘ auf dem Weg nach Amerika Station, und seit dem 14. Jahrhundert ist Dartmouth Stützpunkt der Royal Navy. Heute gibt es noch die Marineoffiziersschule, ansonsten ist Dartmouth fest in der Hand der Freizeitkapitäne: zu beiden Seiten des Flusses und auch mitten darin erstrecken sich unzählige Steganlagen und Muringbojenfelder. Wir finden wieder Platz an einem frei schwimmenden Besucherponton direkt vor der Stadt, mit dem Dinghi ist man in einer Minute an der Kaimauer.

Am Freitag ist Mittsommer, und endlich scheint das Wetter das auch mal zu berücksichtigen: den ganzen Tag strahlt die Sonne am blauen Himmel. Wir beschließen, den Tag in Dartmouth zu bleiben und laufen den ganzen Tag durch die Stadt. Zu sehen gibt es genug: verwinkelte Gassen, unzählige schöne, historische Gebäude, viele einladende Geschäfte – Dartmouth ist der bislang schönste Stopp unserer Reise entlang der südenglischen Küste!

Salcombe
Start Point

Am Samstagnachmittag ziehen wir dann bei (noch) schönem Wetter weiter – es gibt ungewöhnlicherweise mal Ostwind, das muss man nutzen, und zwar zur Rundung den nächsten Kaps, Start Point. Seit alter Zeit ist diese markante Felsformation ein Orientierungspunkt für die Schiffahrt – und auch das Ende vieler Reisen, denn unzählige Wracks liegen hier auf dem Meeresgrund. Seit 1836 warnt das ‚Start Point Lighthouse‘ vor der Gefahr.

Unter zunehmend bedecktem Himmel und mehr Wind erreichen wir Salcombe, ebenfalls in einer geschützten Bucht gelegen; hier ist es ganz schön voll, die Boote liegen teilweise zu zweit an den Murings. Der Ort ist recht klein, und im Vergleich zu Dartmouth verstehen wir nicht ganz, was die ganzen Leute hier wollen; es mag aber auch am inzwischen wieder vollständig grauen Himmel und dem kalten Wind liegen, dass wir nicht so recht warm mit Salcombe werden.

River Yealm
Muringfeld im River Yealm, im Hintergrund Newton Ferrers

Am nächsten Vormittag schüttet es wieder aus Kübeln – wir lassen das Regenwetter erst mal durchziehen, denn auch heute ist es nicht weit bis zum nächsten Ziel: in der Mündung des Flusses Yealm gibt es zahlreiche Murings für Besucher. Und Besucher gibt es auch viele: Plymouth ist nur 7 Seemeilen entfernt, und der landschaftlich äußerst reizvoll gelegene Fluss ist natürlich ein beliebtes Ziel bei den Seglern aus der Großstadt. Wir bekommen gerade noch einen Platz am (frei schwimmenden) Besucherponton und beschließen gleich, auch den nächsten Tag hier zu verbringen und die Gegend zu erkunden.

Auf dem Coastal Path

Die Umgebung ist wirklich schön: eingebettet in grün bewaldete Hügel windet sich der Fluss, mit dem kleinen Dorf Newton Ferrers am Hang; dort kann man mit dem Dinghi anlanden und über die Hügel zur Küste wandern, wo sich ein durchgehender Fernwanderweg, der Coastal Path, an der ganzen englischen Südwestküste entlangzieht. Die Ausblicke sind phantastisch (auch wenn das Wetter gerade mal soweit mitspielt dass es nicht regnet): grüne Hügel und schroffe, von der Brandung umspielte Klippen so weit das Auge reicht, eine Landschaft wie aus dem TV-Melodram.

Plymouth

Wie gesagt ist es nach Plymouth nicht weit, und so machen wir am Dienstag den 25. erst mal dort in einer der zahlreichen Marinas Station – nach 8 Tagen an Murings und Schwimmpontons braucht das Boot mal wieder einen Landstromanschluss und Frischwasser, und die Crew eine Dusche. Wir haben die billigste Marina ausgesucht, und selbst dort schlägt die ‚Orion‘ mit gut 40 Pfund zu Buche – die Muringbojen kosten immer rund die Hälfte.

Die Stadt weist eine lange Seefahrttradition auf: von hier brachen Francis Drake und James Cook zu ihren Reisen auf, genauso wie Charles Darwin und Francis Chichester zu seiner Weltumsegelung. Auch die königlich-britische Marinewerft hat hier ihren Standort – gleich vor dem Hafen fahren wir erst mal an einem knapp 300 Meter langen Flugzeugträger vorbei.

Die nach dem Krieg neu aufgebaute Innenstadt ist eher unspektakulär – die übliche Fussgängerzone mit unzähligen Geschäften wie in jeder Großstadt; bemerkenswert ist lediglich die Breite der Hauptachse, die kleine Grünanlagen ermöglicht, welche die städtische Hektik wohltuend unterbrechen. Sehenswerter ist des Viertel um den alten Hafen, wo sich viele schöne, alte Häuser und enge Gassen finden, sowie die große Parkanlage zur Seefront – dort gibt es sogar ein 1935 im Art-déco-Stil erbautes Seewasser-Freibad.

Fowey

Für Mittwochmittag ist ein Wetterumschwung angesagt: ab Mittag soll immer stärker werdender Ostwind einsetzen und der Himmel aufreißen; wir verlassen gegen 12 Uhr Plymouth, und tatsächlich dauert es nicht mehr lange, und die Wolken verschwinden. Der frische Ostwind trägt uns gut 20 Seemeilen weiter nach Westen bis nach Fowey in Cornwall; der Ort liegt am steilen Hang über der Mündung des gleichnamigen Flusses und bietet einen tidenunabhängig anzulaufenden Hafen.

Mündung des Fowey River mit Fowey

Wir finden einen Platz am Schwimmponton gegenüber des Ortes und genießen den Sonnenuntergang – bei wolkenlos blauem Himmel fühlt es sich endlich mal richtig sommerlich an!

St. Fimbarrus Church, Fowey

Am Donnerstag bleibt es schön, aber der Ostwind bläst inzwischen mit 30 bis 40 Knoten – eine gute Gelegenheit, sich den Ort näher anzuschauen. Dieser wird bis heute – wie hier im englischen Südwesten am Kanal üblich – von seiner Seefahrtstradition bestimmt; diese umfasst allerdings auch weniger rühmliche Episoden: im 15. Jahrhundert war Fowey als das übelste Piratennest Europas verschrien.

Fowey, am Hafen

Zweifellos hat diese Tätigkeit Geld und Leben in die Stadt gebracht, so dass man noch heute viele urige Gebäude und Gassen bewundern kann.

Nicht nur der Ort, auch die Umgebung ist sehenswert: auf dem schon vom River Yealm bekannten Coastal Path kann man ausgehend vom Rande Foweys gen Südwesten an der Küste entlanglaufen und die – gerade beim starken Ostwind spektakuläre – Brandung auf der felsigen Küste bewundern.

Falmouth

Am Freitag bläst der Ostwind immer noch ganz beachtlich; ab Mittag lässt er auf handliche 20-25 Knoten nach, dafür zieht sich gleichzeitig aber auch der blaue Himmel zu – schade.  Wir segeln 24 Seemeilen weiter nach Südwesten bis Falmouth, wo wir am Abend ankommen und wieder an einer Besuchermuring übernachten.

Falmouth, Custom House Quay

Am nächsten Vormittag schauen wir uns die Stadt an; wir finden eine lebendige Innenstadt mit vielen kleinen Straßen und hübschen Häusern, Geschäften und Pubs. Als südwestlichste Hafenstadt Englands ist Falmouth natürlich eng mit der Seefahrtsgeschichte verknüpft: gleich am Hafen stolpern wir über eine Tafel, die an Aufbruch und Rückkehr Robin Knox-Johnstons 1968/69 erinnert, der als erster Mensch einhand und nonstop die Welt umsegelt hat. Hier muss man als Segler wohl mal gewesen sein!

Kurz nach Mittag geht es aber weiter, denn der Wind ist günstig, um mit einer Nachtfahrt den Kanal zurück nach Frankreich zu überqueren; da das Ziel schon an der Biscaya liegt, beschließen wir hier nach gut einem Monat unsere Fahrt durch den Ärmelkanal, denn der endet offiziell an der Ile d’Ouessant. Sowohl die englische wie auch die französische Seite haben uns gut gefallen; die Bretagne ist dabei leider zu kurz gekommen, aber es gibt ja auch noch einen Rückweg 🙂

 

 

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Aufbruch: Holland und Belgien (11.05. – 27.05.)

Eigentlich sollte der lange Winter ja genügen, um im Frühjahr das Boot reisefertig zu haben, aber irgendwie klappt es doch nie … so auch zum Beginn dieser Saison: die ‚Orion‘ hat eine feste  Scheibe für die Sprayhood, eine elektrische Ankerwinsch, einen neuen Decksanstrich und viele Kleinigkeiten mehr bekommen, die uns bis zur buchstäblich letzten Minute in Atem gehalten haben – fast hätten wir die Schleusung in Papenburg verpasst, und dann wollte uns der Schlamm in der Einfahrt nicht gehen lassen; beim Versuch das Boot daraus zu befreien hat sich dann auch noch das Relais des Bugstrahlruders verabschiedet. Aber mit PS-kräftiger Unterstützung der ‚Primavera‘ (Danke!!!) haben wir es dann doch noch aus dem Hafen und nach kurzer Fahrt bis

Leer
Ansegeln nach Leer

geschafft. Hier nämlich soll an diesem Wochenende das diesjährige Ansegeln unseres Vereins stattfinden, und so können wir das erste Stück des Weges mit einigen anderen Vereinsbooten zurücklegen und weitere in Leer treffen, die aus Delfzijl angereist sind.

Es wird ein fröhlicher Abend im Clubheim des SV Leer, und am nächsten Vormittag gibt es ein großes Abschiednehmen von den Freunden vom YC Papenburg, die wir einige Zeit nicht wiedersehen werden. Das stimmt schon etwas wehmütig, aber es ist auch schön, vermisst zu werden und etwas zu haben, wohin man eines Tages zurückkehren kann. 

Montagmorgen geht es dann endgültig los,  wir schleusen um 8 Uhr auf die Leda aus und lassen uns vom ablaufenden Wasser Richtung Nordsee ziehen. Etwa bis Eemshaven läuft der Strom mit, dann setzt langsam die Flut ein; laut Wettervorhersage sollte eigentlich ein mäßiger Wind aus Nordnordost dabei helfen, dagegen anzusegeln, leider weiß der aber nichts davon und weht aus Nordwest, sodass noch lange Stunden der Motor laufen muss. Erst kurz vor 17 Uhr biegt das Westerems-Fahrwasser endlich nach Westen ab, und die langersehnte Stille setzt ein. Bei 10 bis 12 Knoten Wind gleitet die ‚Orion‘ unter Vollzeug durch die kaum einen Meter hohe See – das hat den ganzen Winter gefehlt!

Sonnenuntergang vor Schiermonnikoog

Das Wetter bleibt freundlich und der Wind gleichmäßig, nun (wo es nichts mehr ausmacht) dreht er auch endlich auf Nordost. Der Abend schenkt uns einen großartigen Sonnenuntergang, und nach einer ruhigen Nacht (sogar ohne unzähligen Fischern ausweichen zu müssen) erreichen wir am Dienstagvormittag

Vlieland
Vlieland voraus!

Schon in der Ansteuerung begegnen wir etlichen Schiffen der ‚Braunen Flotte‘, die hier ihre Gäste – meist Schulklassen – abladen. Entsprechend groß ist der Trubel rund um den Hafen und im Ort; mit dem Ablegen der Plattbodenschiffe kehrt aber Ruhe ein, und man sieht dass sich um diese Jahreszeit noch nicht viele Urlauber und Yachten auf die Insel verlaufen haben, die Marina ist praktisch leer.

Vlieland ist bekanntlich ein attraktives Ziel, und so bleiben wir gerne etwas länger, auch um den Zeitdruck der letzten Wochen langsam abzubauen. Das Wetter ist perfekt, strahlend stellt die Sonne Strand, Wald und Dorf in ihren schönsten Farben dar; nur recht kalt ist es, der Wind weht nach wie vor aus Nordost. Wir laufen lange am Strand entlang, lassen uns den ersten Kibbeling schmecken und decken uns mit holländischen Spezialitäten ein.

Harlingen

Am folgenden Donnerstag ist uns erst mal nicht klar, wie es weitergehen soll; eigentlich stünde eine Fahrt übers Wattenhoch nach Texel auf dem Programm, aber dafür ist die Tide einfach zu ungünstig: man müsste entweder mitten in der Nacht losfahren oder ankommen, beides nicht so attraktiv. Also entscheiden wir uns um und brechen am frühen Nachmittag, eine Stunde nach Niedrigwasser, mit Ziel Harlingen auf. Es weht ein frischer Wind, 5 bis 6 Beaufort aus Nordost sind vorhergesagt, 6 bis 7 messen wir dann. Im – eigentlich berüchtigten – Seegatt ‚Stortemelk‘ läuft es noch ganz gut, später im ‚Blauwe Slenk‘ wird es aber echt ungemütlich, als 30 Knoten Wind von vorne drücken und drei Knoten Strom von hinten schieben, die ‚Orion‘ wird der Länge nach mit Wattenseewasser gespült.

Harlingen, altes Rathaus

Aber irgendwann ist auch das überstanden, und am frühen Abend laufen wir in Harlingen ein, wo sich auch gleich die Brücke öffnet, die uns in den Noorderhaven einfahren lässt. Hier liegt man mitten im Zentrum der alten und geschäftigen Hafenstadt, direkt vor dem barocken Rathaus aus dem 18. Jahrhundert. Duschen gibt es auch, und das ist gut so, denn auch der Steuermann hat eine Menge Salzwasser abbekommen.

Am nächsten Morgen laufen wir noch bis zum Fischereihafen, bestaunen die gewaltig großen Schäkel und Blöcke im Fischereiausrüstungsladen (CIV) und kaufen fangfrische Seezunge fürs Abendessen. Am späten Vormittag verlassen wir dann Harlingen und machen uns auf den Weg ins Ijsselmeer.

Medemblik
Medemblik: Windmühle am Stadtrand …

Erst geht es am Deich entlang bis zur Schleuse in Kornwerderzand, wo wir gegen Mittag zusammen mit zwei anderen Booten ins Ijsselmeer gehoben werden. Vor dort aus sind es noch 20 Seemeilen bis Medemblik, und obwohl der Himmel bedeckt ist und immer mal ein Schauer droht, segelt sich die Strecke sehr angenehm, mit halbem Wind der Stärke 4 ist die ‚Orion‘ nämlich bestens zufrieden und läuft unter Vollzeug mit über 6 Knoten ihrem Ziel entgegen.

… und der perfekte Liegeplatz

In Medemblik entscheiden wir uns einen Tag zu verweilen, denn erstens ist das Wetter am Samstag sonnig und windstill, zweitens die Stadt bei Sonnenschein sehr attraktiv (erst recht, wenn man einen der Liegeplätze vor dem um 1288 erbauten ‚Kasteel Radboud‘ ergattern kann), und drittens wartet beim Hafenmeister das Paket mit den Ersatzteilen fürs Bugstrahlruder, so dass auch endlich mal wieder repariert werden kann 🙂

Enkhuizen

Am Sonntag ziehen wir dann weiter, nach einem dem Tag angemessenen Frühstück versteht sich; besonders eilig haben wir es nicht, denn bis zum nächsten Ziel Enkhuizen sind es nur 11 Seemeilen. Erfreulicherweise hat sich der Wind wieder eingefunden und bläst nun aus Nord mit 4 bis 5 Beaufort – wieder halber Wind, und staunend sehen wir bis zu 7.5 Knoten auf dem GPS! Unter den geschützten Bedingungen des Ijsselmeers lernen wir ganz neue Geschwindigkeiten kennen … 

Enkhuizen: Einfahrt in den Oude Haven

So erreichen wir gegen Mittag Enkhuizen; schon bei der Einfahrt kann man einen Blick in den historischen Stadtkern werfen. Wir freuen uns einen Liegeplatz im Buitenhaven gleich am Rande des Zentrums zu bekommen; hier ist man mit wenigen Schritten mittendrin und liegt dennoch recht ruhig. Zum Stadtrundgang kommt auch noch ein wenig die Sonne heraus, was will man mehr!

Enkhuizen wirkt etwas städtischer als Medemblick, verfügt über unzählige tolle, alte Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit prachtvollen Giebeln, und natürlich etliche über die ganze Stadt verteilte Häfen, vom Compagnieshaven mit Hunderten von Yachten im Nordosten bis zum Krabbershaven im Südwesten, wo zahlreiche Schiffe der Braunen Flotte liegen.

Hoorn

Montagmorgen ist es leider schon wieder trüb und bedeckt, als wir Enkhuizen verlassen; Tagesziel ist das nur 12 Seemeilen entfernte Hoorn. Auf dem Weg liegt aber zunächst mal das 2003 fertiggestellte Krabbergat-Naviduct, eine weltweite Besonderheit: hier wird der Schiffsverkehr in einer Art Betonwanne durch eine Schleuse und gleichzeitig über eine vielbefahrene Straße geführt, welche dem Deich zwischen Ijssel- und Markermeer folgt. Früher gab es nur eine normale Schleuse mit Klappbrücke, aber die zahlreichen Öffnungen stellten eine zu große Behinderung des Straßenverkehrs dar, sodass man sich zu diesem kostspieligen Bauwerk entschlossen hat.

Hoorn vom Wasser aus gesehen; markant der Hoofdtoren von 1532

In Hoorn angekommen, betreten wir mal wieder geschichtsträchtigen Boden: die Stadt war einer der Stützpunkte der 1602 gegründeten Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC), der Handelsgesellschaft welche das Monopol auf den Handel mit den niederländischen Kolonien in Südostasien innehatte. Diese hatte im Laufe von zwei Jahrhunderten ca. 4700 Schiffe unter ihrer Flagge fahren und brachte den Niederlanden unermesslichen Reichtum – weniger Glück hatten selbstredend die Ureinwohner der Kolonien. 

Das Statencollege von 1632 beherbergt heute das Westfriesische Museum

Auch das berühmt-berüchtige Kap Hoorn verdankt seinen Namen der Stadt Hoorn: der niederländische Seefahrer Willem Cornelisz Schouten beschrieb am 29. Januar 1616 erstmals den südlichsten Punkt Südamerikas und benannte ihn nach seinem Geburtsort.

Heute ist Hoorn eine geschäftige Einkaufsstadt mit etwa 73.000 Einwohnern, in deren Stadtbild noch zahlreiche Gebäude von der großen Vergangenheit zeugen; die zahlreichen Hafenbecken dienen allerdings nur noch der Freizeitschiffahrt, einen Handelshafen mit Warenumschlag gibt es nicht mehr.

Marken
Im Hafen von Marken

Mit kräftigem Rückenwind geht es am Dienstag einen kleinen Schlag Richtung Süden nach Marken; die ehemalige Insel (seit 1957 durch einen Deich mit dem Festland verbunden) beherbergt ein sehr kleines – ebenfalls ehemaliges – Fischerdorf sowie unzählige Touristen. Zweifellos ist es am Hafen mit seinen alten Holzhäusern ganz nett, aber was eine Million Besucher im Jahr – wie es scheint hauptsächlich Südländer, die verfroren und verloren durch die Straßen ziehen – hier wollen bleibt uns etwas verborgen …

Amsterdam

Für die kommenden Tage steht nun Kontrastprogramm an: nach dem Dörfchen Marken führt uns der Weg in die Großstadt Amsterdam. Das allerdings zunächst mal unter Motor, denn der uns seit Tagen begleitende kräftige Wind hat sich ausgeweht. Ein Gutes bringt das aber mit sich: ab Mittag, als wir durch die Oranjesluizen ins IJ schleusen, kommt langsam aber sicher endlich mal wieder die Sonne heraus.

Wir steuern den Sixhaven an, der am Nordufer des IJ direkt gegenüber des Hauptbahnhofs liegt; unmittelbar östlich und westlich des Hafens pendeln kostenlose Fähren rund um die Uhr zum Hauptbahnhof. So liegt man recht günstig und ruhig und dennoch in perfekter Ausgangslage für einen Stadtbummel; wir freuen uns über den guten Tipp, der uns hierhin geführt hat! Noch bevor wir uns am nächsten Tag in die Stadt stürzen wartet aber auch am Mittwoch noch ein besonderes Erlebnis: Einkaufen im nahegelegenen Jumbo-Supermarkt, der eine ganze ehemalige Hafenhalle einnimmt und sowohl vom Ambiente wie auch vom Angebot keine Wünsche offen lässt.

Am Donnerstag nehmen wir dann die Fähre und setzen in die Innenstadt über. Die Sonne scheint, und Amsterdam zeigt sich von seiner besten Seite: sehr lebendig und vielfältig, aber dennoch nicht zu laut und stressig. Egal wohin man geht, überall laden Straßen und Grachten zum Schauen und Cafés zum Verweilen ein – hier gefällt es uns! Einzig den Tag zu überstehen ohne von einem der tausenden Radfahrer überfahren zu werden ist eine gewisse Herausforderung …

So laufen wir viele Stunden auf und ab durch die Stadt, stöbern auf dem Flohmarkt, amüsieren uns über den aus den zahllosen Coffeeshops auf die Straßen flutenden Duft, genießen perfekt zubereiteten Cappuccino mit Blick auf die Grachten und freuen uns endlich, erschöpft zurück zum Sixhaven auf die ‚Orion‘ zu kommen.

Scheveningen
Scheveningen voraus!

Am Freitag geht es schon früh los, den heute stehen ein paar Meilen mehr auf dem Programm: zunächst 15 durch den Noordzeekanaal bis Ijmuiden, dort durch die Schleusen zurück auf die Nordsee und dann nochmal gut 25 Meilen immer am Strand lang bis Scheveningen.

Die Fahrt durch den Kanal ist eher ereignislos und die Umgebung doch recht industriell geprägt, durch die der zahlreichen Berufsschiffahrt ständig zu widmende Aufmerksamkeit vergeht die Zeit aber doch recht schnell; die Schleusung ist wie immer in Holland völlig problemlos, und wir freuen uns wieder auf der Nordsee zu sein.

Strandpromenade und Pier

Zunächst will der Wind noch nicht so recht und die Tide läuft noch entgegen, aber gegen Mittag ändert sich das, und bei 10 bis 12 Knoten Wind aus Nordwest und strahlendem Sonnenschein lassen wir die Küste vorbeiziehen, bis wir am frühen Nachmittag Scheveningen erreichen. Das inzwischen zu Den Haag gehörende ehemalige kleine Fischerdorf hat sich zum größten Seebad der Niederlande entwickelt – und so in etwas fühlt es sich auch an: um einen unscheinbaren Ortskern herum sind gigantische Hotel- und Gastronomiekomplexe entstanden; sogar eine Seebrücke mit Riesenrad gibt es, ganz im Stil der britischen Seebäder. Für uns ist der Ort nun keine rechte Attraktion, aber der Yachtclub Scheveningen hat einen sehr netten Hafenmeister und Gästeplätze für müde Segler, außerdem gibt’s am quirligen Hafen natürlich eine Kibbeling-Bude, was will man also nach einem langen Tag auf See mehr …

Zeebrugge / Brugge

Samstagmorgen geht es noch früher weiter als am Tag zuvor, es steht nämlich ein wirklich langer Schlag bevor: Zeebrugge in Belgien ist der Zielhafen. 66 Seemeilen sind zurückzulegen, und dazwischen gibt es auch nicht wirklich eine Möglichkeit, einen Zwischenstopp einzulegen. Ursache dafür sind die niederländischen Deltawerke, mit denen in den 70er und 80er Jahren das Rhein-Maas-Delta sowie die Oosterschelde durch Dämme vom Meer abgetrennt wurden; der Zugang zu allen Häfen innerhalb ist seitdem nur noch durch Schleusen möglich, was doch einen großen Aufwand und Zeitverlust mit sich bringt.

Blick über den Hafen von Zeebrugge

Wir legen also die Strecke in einem Stück zurück, und das auch noch unter Motor, auf Wind wartet man nämlich an diesem Tag vergeblich; entsprechend froh sind wir, am Abend Zeebrugge zu erreichen. Hier erwartet und ein sehr bemühter Hafenmeister – und sonst nicht viel. Zeebrugge wurde erst um 1900 als Hafenstandort gegründet, und entsprechend ist es hier auch: ein gigantischer Industriehafen, ein paar Häuser hinter der Schnellstraße und natürlich eine ‚Frituur‘, damit hat es sich.

Am Sonntag gibt es kräftigen Gegenwind, also bleiben wir im Hafen und packen die Fahrräder aus, um ins knapp 20 Kilometer entfernte Brügge zu fahren; eigentlich wollten wir das per Boot über einen Verbindungskanal tun, doch dann sind wir per Zufall darüber gestolpert dass man zum Befahren der belgischen Binnengewässer eine 40 Euro teure Vignette braucht, was auch streng überprüft wird- für 12 Kanalkilometer etwas zu teuer.

Brugge – oder auf Deutsch Brügge – ist das genaue Gegenteil von Zeebrugge: eine Stadt, die eine reiche Geschichte vorzuweisen hat. Das Stadtrecht wurde 1128 verliehen, und im 13. bis 15. Jahrhundert blühte der Handel auf, auch die Hanse unterhielt ein Kontor in Brügge. Hilfreich dabei war, dass die Stadt damals noch über einen Meeresarm direkten Zugang zur Nordsee hatte; zum Ende des 15. Jahrhunderts versandete dieser, und die goldenen Zeiten waren vorbei. Erhalten sind aber zahllose steinerne Zeugen dieser Zeit: ein Spaziergang durch Brügge gleicht dem Besuch eines Freilichtmuseums. Begleitet wird man dabei von Zehntausenden von Touristen und abwechselnd – manchmal auch gleichzeitig – dem Duft von frisch gebackenen Waffeln und fachgerecht frittierten Pommes. 

Nieuwpoort

Am Montag weht der Wind wieder (etwas) günstiger, und wir verlassen Zeebrugge zum letzten Schlag in belgischen Gewässern; 34 Seemeilen kreuzen wir auf bis Nieuwpoort. Dabei ziehen Badeort um Badeort an uns vorbei, gehen von See aus betrachtet beinahe nahtlos ineinander über, zugebaut mit gigantischen Hotelklötzen; so erscheint die belgische Küste wie ein einziger langer Plattenbau.

Auch Nieuwpoort bietet wenig mehr als einen Platz zum Übernachten; nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt am nächsten Tag brechen wir in Richtung Frankreich auf!