In Galicien (05.07. – 03.09.)

Ría de Viveiro
In Viveiro

Nachdem wir uns in der Marina ausgeschlafen und mit einer Dusche die Restmüdigkeit von der Überfahrt vertrieben haben, schauen wir uns Viveiro an: ein lebendiger Ort voller Straßencafés und Geschäfte, mit kleinen, engen Gassen und großzügigen Plätzen. In der Altstadt sind die Häuser so gebaut, dass sie sich ab der ersten Etage noch verbreitern, so dass nach oben kaum noch der Himmel zu sehen ist – seinem Nachbarn gegenüber kann man wohl fast die Hand reichen. Viel Platz ist aber auch nicht, die Ortschaft ist zwischen Wasser und Felsen in den Hang gebaut.

Zufälligerweise findet an diesem Wochenende ein großes Heavy-Metal-Festival in Viveiro statt, das ‚Resurrection Fest‘, zu dem deutlich mehr Besucher anreisen als die Stadt Einwohner hat, was dazu führt, dass jede Wiese im gesamten Stadtgebiet mit Zelten bedeckt ist und die vorherrschende Kleidungsfarbe im Straßenbild Schwarz ist – ein ziemlich amüsanter Kontrast zur südländischen Fischerort-Stimmung!

Der Strand von Covas mit der ‚Orion‘ – der kleine weiße Punkt am Ende der Felsenkette

Am Nachmittag verlassen wir die Marina und suchen uns einen Ankerplatz vor dem Strand von Covas; Viveiro liegt in einer ausgedehnten, fjordähnlichen Flussmündung, die zahlreiche Seitenbuchten, Felsenküsten und Strände umfasst. Diese Buchten, Rías genannt, bestimmen das Landschaftsbild der galizischen Küste: an der Nordküste, also bis zum Kap Finisterre, sind es die Rías Altas, an der Westküste die Rías Baixas. Der Weg der ‚Orion‘ soll entlang dieser Rías führen, denn sie bieten ein tolles Revier fürs Fahrtensegeln: für fast jede Windrichtung findet man in irgendeiner Seitenbucht sichere Ankerplätze und liegt dabei vor landschaftlich toller Kulisse.

Unser Privatstrand

Den ersten Ankerplatz finden wir gut eine Seemeile weiter vor dem Strand von Covas; etwas seitlich davon gibt es nochmal eine kleine, von Felsen abgetrennte Bucht, die vom Land aus kaum zu erreichen ist – so haben wir sogar unseren Privatstrand!

Hier kann man es aushalten; das Wetter könnte zwar endlich mal besser werden (die Sonne zeigt sich nur zwischendurch mal, meist ist der Himmel immer noch von hochnebelartigen Wolken bedeckt), doch wenigstens ist es dabei beständig über 20 Grad warm. Knapp 20 Grad hat das Wasser – könnte sich die Sonne mal durchsetzen, wäre gleich Badewetter. 

Am Sonntag dreht der Wind langsam auf Nordost, wir fahren also auf die andere Seite der Ría und lassen dort den Anker vor einem neuen Sandstrand fallen – so kann man das aushalten!

Das Ankern ist übrigens bislang ein wahres Vergnügen: anders als in Norwegen, wo Stellen mit nicht zu großer Tiefe selten sind, findet man hier quasi vor jedem Strand einen Quadratkilometer Wasser mit 4 bis 8 Metern Tiefe und einem Grund aus grobkörnigem Sand – man lässt an einer beliebigen Stelle den Anker fallen, lässt 20 bis 30 Meter Kette auslaufen und bringt den Motor auf 2000 Umdrehungen rückwärts – um festzustellen, das sich der Anker innerhalb weniger Dezimeter eingegraben hat und dann mit aller Gewalt nicht mehr weiterzuziehen ist; so kann man ruhig schlafen!

Ría de Cedeira

Nach drei Ruhetagen wollen wir dann aber am  Montag doch mal weiterziehen, vor allem da wieder frischer Nordost angesagt ist, perfekt um das Kap Estaca de Bares zu runden, den nördlichstenn Punkt der iberischen Halbinsel. Wir setzen noch am Anker das Großsegel und können ohne den Motor zu starten aus der Ría segeln – das macht Spaß!

Vor Spaniens Nordküste

Nachdem wir die Abdeckung der Berge überwunden haben, stellt sich dann auch der versprochene Wind mit guten 5 Beaufort ein; mit gut 7 Knoten rauscht die ‚Orion‘ durch die Wellen. Man merkt den Unterschied zur Nordsee: die Wellen kommen uns immer etwas zu hoch für die Windstärke vor; selbst bei Nordost nehmen sie schon 300 Seemeilen Anlauf, bei Westlagen quer über den Atlantik.

Abendstimmung über dem Ankerfeld

Leider ist es mal wieder bedeckt, es regnet auch ein wenig; gegen Mittag setzt sich aber die Sonne durch, und wir genießen die sportliche Fahrt bis zur nächsten geeigneten Flussmündung, der Ría de Cedeira.  Dort findet sich vorm Strand des gleichnamigen Ortes eine ausgedehnte Bucht mit Kartentiefen zwischen 3 und 4 Metern – hier könnten 100 Yachten ankern, es sind aber kaum 10, die es mit uns tun. Der Abend bietet einen tollen Sonnenuntergang über dem Ankerfeld, dazu ein Glas Rotwein, was will man mehr …

Dienstagvormittag ist es wieder bedeckt, aber für den Nachmittag kündigen die Propheten endlich Besserung an, die auch über die nächsten Tage anhalten soll – dann bleiben wir doch erst mal eine Weile hier!

Cedeira, Strand und Seepromenade

Wir fahren mit dem Dinghi bis in die Ortsmitte von Cedeira, was nur um Hochwasser herum möglich ist, ansonsten führt der kleine Fluss nicht genug Wasser. Wir finden einen freundlichen, lebendigen Ort vor, der über einen tollen Sandstrand verfügt, aber nicht nur vom Tourismus bestimmt ist – die Einheimischen scheinen hier noch in der Überzahl zu sein. Es gibt einen Supermarkt, der uns mit frischem Brot und herrlichen Melonen aller Art versorgt – das das lokal verkaufte Obst keine Europareise überstehen muss, kann man bei der Züchtung noch Wert auf solche nebensächlichen Eigenschaften wie Geschmack legen, statt sich auf die Transportfähigkeit zu konzentrieren.

Tatsächlich setzt sich auch nachhaltig die Sonne durch, und wir fühlen uns endlich im Süden angekommen: die Temperaturen im Schatten laut Wetterbericht betragen zwar nur 22 – 24 Grad, aber die Sonne verfügt über eine ganz andere Kraft, als wir es in Norddeutschland kennen; unterm übers Cockpit gespannten Sonnensegel kann man es untätig und in Badesachen gerade aushalten, ohne ins Schwitzen zu kommen, und sich den Tag über von gekühlter Melone ernähren, bevor man am Abend, bei tief stehender Sonne, den Grill anwirft und den Tag bei lokalem Rotwein, Oliven und Käse ausklingen lässt. In der Nacht wird es noch hinreichend kalt, dass man gut schlafen kann – besser geht’s kaum. Überkommt einen doch mal der Übermut und man lässt sich auf sportliche Aktivitäten ein – wie wir es am Mittwoch mit einer mehrstündigen Wanderung über den Cedeira überragenden Bergrücken getan haben – kann man sich in dem mit 20 Grad noch recht frischen Wasser der Bucht abkühlen. Hier lässt es sich aushalten!

Ausblick über die Küste vor Cedeira

So drängt uns auch gar nichts, weiterzuziehen; das Wetter bleibt weiter perfekt, die Ría bietet vollständigen Schutz gegen Schwell, und der örtliche Supermarkt versorgt uns mit frischem Obst und Gebäck. Donnerstag müssen wir uns auch etwas von der Wanderung am Vortag erholen, Freitag sind wir wieder aktiver und fahren mit dem Dinghi zu einer einsamen Felsenbucht mit kleinem Strand, die wir seit Tagen am Cedeira gegenüberliegenden Ufer vom Boot aus anschauen.

Einsame Badebucht, im Hintergrund das Ankerfeld und Cedeira

Wir finden einen weißen Sandstrand, vom Wasser ausgewaschene Felsen und blaugrünes Wasser – einfach toll! Wir bleiben den ganzen Nachmittag, lesen im Schatten der Felsen oder laufen durch die Wellen, die an den Strand spülen.

Am Freitagabend zieht es sich aber etwas zu, und starker Wind kommt auf, in der Nacht zum Samstag werden es in Böen bis zu 8 Windstärken, die über die Ankerbucht fegen – ob da wohl der Anker hält? Er tut es, das Boot bewegt sich im Laufe der Nacht keinen Meter weiter, wie das GPS verrät.

Ría de Ares
Die Küste bei Cabo Prior

Am Samstag bleibt es aber noch sehr windig, und bewölkt ist es auch; wir warten also noch bis Sonntag, um weiterzuziehen. Wieder sind es gut 30 Seemeilen bis zur nächsten Ría, vorbei an der felsigen Küste. Wenn der Wind auch deutlich nachgelassen hat, so steht doch noch einiges an Welle von den vergangenen Tagen; bei 15 bis 20 Knoten Wind stabilisiert der Gennaker das Boot aber hinreichend, und wir erreichen zügig die Ría de Ares, wo wir vorm Strand des gleichnamigen Ortes ankern.

Ares, Seepromenade

Am nächsten Vormittag erfolgt natürlich auch der obligatorische Dinghi-Ausflug nach Ares; der Ort wirkt sehr touristisch, kein Wunder, verfügt er doch auch über einen langen, feinen Badestrand; eine sehenswerte Altstadt oder dergleichen suchen wir aber vergeblich. So bleiben wir auch nur noch bis zum nächsten Morgen und fahren ins nur 9 Seemeilen entfernte

A Coruña

A Coruña ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und mit rund einer Viertelmillion Einwohnern die größte Stadt weit und breit. Ihre Geschichte reicht weit zurück: schon lange vor den Römern wurde der natürliche Hafen von Kelten und Phöniziern genutzt. Der ums Jahr 110 von den Römern erbaute Leuchtturm weist bis heute Schiffen den Weg und ist das Wahrzeichen der Stadt; sehenswert ist aber auch das Rathaus sowie die zahlreichen Kirchen und Klosteranlagen. Die Marina ist etwas zu groß für unseren Geschmack, verbreitet dafür aber den Duft nach der großen, weiten Welt: wir sehen neben unzähligen britischen, französischen, holländischen und auch ein paar deutschen Yachten auch solche aus Russland und aus Canada.

Torre de Hércules, A Coruña

Am späten Mittwochvormittag verlassen wie die Marina Coruña und fahren wieder hinaus aufs Meer; der vor uns liegende Küstenabschnitt hört auf den einladenden Namen Costa da Morte – das verschafft doch gleich Respekt …

Zunächst aber segeln wir noch direkt am Herkulesturm vorbei, dem römischen Leuchtturm, der seit bald 2000 Jahren den Weg nach A Coruña weist – beeindruckend, zumal sich aus dem Jahrtausend nach Ende des Römischen Reiches wenig findet, was heute noch steht.

Isla Sisarga, Costa da Morte

Die Küste des Todes zeigt sich uns glücklicherweise recht freundlich gesonnen – die Sonne scheint, und der Wind kommt ausnahmsweise selbst am Nachmittag mal nicht über Stärke 4 hinaus. Wenn man sich die schroffe, felsige Küstenlinie ohne irgendwelche Zufluchtsmöglichkeiten aber so anschaut, wie sie dem Atlantik ausgesetzt ist und die lange Dünung immer noch viele Meter in die Luft wirft, kann man sich leicht vorstellen, dass in alten Zeiten viele Schiffsreisen hier bei einem Nordweststurm ein fatales Ende genommen haben. Wir können uns aber am Anblick erfreuen, zumal uns wieder Delfine begleiten, und erreichen am Abend nach gut 36 Seemeilen die

Ría de Corme e Laxe

wo wir vor dem kleinen Fischerort Corme den Anker werfen. Wie vorhergesagt schläft in der Nacht der Wind vollständig ein, und das soll auch noch länger so bleiben – aber das macht nichts, hier kann man es wohl eine Weile aushalten.

Corme, Seepromenade

Der Ort hat keinen richtigen Supermarkt, nur kleine Dorfläden, in denen man aber auch ohne Sprachkenntnisse sehr nett behandelt wird und alles bekommt; es gibt eine winzige Bäckerei, die sensationell gutes Brot herstellt, eine Art rustikales Steinofenbaguette aus etwas dunklerem Mehl – ofenfrisch unwiderstehlich!

Wochenmarkt in Corme

Am Freitag ist Wochenmarkt in Corme – ein buntes Treiben, bei dem das ganze Dorf auf den Beinen zu sein scheint. Neben kleinen, gewerblichen Marktständen sitzen alte Damen auf mitgebrachten Schemeln und haben auf einer Decke die Erzeugnisse des eigenen Gartens ausgebreitet: wir kaufen Kartoffeln, Zucchini, hübsch zu Zöpfen geflochtene Zwiebeln und Knoblauch sowie prächtiges Obst, alles zu sehr günstigen Preisen. Wieder fällt die außerordentliche Freundlichkeit der Menschen auf – obwohl wir kein Wort Spanisch sprechen und die Einheimischen kein Englisch (abgesehen vom Personal in den Marinas, aber jedenfalls nicht auf dem Lande) kommen wir gut zurecht, bekommen eine Menge Dinge mit Händen und Füßen erzählt und fühlen uns sehr willkommen.

Am Cabo Roncudo

Wir wandern entlang der Küstenstraße zum Cabo Roncudo und finden großartige Ausblicke über die Ría, quasi hinter jeder neuen Kurve toller als zuvor; es ist in der Sonne gerade so warm, dass man es in Shorts, T-Shirt und Sonnenhut eben noch aushält, in der sanften Brise zu wandern ohne allzusehr ins Schwitzen zu kommen – ein ideales Klima, finden wir. Dafür bleibt das Wasser mit knapp 20 Grad immer noch frisch – was allerdings die Einheimischen nicht davon abhält, die Strände ausgiebig zu nutzen. 

Ría de Camariñas
Das Cabo Vilán

So gut es uns vor Corme auch gefällt, irgendwann muss es auch mal weitergehen, und am Sonntag stellt sich auch noch der dazu passende Wind ein: bei gewohnt blauem Himmel weht ein eher sanfter Nordnordost mit 3 – 4 Beaufort. Wir lichten den Anker, verlassen die Ría und folgen auf Westkurs weiter der Costa da Morte. Dabei passieren wir das Cabo Vilán mit seinen beeindruckenden Felsformationen; ganz in der Nähe des Kaps befindet sich der Cemiterio dos Ingleses, ein Friedhof für die 172 Toten des 1890 im Sturm auf den Klippen zerschellten britischen Marineschulschiffs HMS Serpent – ein Beispiel unter vielen, wofür sich die Costa da Morte ihren Namen verdient hat.

In Camariñas

Unter deutlich besseren Bedingungen und ohne jegliche Verluste erreichen wir nach 20 Seemeilen Camariñas, wo wir in einer großen, gleichbleibend 3 – 7 Meter tiefen Bucht den Anker fallen lassen. Für die Nacht und den folgenden Montag ist eine deutliche Zunahme des Windes vorhergesagt, und so suchen hier rund ein Dutzend Yachten Schutz – womit der Ankerplatz aber alles andere als überfüllt ist.

Der Ort weist einen umfangreicheren Fischereihafen auf; außerdem ist er berühmt für seine traditionellen Spitzenklöppelarbeiten, zahlreiche Geschäfte, ein Klöppelmuseum und ein Denkmal zeugen davon.

Am Dienstag legen wir die wohl kürzeste Tagesdistanz des Törns zurück: ganze zwei Seemeilen sind es quer über die Ría nach

Muxía

Der Fischerort hat einen großen Hafen, in dem auch eine kleine, freundliche Marina platz findet; diese steuern wir an, zum einen weil Boot und Besatzung eine Süßwasserdusche gebrauchen können, zum anderen weil wir vor hier aus einen Tagesausflug nach Santiago de Compostela machen wollen.

Aussicht über Muxía

 

Santuario da Virxe da Barca

Zunächst mal schauen wir uns aber Muxía an; anders als in Camariñas gibt es eine hübsche Altstadt, und man kann einen sehr schön angelegten Weg von der Stadt bis zur Landspitze gehen. Dort gibt es einen Hügel, der eine tolle Aussicht bietet, und die Wallfahrtskirche Santuario da Virxe da Barca; diese liegt unmittelbar an der felsigen Küste, und die Atlantikwellen, die sich an den Felsen brechen, bieten ein großartiges Schauspiel. Wenn man bedenkt, dass dabei kaum Wind wehte … Costa da Morte!

 

Santiago de Compostela
Catedral de Santiago de Compostela

Am frühen Mittwochmorgen steigen wir in Muxía in einen Bus, der uns in anderthalb Stunden knapp 100 Kilometer nach Santiago de Compostela bringt – mit 8€ pro Fahrt übrigens recht günstig. Die knapp 100.000 Einwohner zählende Stadt ist Hauptstadt Galiciens und weltbekannt als Ziel des Jacobswegs, welchem rund 200.000 Pilger jährlich bis Santiago folgen. Diese bestimmen auch das gesamte Leben der Stadt: überall sieht man Wanderer mit Rucksäcken und das Pilgersymbol, die Jakobsmuschel.

Convento de San Domingos de Bonaval

Bemerkenswert ist die Grundlage dieser knapp 1200 Jahre andauernden Pilgerei: der heilige Jakobus wurde der Überlieferung zu Folge im Jahre 44 in Palästina enthauptet; seinen Leichnam gab man in ein Boot, welches man ohne Besatzung auf die See treiben ließ. Dieses legte dann bescheidene 3000 Seemeilen bis Galicien zurück, wo es an Land trieb und man die Gebeine in der Erde bestatte – und die Grabstätte vergaß.

Santiago, Altstadt

Kurzweilige 800 Jahre später ‚entdeckte‘ man die Überreste wieder und konnte sie – sicher nach eingehenden forensischen Untersuchungen – eindeutig Jakobus zuschreiben, womit der nach Rom und Jerusalem wichtigste Pilgerort des Mittelalters geboren war. Ein Schelm, wer da noch Zweifel an der Echtheit hegt …

Convento de San Francisco

Ungeachtet dessen ist die Kathedrale von Santiago ein sehr beeindruckendes und schönes Gebäude (wenn auch ihr Inneres fast vollständig mit Baugerüsten und Planen verhängt war), wie auch die ganze mittelalterliche Altstadt mit ihren engen Gassen und prachtvollen Gebäuden sehr sehenswert ist.  Wir laufen 8 Stunden kreuz und quer durch die Stadt, bevor wir – recht erschöpft, es sind knapp 30 Grad – den Bus zurück nach Muxía nehmen. In jedem Fall ein sehr lohnender Ausflug!

Am Donnerstag regnet es dann ausnahmsweise mal; wir verlassen erst am Nachmittag die Marina von Muxía und ankern 2 Seemeilen entfernt in einer fast unbebauten Bucht der Ría; das Wetter bleibt auch am Freitag noch durchwachsen, so dass wir erst am Samstag die Ría de Camariñas verlassen.

Seno de Corcubión / Fisterra
Cabo Fisterra von See

Weiter geht es nach Süden, bei blauem Himmel und kräftigem Nordnordostwind; erst passieren wir das Cabo Touriñán und eine Weile später das Cabo Fisterra oder Kap Finisterre. Beide Namen leiten sich vom lateinischen finis terrae ab, dem ‚Ende der Welt‘, denn genau dafür hielt man im Altertum diesen Punkt – dahinter gibt es nur noch Wasser! Man hat sich zwar zunächst um ein paar Meter vertan, denn das nördlichere Cabo Touriñán liegt tatsächlich noch etwas westlicher, und wie sich deutlich später herausstellte ja auch noch einen ganzen Kontinent übersehen, aber ungeachtet dessen ist dies schon ein sehr bedeutender Ort.

Der Hafen von Fisterra

Wir wollen ihn uns auch näher anschauen und biegen daher in die Bucht hinter das Kap, Seno de Corcubión, ein und wollen eigentlich vor dem Ort Fisterra ankern, aber die Windabdeckung ist nicht besonders gut, und außerdem gibt es da einen langen, massiven, nagelneuen und völlig unbenutzten Schwimmponton am Fischerhafen – Fragen kostet ja nichts, denken wir uns, und legen erst mal an. Zum Fragen ist aber niemand da, die Capitanía ist unbesetzt und bleibt es auch am folgenden Sonntag – auch gut.

Cabo Fisterra von Land

Wir können also das Boot unbesorgt allein lassen und wandern hinaus zum Leuchtturm am Kap; dort ist eine ganze Menge los, denn Finisterre ist auch der eigentliche Endpunkt des Jakobsweges, viele Pilgerer hängen dieses letzte Stück noch dran, nachdem sie es bis Santiago de Compostela geschafft haben. Der Weg ist sehr schön, die Aussicht toll, und vor allem das Bewusstsein, dass Menschen genau hier seit Jahrtausenden aufs Meer schauen – wirklich ein Erlebnis!

Die Aussicht vom ‚Ende der Welt‘

 

Ankern vor Sardiñeiro

In der Nacht zum Montag sind wir an unserem Liegeplatz zwar offenbar auch niemandem im Weg, aber der Lärm und Schwell, den die ablegenden Fischkutter ab 2 Uhr morgens verbreiten, ist beachtlich – da suchen wir uns doch lieber einen ruhigeren Platz, und finden ihn kaum 2 Seemeilen entfernt in der kleinen Bucht von Sardiñeiro, wo wir dicht am Strand ankern und einen entspannten Tag bei Flaute und Sonne verbringen. Auch den Ort schauen wir uns noch an, dieser besteht aber nur aus einigen Häusern an der Straße nach Fisterra; immerhin eine Bäckerei gibt es.

Ría de Muros e Noia

Dienstagmittag kommt langsam wieder Wind auf, und wir machen uns wieder auf den Weg; Ziel ist die Ría de Muros e Noia, welche zu den Rías Baixas zählt – wir haben damit die Costa da Morte überwunden, von nun an finden sich wieder tief ins Land eingeschnittene Buchten, welche Schutz vor dem Atlantikwetter bieten.

Unsere Eskorte

Das Wetter ist prächtig, der Wind eher mäßig – laues Segeln. Zu unserer großen Freude hat auch eine größere Gruppe Delfine ihren lauen Tag – obwohl wir eigentlich viel zu langsam für sie unterwegs sind, begleiten sie uns über Stunden, springen dicht vor dem Bug durch die Welle, versuchen gleich zu mehreren zwischen Boot und mitgeschlepptem Schlauchboot mitzuschwimmen … einfach nur schön dabei zuzuschauen!

In Muros, alte Markthalle

Am Dienstagabend ankern wir erst mal vor Muros, beschließen dann aber am Mittwochmorgen für einen Tag in die Marina zu fahren – mal ordentlich die Batterien laden, duschen, Wasser bunkern, einkaufen, das übliche Programm … aber der Besuch lohnt sich auch um des Ortes selbst willen: Muros hat noch eine richtige Altstadt mit verwinkelten, schmalen Gassen und alten Häusern – eine erfreuliche Ausnahme, ansonsten zeichnen sich selbst die kleineren Orte ja gerne mal durch mehrstöckige 70er-Jahre-Architektur aus.

Donnerstagmittag verlassen wir die Marina wieder, aber nur um knapp 2 Seemeilen nordöstlich von Muros in der Ensenada de Bornalle wieder den Anker zu werfen – nach über 24 Stunden in der ‚Stadt‘ brauchen wir erst mal einen Ruhetag vorm Strand 😉   

Noia, Iglesia de San Martin …

Freitag sind wir dann wieder etwas aktiver: wir legen erst mal volle 6 Seemeilen bis vor den Ort Freixos zurück, ankern dort die ‚Orion‘ in schon recht flachem Wasser, und fahren dann noch eine Stunde mit dem Dinghi den immer flacher werdenden Rio Tambre hoch bis zur kleinen Stadt Noia.

… und Altstadtansicht

Diese war früher mal als Hafenstadt von einiger Bedeutung, kann aber inzwischen durch die immer mehr verschlickende Zufahrt nicht mehr angelaufen werden. Viele der Gebäude aus den ‚besseren Zeiten‘ haben sich aber erhalten, so dass der Spaziergang durch die Altstadt Noias sehr lohnend ist.

Inzwischen ist etwas mehr Wind als vorhergesagt aufgekommen, so dass die Rückfahrt mit dem Dinghi zu einer sehr feuchten Angelegenheit gerät … aber bei 28 Grad muss man wenigstens nicht frieren.

Ankern vor der Isla de Creba

Die Nacht verbringen wir noch vor Freixos, ansonsten scheint der Ort von See aus gesehen aber nicht viel zu bieten zu haben, und so fahren wir am Samstag gleich nach dem Frühstück 2 Seemeilen zurück bis zur Isla de Creba; hinter dieser kleinen Insel haben wir am Vortag auf dem Weg nach Freixos einen sehr hübschen Ankerplatz erspäht, und genau da wollen wir den perfekt warmen und sonnigen Samstag verbringen – wieder sind knapp 30 Grad angesagt, kaum Wind, und keine Wolke am Himmel.

Ría de Arousa
Passage durch den Canal de Sagres

Sonntagmittag verlassen wir den Ankerplatz – es ist etwas Nordwest aufgekommen, und der soll uns in die nächste Ría bringen. Der Wind ist eher schwach, aber das ist auch ganz gut so: in der Einfahrt liegt der Archipiélago de Sálvora, eine Menge kleiner Inseln und Felsen, deren nördliche Umgehung nur bei ruhigem Wetter möglich ist. In Norwegen war es ja nicht ungewöhnlich, auf ein paar Meter ans Land heranzufahren, hier aber fühlt sich die enge Passage ungewohnt an – und gut markiert ist sie auch nicht gerade. Aber Dank der GPS-Navigation ja alles kein Problem mehr, wir kommen also gut in die Ría de Arousa und ankern vorm Strand von Ribeira .

Vor Ribeira – Ankern, wo andere Urlaub machen

Montag ist es flautig, aber noch schönes Wetter; wir besuchen den Ort – der aber außer den üblichen Einrichtungen für den Badetourismus nicht viel hergibt, aber hervorragende Einkaufsmöglichkeiten bietet – und genießen ansonsten das Nichtstun, während wir den Urlaubern am Badestrand bei deren Nichtstun zuschauen. Mit uns ankern noch ein paar internationale Yachten und tun das gleiche … extrem chillig!

Regenwetter über Puerto de Cabo de Cruz

Ab Dienstag verschlechtert sich das Wetter, zunächst noch bei wenig Wind, aber für Mittwoch/Donnerstag ist der Durchzug eines Sturmfront angesagt. Rechtzeitig dazu verholen wir uns Mittwochmorgen in die Marina von Cabo de Cruz. Der Ort ist winzig, aber mit €22 pro Tag liegen wir hier recht günstig und können den ganzen Donnerstag zuschauen und -hören, wie der Regen aufs Deck prasselt und Böen bis 40 Knoten am Rigg zerren – schlechtes Wetter gibt es hier also tatsächlich auch mal! 

Playa Lobeira Grande, Cabo de Cruz

Am Freitag ist das Schlimmste überstanden, es drohen aber immer noch Schauer, und der Südwest erreicht noch seine 20 Knoten; wir verlassen die Marina, umrunden das Cabo de Cruz und finden eine schöne Ankermöglichkeit gleich auf der Ostseite der Halbinsel, geschützt gegen alle westlichen Winde. Hier gefällt es uns gut, es gibt kaum Bebauung, üppiges Grün und einen tollen Strand – ein guter Ort, um hier ganz chillig das Wochenende zu verbringen, es gibt eh kaum Wind zum Segeln (der hat wohl in den Tagen zuvor seine ganze Kraft verausgabt).

In Rianxo

Auch zum Beginn der neuen Woche bleibt das zunächst so; für die Nacht auf Dienstag ist aber kräftigerer Nordost angesagt, da wird unser Strand schnell zu Legerwall … aber in dieser Ría ist der nächste Windschutz nie weit, wir fahren knappe drei Seemeilen nach Nordost und ankern vorm Badestrand von Rianxo. Um den Ort anzuschauen und auch die Frischvorräte zu ergänzen, landen wir mit dem Dinghi am Strand an und laufen in den Ort; allzuviel zu sehen gibt es nicht, aber Rianxo hat einige nette Gassen und Plätze, und vor allem … einen riesengroßen Supermarkt!

Abendstimmung über der Ría de Arousa

Dienstag und Mittwoch bleibt es flautig – und sonnig, natürlich. Wir bleiben einfach vor unserem Strand liegen und lassen es uns gut gehen: dem Treiben am Strand zuschauen, lesen, am Abend grillen und den Abendhimmel betrachten.

Am Donnerstag ist dann aber mal Wind angesagt – Zeit, eine Ría weiterzuziehen! Wir holen nach dem Frühstück den Anker auf und kommen zunächst ganz gut voran, bis uns vor der Illa de Arousa die Mittagsflaute erwischt – und das gründlich: von 12 bis 15 Uhr legen wir kaum einen Meter zurück, zuletzt fahren wir wegen des einsetzenden Flutstroms sogar rückwärts … aber Geduld hilft, auf den Nachmittagswind ist Verlass, und um 17 Uhr rauschen wir mit fast 7 Knoten Fahrt nach Süden. Ein großes Regattafeld kommt uns entgegen, um die 50 Boote zeigen hoch am Wind vollen Einsatz – alle auf Steuerbordbug. So sind wir – auf Backbordbug – eine Stunde gut beschäftigt, unseren Weg so zu legen, dass wir niemanden zum Ausweichen nötigen – wir haben’s ja nicht eilig 😉

Ría de Pontevedra
Halligalli in Sanxenxo …

Gegen 19 Uhr erreichen wir unser Ziel, die Ría de Pontevedra – und erleben erst mal eine Überraschung: dass die südlicheren Rìas belebter seien als die der Nordküste hatten wir ja gelesen und in der Ría de Arousa war auch etwas mehr los, aber das hier spottet jeder Beschreibung: die Küste zwischen Portonovo und Sanxenxo ist mit einer durchgehenden Front vielstöckiger Hotels zugebaut, der Strand vor Menschen und Sonnenschirmen kaum zu sehen; außerhalb der Absperrung des Schwimmbereichs ankern Dutzende Segel- und Motorboote, fahren unzählige Tretboote kreuz und quer, dazwischen paddeln, schwimmen, surfen Menschen … einige fallen sogar an Paraglidern vom Himmel. Und mitten durch dieses Chaos schiebt sich auch noch gemächlich ein riesiger grauer  Kreuzer der Guardia Civil – ob die die Stand-Up-Paddler auf Einhaltung der Ausweichregeln prüfen? Wir sind jedenfalls schwer beeindruckt, suchen uns ein Ankerplätzchen zwischen drei Motorbooten – im Vertrauen darauf, dass diese nicht über Nacht bleiben – und betrachten staunend das Treiben … 

… und Rummel in Portonovo

Den Freitag verbringen wir bei Flaute und Sonnenschein vor dieser Kulisse – nicht wirklich schön, aber irgendwie interessant, das Treiben so aus der See-Perspektive zu betrachten; Samstag kommt aber Südwind auf, da wollen wir lieber in den Hafen des Club Nautico von Portonovo – wo wir allerdings erst mal einige Stunden warten müssen, bis ein Platz frei wird! Ansonsten ist es hier eher noch unruhiger als vorm benachbarten Strand – direkt am Hafen ist eine große Kirmes aufgebaut, und es gibt Party-Musik bis in den frühen Morgen – und Böller natürlich! Uns war das vorher nicht bekannt, aber wenigstens der Nordwestspanier böllert für sein Leben gerne: praktisch täglich zündet jedes Dorf ein minutenlanges Tagfeuerwerk – nix zu sehen, nur schön laut muss es sein! Skurril …

In Combarro

Sonntagmittag nutzen wir den Nordwestwind und lassen und tiefer in die Ría treiben … keine 7 Seemeilen sind es bis Combarro, und doch liegen Welten dazwischen – der kleine Fischerort ist zwar auch in jeder Hinsicht touristisch, jedoch setzt man hier wohl auf eine völlig andere Zielgruppe: die kleinen, alten Granitsteinhäuser sind restauriert worden, in den zum Teil sehr engen Gassen gibt es unzählige kleine Läden, und an der dem Meer zugewandten Seite reiht sich ein Restaurant an das andere, überall duften Fisch und Meeresfrüchte auf den Grills.

Hórreos

Klar, mit Authentizität braucht man hier nicht zu kommen, die T-Shirts mit galizisch-keltischen Motiven sind sicher alle made in China …aber dennoch sind die alten Häuser und Getreidespeicher – die hórreos – einfach schön anzusehen, überall leuchten Blumen und der Duft lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen – wir finden’s hier um Welten besser als Beton-Badeparadies weiter westlich.

Ankern vor Combarro

Das Wetter in dieser Woche erreicht neue Wärmerekorde: täglich steigen die Temperaturen bis über 30 Grad, 13 Stunden steht die Sonne am wolkenlosen Himmel; Wind gibt es auch kaum noch – aber das macht nichts, denn Combarro ist der richtige Ort, um ein paar Tage zu verweilen. Der Ankerplatz direkt vor der historischen Altstadt ist perfekt – und seltsamerweise gehört er uns allein; der Stadthafen hat auch eine Marina (mit 40 € pro Nacht nicht gerade billig) , wo einiges Kommen und Gehen herrscht, aber ankern mag hier außer uns wohl niemand – uns soll’s recht sein.

Üppige Blütenpracht überall – ob’s wohl was mit der Sonne zu tun hat?

So bleiben wir bis zum Freitag, machen noch den ein oder anderen Ausflug in die idyllische Altstadt (die auch eine Quergasse ab von den Souvenierläden überhaupt nicht mehr überfüllt ist) – und wären wahrscheinlich noch länger geblieben, wenn nicht vor dem Hafen (also einen Steinwurf von unserem Ankerplatz entfernt) eine riesige Bühne mit himmelhohen Lautsprechertürmen für ein Festival am Wochenende aufgebaut worden wäre, beim Soundcheck am Donnerstag zitterte schon das ganze Boot. So haben wir uns dann vor die kaum 2 Seemeilen entfernte Isla Tomba verholt – von dort war der Musik am Abend immer noch gut zu folgen 😉

Auch der neue Ankerplatz gefällt uns – die Insel darf zwar nicht betreten werden, da sie Übungsgelände der nahegelegenen Marineakademie ist, daher ist sie aber auch völlig naturbelassen und unbebaut, man schaut auf dichten grünen Wald und weißen Sandstrand. So bleiben wir gerne nochmal bis Sonntag, dann soll es nämlich endlich wieder Wind geben.

Ría de Vigo

So setzen wir also frohen Sinnes am Sonntagmorgen die Segel und lichten den Anker – um nach kaum einer Stunde, noch in Sichtweite der Insel,  in totaler Flaute einzuparken. Okay, der Wind war ja für die See vor der Ría angesagt, motoren wir also bis dahin … und tatsächlich stoppen wir nach einer Stunde den Motor wieder, denn der Wind erreicht fünf Knoten, in Böen auch sechs. Aber von einem Trend kann keine Rede sein – nach 10 Minuten ist es wieder vorbei; doch man soll ja Geduld haben, und siehe da, nach einer halben Stunde kommt wieder ein Windfeld und bringt für einen Augenblick acht Knoten Wind – um genausoschnell wieder einzuschlafen. Das Spiel wiederholen wir für gut vier Stunden und legen dabei etwa zwei Seemeilen zurück – hauptächlich Dank des Ebbstroms, der aus der Ría setzt. Da für den Nachmittag und genau dieses Stück Wasser 15 bis 20 Knoten angesagt sind, dauert es recht lange bis wir aufgeben – und die restlichen 16 Seemeilen bis in die Ría de Vigo motoren. Dort finden wir am Abend noch einen Platz im traditionsreichen Real Club Náutico de Vigo.

Vigo, Altstadt

Montag schauen wir uns Vigo an; die größte Stadt Galiciens hat seit ihrer Gründung durch die Römer viel erlebt – vor allem Überfälle, Plünderungen und Zerstörungen durch so ziemlich jeden, der vorbeigekommen ist – und hat als große Hafenstadt ihren eigenen Charme. Die spätmittelalterliche Stadtbefestigung hat man zwar dummerweise im 19. Jahrhundert abgerissen um Platz für Erweiterungen zu schaffen, aber die Altstadt weist noch viele verwinkelte Sträßchen und tolle Gebäude auf.

Jules Verne war auch mal hier

Am Hafen erinnern Skulpturen an die zahlreichen Emigranten, die vor allem zur Zeit des Bürgerkrieges ihr Land verlassen mussten; außerdem informiert eine Ausstellung über die Bedeutung Vigos in den Zeiten der Telegaphie: hier endeten die ersten transatlantischen Telegraphenkabel, und die  – britischen und deutschen – Betreibergesellschaften unterhielten große Niederlassungen. Über Jahrzehnte führte jede Kommunikation Europas mit Übersee über – Vigo.

Wir fühlen uns recht wohl und laufen stundenlang durch die Stadt, bis wir am späten Nachmittag den Hafen verlassen und uns einen Ankerplatz in der Nähe suchen. Den finden wir zunächst mal direkt gegenüber vorm Strand von Moaña, da aber erst mal tagelang Flaute angesagt ist und wir noch ein wenig mehr von der Ría sehen wollen, verholen wir uns am Mittwoch in die Ensenada de San Simón, eine ausgedehnte, flache Bucht am Ende der Ría, und ankern direkt vor der gleichnamigen Insel.

Ankerplatz vor der Isla de San Simón

Auf dieser stand vor langer Zeit einmal ein Kloster, später wurde sie als Hospital, Waisenhaus und schließlich während der Franco-Diktatur als Konzentrationslager genutzt; heute beherbergt sie ein Dokumentations- und Begegnungszentrum. Um dieses anschauen zu dürfen, müssten wir allerdings mit der ‚Orion‘ aus der Bucht heraus in den nächsten Hafen fahren, um uns von dort mit einem Ausflugsboot wieder zurück bringen zu lassen – etwas umständlich, wenn man 50 Meter vom Ufer entfernt ankert, doch der direkte Zutritt wird uns leider verwehrt. Später taucht dann auch noch ein Filmteam auf, denen wir im Weg sind – schade, der Ausblick vom Boot auf die waldige Insel war wirklich besonders schön!

Ankerbucht vor Moaña

Einen alternativen Ankerplatz in der Ensenada de San Simón finden wir vorm Ort Cobres; hier liegt man nicht schlecht, aber mit dem Platz vor der Insel kann die Aussicht nicht mithalten. Am Samstag verlassen wir daher die Bucht und fahren zurück nach Moaña, denn fürs Wochenende ist starker Wind aus Nordnordost angesagt, und da bietet die Ensenada de San Simón nicht den rechten Schutz. Eigentlich wollten wir am Sonntag für eine Nacht auch in die Marina, aber dort teilt man uns über Funk recht unfreundlich mit, dass die Marina voll sei – obwohl wir ein halbes Dutzend freie Liegeplätze sehen können, die auch über Nacht nicht besetzt werden.

Blick von Cangas über die Ría auf Vigo

Okay, dann eben in den Nachbarort: in der Marina Cangas empfängt man uns freundlich, das Wasser für die Duschen ist ausnahmsweise mal warm, und Landstrom zum Batterieladen gibt’s auch. Der Ort ist wenig spektakulär, aber es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten, alles in allem sind wir zufrieden.

Denkmal am Hafen von Baiona

Dienstagmittag verlassen wir den Hafen und steuern unser letztes Ziel in Galicien an, die Stadt Baiona. Sie erlangte ihren Platz in der Geschichtsschreibung, als hier im März 1493 die ‚Pinta‘ auf dem Rückweg von Kolumbus erster Amerikareise anlandete – von Baiona ging also die Nachricht um die Welt, dass es einen neuen Kontinent gibt. Heute ist es ein tourismusorientierter Ort mit schönen Stränden und einladenden Restaurants in den Gassen der Altstadt.

Wir ankern vor dem Stadtufer und verbringen hier bei Flaute und Sonnenschein unseren letzten Abend in Galicien – für Mittwoch ist Nordwind angekündigt, und da soll es Richtung Portugal gehen. Wir verlassen die Gegend ungern – fast zwei Monate haben wir uns Zeit gelassen, den relativ kurzen Küstenabschnitt kennenzulernen, und in dieser Zeit haben wir das entspannte Segeln, das tolle Wetter und die freundlichen Menschen hier sehr zu schätzen gelernt.

Blick von Baiona über die Islas Cies und das Castelo de Monte Real

 

 

Über die Biskaya (29.06. – 04.07.)

Am Sonntag den 29. Juni verlassen wir gegen Mittag den Hafen von Falmouth – da wir ja an einer Muringboje liegen und der Wind günstig steht, ganz stilvoll ohne Zuhilfenahme des Motors nur unter Segeln, wie es sich für diesen Weltumseglerhafen gehört! Das Wetter ist zumehmend freundlich, es weht ein mäßiger Nordwest, und die ‚Orion‘ macht gute Fahrt unter Vollzeug. Recht bald beibt Lizard Point hinter uns, der südlichste Punkt Großbrittaniens, und vor uns liegen gut 100 Seemeilen offenes Wasser.

Der Wind lässt zum Abend hin nach, bleibt uns aber bei rund 10 Knoten Stärke erhalten – nicht genug für aufregende Geschwindigkeiten, aber in Verbindung mit der recht glatten See sorgt das für eine so ruhige und gleichbleibende Lage des Bootes, dass in der Nacht sogar mal an Schlaf zu denken ist. Aber auch die Wache ist nicht langweilig: der inzwischen komplett klare Himmel bietet einen Blick aufs Firmament, wie man ihn an Land mit all den Lichtern der Umgebung nie zu sehen bekommt – die Milchstraße scheint so nah und plastisch, einfach toll! Und zur Krönung kommen auch noch Delfine zu Besuch – auf einmal hört man das laute Ausatmen noch bevor man sie sieht, und dann schnellen ein gutes Dutzend der anmutigen Tiere durch unsere Bugwelle, scheinen fasziniert von dem intensiven roten und grünen Licht, welches die Positionsleuchten auf das Wasser werfen, und begleiten unsere Fahrt einige Minuten.

Cap de la Chèvre

Am Sonntagmittag kommt Land in Sicht, die bretonische Küste; vorgelagert liegt die Île d’Ouessant, und zwischen dieser und dem Festland befindet sich die Meerenge des Chenal du Four. Nicht überraschenderweise gibt es auch hier wieder starke Gezeitenströme zu berücksichtigen: gegen 16 Uhr, mit Hochwasser Brest, soll der Strom anfangen, gen Süden zu setzen. Wir sind pünktlich da, und freuen uns über 3 Knoten zusätzliche Geschwindigkeit auf dem Weg Richtung Brest.

Abendstimmung vor Morgat

Dieses lassen wir dann jedoch links liegen, unser Ziel ist der kleine Hafen von Morgat auf der Crozon-Halbinsel; diesen erreichen wir gegen 21:30 am Abend, nach 136 zurückgelegten Seemeilen. Wir übernachten an einer Muringboje vor dem feinen Sandstrand und genießen das Abendlicht auf den Felsen.

Gleich am nächsten Morgen verholen wir uns in den Hafen, der einen Schwimmsteg für Gäste aufweist; als erstes gibt es ein frisches Baguette vom örtlichen Bäcker – wenn eines in England gefehlt hat, dann das!

In Crozon

Später wandern wir in den Hauptort Crozon, um Einkäufe zu erledigen; ein netter kleiner Ort mit bretonischem Flair. Am Nachmittag wird die ‚Orion‘ auf die nächste Passage vorbereitet, die Überquerung der Biskaya selbst: Wasser wird aufgefüllt, alles seefest verstaut, und auch das Schlauchboot wird zusammengefaltet, denn es ist durchaus mit etwas ruppigeren Bedingungen zu rechnen. Der Wetterbericht für die nächsten drei Tage verspricht kräftigen Nordostwind der Stärke 5 bis 6, in Böen bis 7. Mal wieder hätten wir auch eine Windstärke weniger genommen, aber stabiler Nordost ist für die Querung der Biskaya einfach perfekt, das kann man sich nicht entgehen lassen – berüchtigt ist das Seegebiet ja vor allem wegen der extremen Wellenhöhen, die enstehen, wenn die Atlantikdünung aus Südwest gegen den aus mehreren 1000 Meter tiefem Wasser schlagartig aufsteigenden Festlandsockel prallt, und das ist bei Nordostwind kein Problem. Also, da müssen wir wohl durch …

Die bretonische Küste bleibt hinter uns zurück

So stehen wir also am Dienstag den 2. früh auf, holen noch eine Wettervorhersage und ein frisches Baguette ein, und verlassen dann den Hafen von Morgat mit Kurs Südsüdwest … wobei, während des ganzen Vormittags führt der Weg erst mal nur nach Westen, man muss nämlich an der Île de Sein und den vorgelagerten Felsen vorbei, bevor man nach Süden abbiegen kann. Der Wind kommt dabei zunächst mäßig aus Nord, frischt aber langsam auf; als wir am späten Mittag den Kurs ändern können, wechseln wir vom Vollzeug auf die beidseits ausgebaumten Vorsegel, um mit dieser ‚Passatbesegelung‘ vor dem Wind in die Biskaya zu fahren.

Abendliche Begegnung mit der Juan Sebastián de Elcano

Der Wind legt auch tatsächlich zum Abend immer mehr zu, so dass wir gute Geschwindigkeiten um die 7 Knoten laufen; da die Wellen auch Höhen von 2-3 Metern erreicht haben und in sehr kurzer Folge auf das Heck gelaufen kommen, rollt die ‚Orion‘ allerdings ganz erbärmlich dabei. An Schlaf ist in der ersten Nacht nicht zu denken …

Eine Abwechslung stellt nach Sonnenuntergang die Begegnung mit der ‚Juan Sebastián de Elcano‘ dar, dem Segelschulschiff der spanischen Marine – dem einzigen anderen Schiff im Umkreis von hundert Meilen, und wir müssen noch den Kurs korrigieren, um nicht zusammenzustoßen … phänomenal.

Zum Morgen hin nimmt der Wind deutlich ab; wir halten dies für einen vorübergehenden Effekt, da die GRIB-Daten für den ganzen Tag konstante 6 Beaufort aus Nordnordost versprechen, und unternehmen erst mal … nichts. Die ‚Orion‘ rollt munter in den immer noch beachtlichen Wellen, und fährt immer langsamer, da der Wind fehlt. Am Nachmittag wird es immer schlimmer, es braucht dringend mehr Tuch … doch selbst die aktuellen Vorhersagen per NAVTEX kündigen immer noch 6 bis 7 Windstärken mit Böen bis Stärke 9 für die Nacht an – will man da mit Vollzeug reinfahren? Es beginnt also ein beispielloses Segelwechsel-Training: Vorsegelbäume bergen, Groß mit Bullenstander setzen; der Wind legt zu, Groß reffen; der Wind nimmt wieder ab, Groß ausreffen; der Wind kommt zurück, Groß wieder reffen; er lässt wieder nach, ausreffen und Klüver wieder ausbaumen. Nach einigen Stunden unterhaltsamer Bordgymnastik (nicht zu vergessen, das Boot rollt bei all dem wie wild!) zwischen Sorge vor dem Sturm und Kampf mit der Flaute weiß die jüngste NAVTEX-Vorhersage nichts mehr von 9er Böen … also, Klüver ausgebaumt, zur Sicherheit ein Reff ins Groß und Bullenstander gesetzt (alles unter heftigen Verwünschungen auf alle Wetterpropheten dieser Welt, versteht sich), und dabei bleibt es jetzt für die Nacht, komme da was wolle!

Die galizische Küste empfängt uns nebelverhangen

Und es kommt tatsächlich, aber nicht mehr, als die sehr stabile ‚Orion‘ verkraften kann; bis 25 Knoten steigt der mittlere Wind, eine gute Stärke 6, und das Boot rauscht auf raumem Kurs nur so durch die Nacht; zum Morgen wird es aber schon wieder weniger, und nach Sonnenaufgang schütteln wir das Reff aus dem Großsegel und fahren den Rest des Tages mit angenehmen Kurs zum Wind und guter Geschwindigkeit weiter. Erst am späten Nachmittag verlässt uns der Wind dann ganz, so dass wir die letzten zwei Stunden motoren müssen. Als endlich Land in Sicht kommt, meinen wir uns verfahren zu haben: grüne Wälder über schroffen Felsen, alles in Regen und Nebel verhangen: sind wir etwa in Norwegen gelandet? Aber gegen 19 Uhr erreichen wir den Hafen von Viveiro in der gleichnamigen Ría, wo wir nach 325 Seemeilen und 59 Stunden festmachen und feststellen: wir sind in Spanien!